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Lokales "Die meisten Deutschen wissen nicht, wie Chinesen denken"
Leipzig Lokales "Die meisten Deutschen wissen nicht, wie Chinesen denken"
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18:30 11.04.2018
Beng-Yin Zhu ist Vorsitzender des Deutsch-Chinesischen Zentrums Leipzig. Quelle: André Kempner

Frage: Ist das Deutsch-Chinesische Zentrum ein Freundschaftsverein? Oder womöglich ein Wirtschaftsförderverein?

Beng-Yin Zhu: Nein, beides trifft nicht zu. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und wollen mit unseren Veranstaltungen Interesse wecken und über China informieren. Gerade weil umgekehrt in China fast 95 Prozent der Bevölkerung gut über Deutschland informiert sind. Selbst weit draußen in ländlichen Regionen können Sie die Menschen fragen, wie die deutsche Bundeskanzlerin heißt. Deutschland hat in China einen sehr guten Ruf, ist in chinesischen Zeitungen ständig präsent - und zwar sehr positiv. Hier bei uns spielt China nicht so eine große Rolle - und wenn, dann ist der Tenor oftmals eher negativ. Ich weiß, wie Deutsche denken, aber die meisten Deutschen wissen nicht, wie Chinesen denken. Das ist eine Ungleichheit - da sehe ich eine große Aufgabe für unseren Verein. Denn Chinas Bedeutung wächst weiter. Was dort passiert, kann früher oder später Einfluss auf unsere Gesellschaft in Deutschland haben. Unserem Verein geht es darum, eine Plattform für Bürger und auch für Unternehmer zu sein, die an China interessiert sind. Wir sind keine Wirtschaftsförderung und kein Business-Verein.

Sie bahnen aber schon auch Wirtschaftskontakte an?

Nein. Wir befördern durch unsere Arbeit vielleicht die Bildung von Netzwerken im Rahmen eines kulturellen Austauschs. Alles, was darüber hinaus geht, was wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Mitgliedern angeht, hat nichts mit dem Verein zu tun. Das wollen und dürfen wir nicht.

Die Gründung des Deutsch-Chinesischen Zentrums Leipzig lässt sich auch historisch erklären...

Ja, ein Blick in die Geschichte lohnt sich: Leipzig hatte schon vor 100 Jahren viele Verknüpfungen nach China - die Stadt nahm diesbezüglich eine führende Funktion in ganz Deutschland ein. Damals noch gar nicht so sehr durch die Messe - eher durch die Wissenschaft. Der erste deutsche Lehrstuhl für Sinologie wurde 1889 an der Universität Leipzig gegründet. Zu DDR-Zeiten hat die chinesische Regierung 286 Studenten zur Ausbildung ans Leipziger Herder-Institut geschickt. Das war Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre. Mit dem sowjetisch-chinesischen Zerwürfnis wurde diese Entwicklung beendet. Aber die früheren Leipziger Studenten landeten überwiegend in einflussreichen Posten und Schlüsselpositionen im Außen- und Außenhandelsministerium. Man spricht in China in diesem Zusammenhang scherzhaft von der "Leipzig-Mafia". Auch Mei Zhaorong, chinesischer Botschafter in der Bundesrepublik von 1988 bis 1997, gehört zu dieser Gruppe. Mit befördert durch diese einflussreichen Leute gibt es eine sehr starke Verbindung zwischen China und Deutschland und besonders zwischen China und Leipzig.

Wie wurde der heutige Verein auf den Weg gebracht?

Nach der Wende wollte man, auch seitens der Stadt, die Leipziger Beziehungen nach China neu beleben. Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube und Gabriele Bock, die sich damals um die Internationalen Beziehungen kümmerte, unterstützten und beförderten das sehr stark. Die Städtepartnerschaft nach Nanjing war zwar erst 1988 begründet worden, danach aber zunächst praktisch tot. Meine Frau hatte damals die Gaststätte Seidenstraße in Gohlis, dort feierten wir im Mai 1993 offiziell das einjährige Bestehen des Restaurants. Es war aber eigentlich nur der Anlass, bei dem Lehmann-Grube und Botschafter Mei Zhaorong offiziell vereinbarten, die Beziehungen wieder zu verstärken. In seiner ehemaligen Studenten-Stadt ist das dem Botschafter sicher leichter gefallen.

Und wie kam es zur Gründung?

Meis Nachfolger Lu Qiutian hatte die Idee, einen Verein aus der deutschen Gesellschaft heraus zu gründen - also explizit keinen Verein, der von Chinesen gegründet wird. Es sollte ein hier verwurzelter Verein in privater Initiative mit kommunaler Unterstützung sein. Kein reiner Freundschaftsverein, sondern einer, der sich auch kritisch mit bestimmten Entwicklungen auseinandersetzt. Im Mai 2001 stellte Botschafter Lu Qiutian dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee dieses Konzept vor. Ich war auch dabei. So wurde das Deutsch-Chinesische Zentrum Leipzig geboren.

Wer war bei der Gründung dabei?

Zentrale Akteure waren die Stadt, die sächsische Staatsregierung, die IHK und die Handelshochschule. Gründungspräsident war wieder der damalige chinesische Botschafter in Deutschland Lu Qiutian.

Werden Sie aus China unterstützt?

Nein, das wollen wir auch nicht. Wir haben sehr gute Kontakte - bis zur chinesischen Regierung. Aber finanziell möchten wir unabhängig sein. Wir haben zu unseren Veranstaltungen immer wieder auch kritische Referenten eingeladen. Zum Bei- spiel im Rahmen der Diskussionen um die Einladung des Dalai Lama nach Deutschland. Wir möchten ein Verein sein, der die kritische und offene Auseinandersetzung zulässt und fördert.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2014
Meine, Björn

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