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Direktor vom Leipziger Naturkundemuseum warnt vor Bowlingtreff

Direktor vom Leipziger Naturkundemuseum warnt vor Bowlingtreff

Ein Resultat kann er nicht hinterlassen: Rudolf Schlatter geht Ende Januar 2014 in den Ruhestand. Wo das "Naturkundemuseum der Zukunft" entsteht, ist nach wie vor unklar.

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Geht Ende Januar in den Ruhestand: Rudolf Schlatter

Quelle: André Kempner

Der scheidende Direktor favorisiert aber das bisherige Domizil am Goerdelerring. Gefragt ist seine fachliche Meinung im Rathaus allerdings nicht.

 Seit Februar 1993 leitet Rudolf Schlatter das Naturkundemuseum, hat in dieser Zeit viele Höhen und vor allem Tiefen - vom "reduzierten Betrieb" bis hin zur Sperrung der Dauerschau aus brandschutzrechtlichen Gründen - erlebt. Mittlerweile sind die erste und zweite Etage wieder für zahlenmäßig begrenzte Besuchergruppen offen. "Das Interesse der Besucher ist groß, unser Angebot wird gut angenommen", konstatiert der Schweizer, der 1993 aus Schaffhausen am Rheinfall nach Leipzig gekommen ist. Und seitdem miterleben musste, wie das Naturkundemuseum in der Stadtverwaltung stiefmütterlich behandelt wird.

 Das Gebäude, das aus baurechtlichen Gründen kurz vor der Schließung stand, ist keineswegs im besten Zustand. Eine Entscheidung, wie es weitergeht, so wirft der Freundeskreis der Stadtverwaltung vor, wird seit Jahren verschleppt. Mittlerweile liegt zwar zumindest der Entwurf eines Masterplanes vor. Geld, um die weiteren Planungen voranzutreiben, hat der Stadtrat aber kurz vor Weihnachten für 2014 verweigert. Die Entscheidung, ob das Museum in seinem bisherigen Domizil verbleibt, ist offen. Das allerdings ist für Schlatter die einzig akzeptable Variante. Er macht zwar keinen Hehl daraus, dass sein Favorit eigentlich ein Umzug ins ehemalige Landratsamt am Tröndlinring gewesen wäre. Das wurde aber "als zu teuer" verworfen.

 Von einem Umzug in den ehemaligen Bowlingtreff hält der scheidende Direktor dagegen nichts. Er habe große Bedenken wegen der Feuchtigkeit, zumal der Grundwasserspiegel in ganz Leipzig steige. Woher das Wasser in den unteren Räumen des Bowlingscenters kommt, wird zwar momentan durch ein Gutachten untersucht. "Wasser ist aber gefährlich für die sensiblen Sammlungen. In Halle und Chemnitz sind naturwissenschaftliche Sammlungen in Mitleidenschaft gezogen worden", betont der 65-Jährige. Im Gebäude auf dem Leuschnerplatz seien zudem die Raumhöhen nicht ideal. "Aus unserem Haus kann man hingegen was machen", sagt Schlatter und erinnert an den Entwurf von Architekt Adalbert Haberbeck, der Pläne vorgelegt hat, das Haus zu entkernen und durch Stahlbetonstützen zu stabilisieren sowie um einen Anbau für Sonderschauen und Veranstaltungen zu ergänzen. Darüber hinaus gibt es Untersuchungen von Studenten der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). Derzeit werde auch das architektonische Gesicht des Museums von HTWK-Studenten beleuchtet. Das Kernproblem sei natürlich die Funktionalität des "Archives der Natur". "Es muss vertieft untersucht werden, was ein modernes Museum für eine Struktur haben muss, damit es all seine Funktionen erfüllen kann." Das sei entscheidend.

 Der 65-Jährige bedauert, dass derzeit vorrangig über Standorte, weniger über Inhalte und Konzepte diskutiert wird. Leipzig könne "50 Millionen Jahre Klima- und Landschaftsgeschichte" darstellen, wofür die Region ein riesiges Labor bietet. Inzwischen sei der Vorlass von Geologie-Guru Lothar Eißmann mit allein 15 000 Bilddokumenten ins Haus gekommen. "Mit Klimageschichte, die wegweisend für die Bildung von Landschaftsräumen ist, hätte Leipzig einen Schwerpunkt, der in anderen Häusern nicht zu finden ist."

 Doch kann das seit Jahren "zusammengesparte" Museum überhaupt noch seine Aufgaben erfüllen? "Das vorhandene Personal kann die Vorbereitung einer neuen Dauerschau nicht stemmen", sagt der Direktor, der derzeit in Personalunion die Funktion des Geologen wahrnimmt. Mit seinem Ausscheiden Ende Januar ist auch das ungeklärt. Einen Archäologen gibt es ebenfalls nicht. Der zoologische Präparator benötigt ebenso Hilfe. "Es ist aber eine Ohrfeige, wenn in der Politik behauptet wird, dass bereits alles in Staub verfällt. Da hätte ich längst Alarm geschlagen." Dennoch hat das Museum Konservierungsbedarf, etwa bei der berühmten Ter-Meer-Sammlung. Derzeit gibt es im Museum 8,7 Stellen, 1990 waren es noch 22.

 Bitternis schwingt bei Schlatter trotzdem nicht mit: "Ich habe meine Arbeit mit meinem Team für Menschen getan, die Interesse an Natur und Lebensräumen haben." Wäre er jünger, würde er sich erneut um die Direktorenstelle bewerben. Die Auswahl eines Nachfolgers läuft.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.12.2013
Mathias Orbeck

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