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Die Wagenburg auf dem Tanklager: Gefährlicher Standort in Leipzig-Volkmarsdorf

Die Wagenburg auf dem Tanklager: Gefährlicher Standort in Leipzig-Volkmarsdorf

Eigentlich ist Leipzig eine Wagenburg-freundliche Stadt. Mit derzeit mindestens acht Plätzen könnte es sogar die deutsche Metropole der fahrbaren Wohnungen sein.

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Die Wagenburg "Rhizomia" in Leipzig-Volkmarsdorf.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Laut dem "Arbeitsprogramm 2020" des Oberbürgermeisters gehören sie zur Leipziger Vielfalt, sollen durch die Kommune gefördert werden.

Neuerdings gibt es aber ernsthafte Probleme in Volkmarsdorf. Nahe der Schulze-Delitzsch-Straße stehen jetzt bereits zwei Wagenburgen auf einer Industriebrache, für die es längst einen gültigen Planfeststellungsbeschluss gibt. Demnach soll das Areal als ökologische Ausgleichsfläche für den City-Tunnel-Bau dienen - entsiegelt und renaturiert werden. Das Geld dafür hat der Grundstückseigentümer Deutsche Bahn AG bereitgestellt. Die Arbeiten vor Ort wollte die Stadt Leipzig allerdings in eigener Regie ausführen, dabei auch einen kleinen Park als Keimzelle für die Stadtentwicklung in dem Gebiet anlegen.

Doch seit sich am 29. Mai 2014 die erste Wagenburg namens "Trailormoon" nahe eines einsturzgefährdeten Schornsteins niederließ, hatte es das Rathaus mit der Renaturierung nicht mehr eilig. Die weit vorangeschrittenen Verhandlungen über einen Kauf des Geländes von der Bahn wurden "gestoppt", bestätigte Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) auf LVZ-Anfrage. Der Eigentümerwechsel wäre aber Voraussetzung für das Entstehen der grünen Oase.

Am 15. Oktober 2014 zog eine zweite Wagenburg-Gruppe namens "Rhizomia" auf dasselbe Areal - allerdings an eine andere Stelle: genau über ein altes Tanklager nahe der Benningsenstraße. Laut Bahn-Sprecher Jörg Bönisch wurden die unterirdischen Großtanks aus DDR-Zeiten bis 1994 durch die Firma Minol genutzt. "Daher rührt eine deutliche Belastung des Untergrundes durch Mineralölkohlenwasserstoffe. Die komplette unterirdische Infrastruktur befindet sich noch im Boden. Im unmittelbaren Umfeld befinden sich baufällige Gebäude. Die Wagenburgbesetzer wurden zum sofortigen Verlassen des Grundstücks aus Eigensicherungsaspekten aufgefordert."

Dem kam die "Rhizomia"-Gruppe freilich nicht nach. Obwohl direkt vor den Eingängen einiger Wagen nun metertiefe Schächte ohne jede Bedeckung klaffen, Benzinrohre aus dem Boden ragen und ein gelb-rotes Schild mit der Aufschrift "Minol Tanklager" zu sehen ist, wollen die neuen Bewohner auf keinen Fall wieder abziehen.

Bei einem LVZ-Besuch vor wenigen Tagen war niemand von der "Rhizomia"-Gruppe anzutreffen. Nahe der Schächte lag ein bunter Plastekindersitz, neben einer Häuserruine stand ein grüner Buggy. Woher die Gruppe kam, ob zu ihr eventuell auch Mitglieder der Wagenburg am Jahrtausendfeld in Lindenau gehören (wo unlängst einige Wagen verschwanden), vermag Bürgermeister Rosenthal nicht zu sagen. Eine Zuordnung sei schwierig, weil die meisten Bewohner nicht mal ihren Namen gegenüber den Behörden mitteilen wollten.

Für den Wagenplatz am Jahrtausendfeld (dort sollen eine Grundschule, Turnhalle und Wohnungen entstehen) habe sein Dezernat eine geeignete, dauerhafte Ausweichfläche ganz in der Nähe gefunden. Rosenthal: "Wir sind da in guten Gesprächen." Nach LVZ-Informationen muss die dortige Gruppe für das neue Areal eine niedrige Gemeinschaftspacht von 50 Euro pro Monat zahlen.

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Benzinrohre und metertiefe Schächte zeigen an, dass die Wagenburg "Rhizomia" auf einem alten Tanklager steht.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Auch für die beiden Volkmarsdorfer Gruppen hat die Bahn eine Ersatzfläche angeboten: an der Geithainer Straße in Sellerhausen-Stünz. Das ist "Trailormoon" und "Rhizomia" aber zu weit draußen am Stadtrand. In einer gemeinsamen Erklärung protestierten sie gerade gegen die "neoliberale Stadtpolitik" in Leipzig und meinten: "Von schicken Stadtparks gibt es schon genug." Statt den Planfeststellungsbeschluss umzusetzen, solle ringsum das Tanklager ein Ort entstehen, der von vielen Bürgern gestaltet wird. "Wir sind weder an einem regulären Mietverhältnis interessiert noch daran, ein Grundstück zu kaufen. Im Falle einer Räumung stehen eine Vielzahl an Menschen und Wägen buchstäblich auf der Straße. Was dann durchaus auch ein Problem der Stadt ist, wenn die Parkplätze vorm Rathaus zu unseren Vorgärten werden."

Stadträte wie Juliane Nagel (Linke) oder Mathias Weber (SPD) fordern bereits, einen Runden Tisch "Wagenplätze" einzuberufen. Den einsturzgefährdeten Schornstein bei "Trailormoon" will die Bahn in den nächsten Tagen aus Sicherheitsgründen abreißen lassen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 7. November 2014.

Jens Rometsch

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