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Doppeltes Gedenken an rassistische Mordfälle in Leipzig

Am Montag und Dienstag Doppeltes Gedenken an rassistische Mordfälle in Leipzig

Vor sieben Jahren wurde Kamal K. von zwei Rechtsradikalen am Hauptbahnhof erstochen. Bereits 1996 ermordeten Neonazis einen Syrer in der Südvorstadt. Zwei Demos erinnern nun nicht nur an diese Opfer.

Unweit des Tatorts am Hauptbahnhof wurden 2010 Blumen für Kamal K. niedergelegt.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Am 24. Oktober 2010 wurde Kamal K. vor dem Leipziger Hauptbahnhof ermordet. Zwei Neonazis hatten den jungen Mann aufgrund seines ausländischen Aussehens erst angepöbelt und anschließend mit einem Messer tödlich verletzt. Seither findet jährlich am Todestag von Kamal K. ein Gedenkmarsch durch Leipzig statt – so auch 2017. Allerdings ist die Erinnerung in diesem Jahr auch Teil einer Veranstaltungsreihe, die weitere Opfer rassistischer Gewalt in der Messestadt ins Gedächtnis zurückrufen möchte. Bereits am Montagabend gibt es eine Kundgebung in der Südvorstadt.

Diese Zusammenkunft ab 18 Uhr an der Straßenecke Schletterstraße/Karl-Liebknecht-Straße soll an Achmed B. erinnern, der am 23. Oktober 1996 von Rechtsextremen in einem Gemüsegeschäft auf der Süd-Magistrale ermordet worden war. Die beiden Täter, Daniel Z. und Norman E., waren schon stundenlang mit rassistischen Parolen durch die Stadt gezogen, ehe sie am Abend das Geschäft betraten. Dort bezeichneten sie die Verkäuferinnen als „Türkenfotzen“ und „Türkenschlampen“ und griffen sie schließlich an. Achmed B. wollte seinen Kolleginnen helfen, im Handgemenge stachen die beiden Täter auf den jungen Syrer ein. Achmed B. starb an den Verletzungen.

Motiv: Ausländisches Aussehen

Erst 15 Jahre nach der Tat wurde diese auch als rassistisch anerkannt. Anders bei Kamal K., dessen Mörder 2010 auch nach Überzeugung des Gerichts aufgrund ihres Ausländerhasses gehandelt hatten. Der Haupttäter Marcus E. wurde deshalb zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, sein Komplize erhielt drei Jahre Freiheitsentzug.

In Gedenken an den jungen Iraker beginnt am 24. Oktober um 17 Uhr eine Demonstration am C.-W.-Müller-Park vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Angeführt wird diese vom Initiativkreis Antirassismus in Leipzig. „Wir wollen, dass Menschen wie Achmed B. und Kamal K. nicht vergessen werden, Menschen, die nicht ins Weltbild von deutschen Täterinnen und Tätern passten und deshalb ihr Leben lassen mussten”, sagte Sprecher Hannes Heinze.

188 rechtsmotivierte Morde

Laut Statistik der Amadeu-Antonio-Stiftung gab es seit 1990 insgesamt 188 rechtsmotivierte Morde in der Bundesrepublik. In Leipzig gehören neben Kamal K. und Achmed B. auch der 1994 von Skinheads zu Tode geprügelte Klaus R., der 1996 von Rechtsextremen erstochene Bernd G., der 1998 von Neonazis misshandelte Zimmermann Nuno L. und der 2008 von einem betrunkenen Neonazi zu Tode geprügelte Obdachlose Karl-Heinz T. dazu. 2011 starb zudem der Obdachlose André K. in einem Leipziger Krankenhaus, nachdem er in Oschatz von Rechtsextremen misshandelt worden war.

Darüber hinaus gibt es zwei weitere Verdachtsfälle rassistischer Morde in Leipzig: 1995 wurde der obdachlose Horst K. in einer Leipziger Straßenbahn von Jugendlichen angezündet und erlag später den Verletzungen. 2003 starb der Schüler Thomas K auf dem Weg ins Krankenhaus, nachdem er zuvor von einem Neonazi mit einem Messer angegriffen worden war.

Überblick der Todesopfer rechter Gewalt: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

Von mpu

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