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Drastischer Sparkurs für Leipzigs Kultur: Skala macht dicht, Oper spart Personal

Drastischer Sparkurs für Leipzigs Kultur: Skala macht dicht, Oper spart Personal

Drastische finanzielle Einschnitte von rund einer Million Euro müssen Leipzigs Oper, Gewandhaus und Centraltheater abfedern. Die Kürzung der Kulturraumförderung reißt Löcher ins Budget.

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Der Leipziger Stadtrat diskutierte heiß die finanzielle Misere der Kultureinrichtungen.

Quelle: Andreas Doering

Leipzig. Probleme mit alter Technik und Bausubstanz verschärfen die Lage. Jetzt wird gestrichen, wo es geht: Das Centraltheater schließt die Skala, die Oper baut Stellen ab, das Gewandhaus streicht das Rosental-Konzert. Leipzigs Stadtrat verabschiedete unter heißen Diskussionen die Wirtschaftspläne der Kulturbetriebe.

Wie viel Kultur kann und will sich Leipzig leisten? Diese Frage beherrschte den Schlagabtausch der Fraktionen vor der Abstimmung der Wirtschaftspläne von Oper und Gewandhaus, Centraltheater und Theater der Jungen Welt. Harsche Kritik an der Finanzplanung für die Kultur kam aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen. "Hier geht es an die künstlerische Substanz", sagte König. Das sei für die Kulturstadt Leipzig existenziell, grabe am Ende auch dem Wirtschaftsstandort das Wasser ab. König empfahl, die Wirtschaftspläne abzulehnen, und seine Fraktion folgte ihm mehrheitlich.

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Reik Hesselbarth, FDP.

Quelle: André Kempner

Auch die FDP-Fraktion unter Führung von Reik Hesselbarth kritisierte den Kurs, der mit der Beschneidung von Angeboten massive Defizite ausgleichen wolle. Allein für Personal- und Betriebskosten sei in den kommenden Jahren mit 3,5 bis 5 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr zu rechnen. Hesselbarth: "Mir fehlt im Moment jede Phantasie woher diese Mittel kommen sollen in Anbetracht der Haushaltslage." Man müsse endlich an die Strukturen der Leipziger Kulturhäuser gehen, die Angebotsvielfalt aber erhalten. Die Liberalen setzen laut ihrem Fraktionschef auf die Ergebnisse des von der Stadt extern beauftragten Gutachtens, und stimmten den Wirtschaftsplänen letztlich zu.

Skadi Jennicke, kulturpolitische Sprecherin der Linken, zweifelte kategorisch an, "dass Kulturbetriebe wie Wirtschaftsbetriebe geführt werden können". Kunst werde subventioniert, um vom Druck des Marktes befreit zu sein. Doch Jennicke beklagte auch die "desolaten Zuschauerzahlen" im Centraltheater, dessen Intendant "mit seinen Publikumsbeschimpfungen auch den letzten Rest Sympathie der Leipziger verspielt hat".

Leipzigs Hochkultur schlägt Alarm

Ein Blick in die Wirtschaftspläne zeigt: Die Eigenbetriebe schlagen Alarm, sehen ihre künstlerische Arbeit ernsthaft in Gefahr. Dramatische Einschnitte bringen die Kürzungen aus dem geänderten Kulturraumgesetz. Die Oper muss auf 636.000 Euro jährlich verzichten, im Budget des Gewandhauses klafft ein Loch von 247.000 Euro. Das Schauspiel bekommt 194.000 Euro Kulturraummittel weniger. Dazu kommen höhere Personal- und Energiekosten, und alle Häuser hätten längst in Haustechnik und Bausubstanz investieren müssen. Allein: Es fehlte das Geld.

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Sebastian Hartmann, Intendant des Leipziger Centraltheaters.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Das

Centraltheater (städtischer Zuschuss: 13,8 Mio. Euro)

zieht die Reißleine und schließt zum 31. Dezember die kleine Spielstätte "Skala" in der Gottschedstraße - vorübergehend, lässt der Stadtratsbeschluss hoffen. Denn bis zum 4. Quartal soll der Oberbürgermeister eine Konzeption vorlegen, wie eine Nebenspielstätte dauerhaft eingerichtet werden kann - Skala und die Räume der ehemaligen Diskothek Schauhaus eingeschlossen. Gespart wird auch bei den Inszenierungen: So wird es kein neues Weihnachtsmärchen geben, stattdessen wird eine Inszenierung aus dem Repertoire wiederbelebt.

Veraltete Technik im Gewandhaus

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Das Gewandhaus zu Leipzig: Bester Ruf, veraltete Technik.

Quelle: Volkmar Heinz

Auch im

Gewandhaus (städtischer Zuschuss: 15,6 Mio. Euro)

herrscht Alarmstufe Rot. Der Wirtschaftsplan rückt den "dramatischen Investitionsbedarf" ins Licht. Die Technik ist offenbar so veraltet, dass das renommierte Konzerthaus in kürzester Zeit "wahrnehmbare Auswirkungen für das Publikum" befürchtet. Zwar hatte der Stadtrat vor zwei Jahren einem mittelfristigen Sanierungskonzept zugestimmt, aber offenbar sieht das Haus Gefahr im Verzug: Der Wirtschaftsplan warnt eindeutig, dass die Brandschutzanlage definitiv im Jahr 2011 erneuert werden müsse, sonst drohe der Entzug der Spielgenehmigung.

Erstmal wird hier und da gestrichen: Das Open-Air-Konzert im Rosental genauso wie zwei Klavierabende mit Daniel Barenboim und Maurizio Pollini, die Reihe "Historische Konzerte", Weltmusikkonzerte und Chorprojekte.

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Die Leipziger Oper muss Stellen abbauen und Inszenierungen einsparen.

Quelle: André Kempner

Die

Oper (städtischer Zuschuss: rund 40 Mio. Euro)

hat den Löwenanteil an Kulturraummittel-Kürzungen zu verkraften. Die Folgen stehen fest: Stellenabbau, weniger Neuinszenierungen und Vorstellungen, Einführung höherer Preiskategorien. Dazu kommt: Auch in der Oper ist die Technik veraltet, das Haus sieht laut Wirtschaftsplan "den ordnungsgemäßen Betrieb gefährdet". Vorrang hat auch hier der Brandschutz, dafür gibt es Geld von der Stadt plus Fördermittel.

Für andere Posten weiß keiner, woher das Geld kommen soll: So schlägt sich die Oper mit Folgen der EU-Glühlampen-Richtlinie herum. Scheinwerfertechnik müsste für rund 500.000 Euro ausgetauscht werden. Die Tontechnik meldet einen Investitionsbedarf von mehr als 100.000 Euro an. Und nicht zuletzt kostet die Umweltzone der Stadt Leipzig Geld, denn auch die Oper muss wie jeder andere Betrieb seinen Fuhrpark umstellen.

Evelyn ter Vehn

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