Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Drei Anrufe täglich wegen Problemen mit Waschbären
Leipzig Lokales Drei Anrufe täglich wegen Problemen mit Waschbären
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:18 08.05.2018
Der possierliche Waschbär breitet sich auch in Sachsen immer weiter aus, bedroht dabei einheimische Tierbestände. Quelle: Archiv
Anzeige
Leipzig

„Auch wenn der Waschbär ein Problembär ist, so wird er doch süß und putzig bleiben.“ Mit diesem Satz beschloss Andreas Padberg, der Leiter des Forstbezirkes Leipzig, die bis zum letzten Platz gefüllte Informationsveranstaltung im Oberholzhaus Großpösna. Der Andrang war kaum verwunderlich. „Wir erhalten täglich mindestens drei Anrufe wegen Problemen mit Waschbären“, hatte der Forstdirektor im Verlauf der über zwei Stunden erklärt. In ihnen wurden etliche Aspekte zu dem pelzigen Einwanderer aus Nordamerika erhellt. Fakt sei, dass man ihn nicht wieder loswerden kann, waren sich alle Referenten einig. Es gehe vielmehr darum, eine pragmatische Form des Umgangs und der Schadensverringerung zu finden.

Über 11 000 Tiere in Sachsen erlegt

In der letzten Jagdsaison sind in Sachsen so viele Waschbären erlegt worden wie nie zuvor. Mit 11 200 Tieren waren es 13 Prozent mehr als im Jahr 2016. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl fast verdoppelt. „Allein das macht deutlich, wie sich diese Population entwickelt“, hatte Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) bereits im März erklärt. Sein Haus bereitet jetzt eine Initiative zum gemeinsamen Vorgehen aller Bundesländer gegen Waschbären vor.

Bruterfolg heimischer Vögel leidet

Der Waschbär kann heimische Arten stark schädigen, etwa den Bruterfolg von Vögeln gefährden, stellte René Sievert vom Leipziger Nabu bei der Veranstaltung fest. Den Jagddruck zu erhöhen, bringe aber nichts, weil die verbliebenen Tiere das durch mehr Nachkommen ausgleichen würden. „Sinnvoller ist es, die Lebensräume zu schützen – wie durch Elektrozäune an Kiebitzbrutplätzen.“ In der Fläche lasse sich die Population dieser Raubtiere, die in Europa keine natürlichen Feinde haben, kaum verringern, stimmte Padberg zu. „Lokal ist es aber schon gelungen.“ So sei jüngst eine Reiherkolonie mit 140 Brutpaaren am Wermsdorfer Horstsee gerettet worden, indem dort 40 Waschbären gefangen wurden.

Träger verschiedener Krankheiten

In unserer Region wurden bisher fünf verschiedene Stammbäume von Waschbären genetisch nachgewiesen, so Stefan Birka von der Uni Leipzig. Diese transportierten nicht selten Krankheitserreger (Spulwürmer, Toxoplasmose, Giardien, Borreliose), die auf Mensch oder Haustiere übergehen können, sich aber auch bei anderen Wildtieren finden. „Ein Problem ist, dass der Waschbär sehr neugierig ist und die Nähe des Menschen sucht.“ Wer Kot oder eine Latrine des Kleinbären auf seinem Grundstück beseitigen will, sollte Einweghandschuhe, Mundschutz, Plastebeutel verwenden und alles verschlossen in den Restmüll stecken. Gleichwohl lasse sich das Fleisch der Räuber bedenkenlos essen, wenn es gut durchgegart ist („am besten bei 120 Grad eine Stunde in den Ofen“) und eine Trichinenschau stattfand.

Bären töten dürfen nur Profis

Wer sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen (siehe Text Mitte) einen Waschbären als ungebetenen Untermieter einhandelt, kann sich auf dem Land an Jäger wenden, so Yvonne Mucke vom Kreisjagdverband Muldental. „Sie versuchen dann gern zu helfen, obwohl sie nicht dazu verpflichtet sind.“ Fürs Leipziger Stadtgebiet, wo die Jagd eingeschränkt ist, wurde die Firma Messestadt-Trapper empfohlen. „Wir kümmern uns nur um echte Problembären“, so Chef Martin Matzick.

Das hilft gegen Waschbären als Untermieter:

Mit einfachen Maßnahmen kann meist vermieden werden, dass sich im Haus oder Garten ein Waschbär einnistet:

Essensreste nicht auf den Kompost werfen, Mülltonnen verschließen oder mit Spanngummis sichern – im Zweifel dazu Absprache mit Müllabfuhr und/oder Hausmeister treffen, Katzen- oder Hundefutter nie draußen stehenlassen

Freundlich mit Nachbarn sprechen, wenn auf deren Grundstück potenzielles Waschbär-Futter leicht erreichbar liegt

Fallrohre der Dachrinnen im Sockelbereich des Hauses mit glattem Blech (ein Meter hoch) verblenden, solche Bleche gibt es auch als Brutschutz für Bäume

Äste von Bäumen so kürzen, dass sie maximal einen Meter an Gebäude heranreichen. Fassaden von Bewuchs wie Efeu oder Wein freihalten, der den Waschbären das Hinaufklettern ermöglichen kann

Katzenklappen und Dachluken nachts fest verschließen

Ist erst mal ein Waschbär eingezogen, helfen meist keine Vergrämungsmethoden, schon gar nicht ein Hund, sondern nur noch eine Falle. In Großstädten dürfen sie nicht gejagt, sondern nur lebend gefangen werden. Da es für Wildtiere generell verboten ist, ihren Aufenthaltsort zu verändern, muss der Problembär anschließend getötet werden. Die Erlaubnis dafür haben Jäger, Tierärzte oder Fachfirmen wie in Leipzig die Messestadt-Trapper.

Von Jens Rometsch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am kommenden Donnerstag wird eine der neuen Straßenbahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe auf den Namen „Alfred-Kunze-Sportpark“ getauft.

08.05.2018

Kein Durchkommen für Busse und Autos: In Leipzig-Thekla schränkt eine Havarie den Verkehr ein. Gleich zwei Wasserrohre sind dort gebrochen.

08.05.2018
Lokales Wasserfest am „Bagger“ - Leinen los, Thekla!

„Leinen los“ heißt es wieder, wenn am Freitag (11. Mai) das Wasserfest am „Bagger“ in Leipzig-Thekla startet. LVZ sprach mit Falk Dossin, dem Vorsitzenden des ausrichtenden Bürgervereins Nordost, über die dreitägige Party, die mehr sein will als Spiel, Spaß und Unterhaltung am und auf dem See.

08.05.2018
Anzeige