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Lokales Drehbox sorgt für mehr Komfort bei Kuh-OP – Leipziger Tierärztekongress startet
Leipzig Lokales Drehbox sorgt für mehr Komfort bei Kuh-OP – Leipziger Tierärztekongress startet
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00:27 16.01.2016
Professor Alexander Starke demonstriert an der Veterinärmedizin der Leipziger Uni den neuen Operations- und Behandlungsstand für Rinder. Quelle: André Kempner
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LEIPZIG

Entspannt lässt die Kuh die Prozedur an der Leipziger Uni-Fakultät für Veterinärmedizin über sich ergehen. Ihre Klauen werden bearbeitet, eine Infusion eingeflöst und letzte Untersuchungen für eine Operation vorgenommen, denn sie hat ein Magenproblem. War es bisher schwierig, Rinder zur Diagnostik und Therapie weitgehend stressfrei zu fixieren, kann nun Rinder-Experte Professor Alexander Starke mit seinem Team auf einen neuartigen OP- und Behandlungsstand zurückgreifen. Im Vorfeld des am Donnerstag startenden 8. Leipziger Tierärzte-Kongresses stellte er am Mittwoch die Innovation vor und lieferte dabei Anschauungsunterricht mit besagter Milchkuh, die – bequem liegend – in sich ruhte.

Dank Schwenkmechanismus können mit dem Boxensystem, das Starke zusammen mit der österreichischen Firma Rosensteiner in der vorliegenden Konfiguration entwickelte, die Rinder sowohl stehend als auch in der Waagerechten versorgt werden. Und die Konstruktion ist mit Rädern ausgestattet. „Das macht sie mobil für den Transport zu verschiedenen Einsatzorten“, erklärte Starke, der sie auch beim Kongress der Fachwelt zeigen will. Für viel Publikum ist gesorgt. „Wir haben nochmals bei der Teilnehmerzahl zulegen können“, freute sich Tagungspräsident Professor Gotthold Gäbel von der Veterinärmedizinischen Fakultät, die die Veranstaltung traditionell gemeinsam mit sechs Tierärztekammern und der Leipziger Messe aller zwei Jahre ausrichtet.

Mehr als 4500 Fachleute werden zu dem bis Sonnabend auf der Neuen Messe veranstalteten größten derartigen Branchentreffen im deutschsprachigen Raum mit über 470 Vorträgen sowie Kursen erwartet. Auch bei der zugehörigen Industrieausstellung Vetexpo kann ein Beteiligungsrekord verbucht werden. Messegeschäftsführer Martin Buhl-Wagner: „Die gelungene Symbiose von Kongress und Ausstellung lockt immer mehr Firmen an.“ 210 Unternehmen aus elf Ländern präsentieren diesmal ihre Produkte, vor allem Arzneimittel, Medizintechnik und Diagnostika auf 8000 Quadratmetern. „Auch alle Marktführer sind an Bord“, betonte Buhl-Wagner. „Wir durchdringen den gesamten Markt bis in die Nischen hinein.“

Das Kongressprogramm ist weit gefächert und bezieht sich nicht nur auf viele Fragestellungen zu Nutz-, Haus- und Zootieren. Debattiert werden ebenso ethische Aspekte des veterinärmedizinischen Handelns und ökonomische Probleme, wie die Existenzsicherung von Tierarzt-Praxen. „Es gibt eine Reihe von Interessenkonflikten und Spannungsfeldern, die zu besprechen sind“, meinte Gäbel. Weit oben auf der Agenda steht beispielsweise die Debatte über den Antibiotika-Einsatz respektive multiresistenter Keime. Die entsprechenden Leitlinien würden strenge Maßstäbe setzen und auf den Stopp einer weiteren Resistenzentwicklung zielen, meinte Stefan Krippner, der Präsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt.

Erstmals auf der Tagesordnung des Kongresses steht ein Diskurs über die Qualitätsverbesserung bei Narkosen für Hunde und Katzen. Hintergrund: Das Sterberisiko im Verlauf der Anästhesie ist bei diesen Tieren ungleich höher als beim Menschen. Professorin Michaele Alef von der hiesigen Uni-Veterinärmedizin, die an neuen Orientierungshilfen zur Verbesserung der Situation mitwirkte, stufte diese als wissensbasiert und handlungsorientiert ein. Derzeit liege die Narkose-Sicherheit bei Tieren aber noch auf dem Niveau der Humanmedizin von 1940. „Obwohl sich die neue Leitlinie ausdrücklich auch an der praktischen Umsetzbarkeit orientiert, werden die darin formulierten Forderungen bei dem einen oder anderen Tierarzt ein Umdenken, eine Umorganisation und auch gewisse Investitionen erforderlich machen“, merkte Alef an.

Auf einen juristischen Knackpunkt bei Behandlungen mit zellbasierten Produkten wies der Vorsitzende der Gesellschaft für Pferdemedizin, Eberhard Schüle, hin. Mit Blick auf das Arzneimittelgesetz seien die genehmigungsfreie Produktion und Anwendung solcher Therapeutika dem Tierarzt nur gestattet, wenn sie in seiner Praxis hergestellt und an ihm anvertraute Tiere verabreicht werden. Für Fremdleistungen bedürfe es einer Zulassung.

Von Mario Beck

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