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Die fast vergessene Industrie- und Gewerbeausstellung

Leipziger Historie Die fast vergessene Industrie- und Gewerbeausstellung

Nächstes Jahr hat die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung ihren 120. Geburtstag. Das war eine umfassende Leistungsschau Mitteldeutschlands, die 1897 nahezu 2,4 Millionen Besucher in ihren Bann zog. Die Betreiber des Musikpavillons wollen im Clara-Zetkin-Park daran erinnern.

Der Historie auf der Spur (v.l.): Eberhard Wiedenmann, Enrico Hochmuth und Mike Demmig.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Für mich ist die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung ein Meilenstein der Industriekultur. Deshalb sollten wir gebührend an sie erinnern“, redet sich Enrico Hochmuth, der als jugendlicher Sammler von Postkarten erstmals mit dem Thema in Berührung kam, ein wenig in Rage. Später verfasste er seine Diplomarbeit sowie Beiträge für wissenschaftliche Jahrbücher und die Leipziger Blätter zu diesem Thema. 2012 erschien die Dissertation des Experten zum Thema „Industrie- und Gewerbeausstellungen in Sachsen 1824 – 1914“ im Sax-Verlag. Hochmuth gerät ins Schwärmen, wenn er von der Ausstellung spricht, die eigentlich für die damals krisengeschüttelte Leipziger Messe werben sollte. Drei Jahre hat es gedauert, bis das 400 000 Quadratmeter große Areal hergerichtet war. Etwa 15 Prozent der Fläche waren bebaut - mit Ausstellungshallen, Vergnügungsstätten und historischen Nachbildungen. Dazu gehörte ein malerisch verklärtes Ensemble alter Gebäude wie Naschmarkt mit Polizeiwache, Rathaus, Auerbachs Hof. Zu erleben war ein „Thüringer Dorf“ mit Gasthof und Gemeindehaus, Mühle und Kirche. Sogar die Wartburg gab sich als Nachbildung die Ehre. Eine Kunstausstellungshalle zeigte Klinger-Monumentalwerke. „Sogar echte ’Eingeborene’ aus Deutsch-Ostafrika wurden zur Schau gestellt, was allerdings schon damals umstritten war“, erklärt Hochmuth.

Für Amüsement sorgten ein „Kneipenviertel“ sowie ein Theater, ein Alpendiorama und ein Arktispanorama mit echten Eisbären und falschen Eskimos. Wer wollte, konnte sogar mit einem Fesselballon 500 Meter aufsteigen. Es gab auch eine „Haupthalle für Industrie und Maschinen“, in der sich Leipzig nicht nur als die deutsche Stadt des Buches und Buchgewerbes, sondern auch als ein Zentrum des deutschen Maschinenbaus präsentierte. „Unglaublich, was für ein Aufwand damals betrieben wurde“, staunt Gastronom Eberhard Wiedenmann. Er möchte am Musikpavillon an diese Tradition erinnern. „Wir planen einen ganzen Tag, um das Thema vorzustellen“, kündigt Demmig an. Dabei wird auch Kulturhistoriker Hochmuth sein, der den Verein Industriekultur dafür begeistern will. Im Park sollen – wahrscheinlich am 27. August im Einklang mit dem Wasserfest – einige kleine Tafeln über die Schau gezeigt werden. Die Intention: Vielleicht gelingt es ja, die Stadt zu überzeugen, eine kleine Freiluftausstellung ab April 2017 im Park zu unterstützen?

Nach Ausstellungsende wurden die Hallen und Häuser der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung abgebrochen. Auf Initiative vom damaligen Oberbürgermeister Georgi entstand auf dem Gelände der König-Albert-Park, die „Keimzelle“ des späteren Zetkinparks.

Von Mathias Orbeck

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