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"Die Traurigkeit ist immer da"

Drogensucht "Die Traurigkeit ist immer da"

Auch wenn der Schmerz ein ständiger Begleiter ist, Marita A. hat gelernt, damit umzugehen. Sie spricht mit Freunden, wenn es ihr schlecht geht. Und sie spricht mit den Streetworkern, die sie schon teilweise seit Anfang der 1990er Jahre kennt. Am Dienstag war nationaler Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige.

Rund 30 Angehörige und Freunde verstorbener Drogenopfer gedachten gestern an der Paul-Gerhard-Kirche ihren Lieben.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Wenn ich meinen Jungen selbst nicht erreichen kann, dann vielleicht durch sie, dachte ich mir damals", erinnert sich die 63-Jährige. Maritas Sohn hatte es nach zahlreichen Therapien nicht geschafft, völlig clean zu werden. Er starb 2006, im Alter von 27 Jahren, an einer Überdosis Methadon.

 Gestern kam Marita mit rund 30 weiteren Menschen zusammen, die ähnlich fühlen wie sie, die Ähnliches erlebt haben. Zum nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige am 21. Juli beteiligte sich auch die Stadt Leipzig mit einer Veranstaltung. Die Organisatoren - ein loser Bund aus verschiedenen Einrichtungen des Jugend- und Gesundheitsamtes, dem St. Georg Klinikum, dem Suchtzentrum, betroffenen Eltern und Ex-Konsumenten - verlagerten die Gedenkfeier kurzfristig von der Paul-Gerhardt-Kirche in den Kirchgarten der Gemeinde Connewitz-Lößnig. Und gleich zu Beginn verkündeten sie: Das Grünflächenamt genehmigt einen Standort für einen Gedenkstein im Umfeld des Rosentals. 2009 wurden erstmals Spenden zur Finanzierung des Mahnmals gesammelt und mittlerweile hat auch ein Steinmetz erste Ideen für die Gestaltung auf Papier gebracht. "Das Projekt ist seit heute wieder in greifbare Nähe gerückt", sagte Benedikt Geppert, Sozialarbeiter beim Leipziger Jugendamt.

 Seit etwa zehn Jahren findet der Gedenktag in Leipzig nun schon statt, an Orten wie der Nikolaikirche, dem Augustusplatz oder eben der Paul-Gerhardt-Kirche. Verschiedene Aktionen werden alljährlich geplant, um ihn an die Öffentlichkeit zu tragen. Knapp 40 Rosen banden die Teilnehmenden gestern an die Mauern des Kirchengeländes - Zeichen der Erinnerung, der Hoffnung, wie es Pfarrerin und Krankenseelsorgerin Ulrike Franke in ihrer Andacht formulierte. "Für uns sind die Blumen außerdem ein Zeichen der Mahnung nicht aufzugeben, uns für Menschen einzusetzen", sagte Franke, "uns für eine Drogenpolitik einzusetzen, deren erstes Ziel es ist, das Leben von Menschen zu schützen."

 Nach dem symbolischem Akt ging es zurück in den Kirchgarten und zu einer geselligen Runde, in der sich auch Marita wohlfühlte. "Man muss sich aktiv einen Weg suchen, etwas anzufangen, denn die Traurigkeit ist immer da. Die kann man nicht verdrängen", sagte sie zwischen Apfelsaft und Kartoffelsalat. "In den vergangenen 20 Jahren hatte ich ein hartes und schlimmes Leben. Ich habe meine ganze Familie verloren, musste meine Eltern pflegen, traf auf Unverständnis von meinen Partnern, so dass ich mich entscheiden musste: Weiterleben oder nicht. Ich glaube, ich habe die Entscheidung getroffen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2015
Graul, Victoria

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