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Lokales Die faszinierende Kunst des Peter William Holden
Leipzig Lokales Die faszinierende Kunst des Peter William Holden
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00:21 05.07.2018
Choreografie mit Armen und Beinen: Peter William Holdens Installation „Arabesque“ ist derzeit in Brasilien zu sehen. Quelle: Foto: Matthias Möller
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Leipzig

Seit 19 Jahren schon lebt Peter William Holden in Leipzig. Über den ganzen Globus waren und sind seine Arbeiten zu besichtigen – und trotzdem spuckt das Internet kaum einen deutschsprachigen Eintrag über ihn aus. Im Radius zwischen Ostsee und Allgäu ist der 48-Jährige weitgehend unbekannt, international dagegen gehört er zu den gefragten Akteuren im Bereich Neue Medienkunst. Von Dienstag bis zum 12. August präsentiert er zwei seiner Werke beim File Festival im brasilianischen Sao Paulo.

In Leipzig können diejenigen etwas mit seinem Namen anfangen, die die einzigartige, nun endgültig geschlossene Kunststadt „Bimbo Town“ in Markkleeberg, danach in der Fockestraße und zuletzt in der Alten Baumwollspinnerei erlebt haben. Holden gehörte zum Team seines Landsmannes Jim Whiting, das mit Druckluft-Technik und elektronischen Antriebs-Finessen dafür sorgte, dass Schränke durch die Halle spazieren fuhren, herrenlose Jacken durch die Luft wedelten oder Barhocker wie von Geisterhand hoch- und niedersausten. Hier verfeinerte Holden seine in Brighton erlernte Fähigkeit, Skulpturen lebendig werden zu lassen.

Vor gut zwei Jahren machte Bimbo Town nach mehreren Zäsuren die Tore dicht, und längst arbeitet auch Whiting eher im Ausland – ebenso wie sein englischer Künstlerkollege mit Leipzig als Lebensmittelpunkt. „Es ist eben nach wie vor eine spannende und quirlige Stadt“, findet Holden, der hier inzwischen eine Familie gründete. In den vergangenen Jahren hat der sympathische, mit typisch britischem Humor ausgestattete Mann zahlreiche Festivals, Museen und großflächige Ausstellungen mit seinen Konstrukten auf der ganzen Welt bespielt – in Kanada, Taiwan, China, Bulgarien, Australien und vielen anderen Ländern.

Vergangenen Mittwoch ist Peter William Holden in Sao Paulo gelandet, um für das Festival mit dem Aufbau zweier spektakulärer Installationen zu beginnen. „Arabesque“ wirkt wie eine Mandala-artige Konstruktion aus Armen und Beinen. Zu Johann Strauß’ „An der schönen blauen Donau“ formen die pneumatisch gesteuerten Gliedmaßen aus Polyester durch Anwinkeln oder Ausklappen immer neue Muster. Ein präzise programmierter Roboter-Tanz zwischen Anmut und subtilem Witz. Die zweite Arbeit: In „Vicious Circle“ vollführen weit ausholende Arme und Hände an kopflosen Körpern aus Kabel und Metall eine Performance zu Prokofjews „Romeo und Julia“. Bewegungen von fixierten Wesen, die wie Aufforderungen an den Betrachter wirken, sie aus ihrer Starre zu erlösen.

Zwei Beispiele für Holdens Meisterschaft, Computer-Hardware mit slapstick-artiger Filmästhetik, klassischer Musik und Choreografie zu verbinden. Wissenschaft und Kunst liegen hier nah beieinander. Kunst, die nur so lange existiert, wie sie sich bewegt – wie in der Kinematografie. „Alles im Leben ist flüchtig und hat eine zeitliche Begrenzung, das sollen meine Arbeiten festhalten“, sagt Holden, der in einem einzigen Satz gelegentlich zwischen Englisch und Deutsch hin und her wechselt. Sein Hang zum Pendeln zwischen den Welten, er äußert sich auch im Gespräch mit dem Künstler.

Am kommenden Donnerstag, wenn alle Polyester-Beine und -Arme ihrem Schöpfer gehorchen, steigt Peter William Holden wieder ins Flugzeug und kehrt zurück. In eine Stadt, die ihn weniger kennt, als man glauben mag.

Videos von Holdens Arbeiten kann man auf www.peter-william-holden.com ansehen.

Von Mark Daniel

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