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Dritte Generation Ost: Besondere Kompetenzen und neue Wege

Veranstaltung im Zeitgeschichtlichen Forum Dritte Generation Ost: Besondere Kompetenzen und neue Wege

Die „Dritte Generation Ost“ bringt etwas mit, das sie selbst „Transformationskompetenz“ nennt. Kann diese Kompetenz bei der Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme helfen? Das ist am 16. und 17. Oktober Thema von zwei Veranstaltungen in Leipzig.

Das Biografieteam der „Dritten Generation Ost“ ist auf Tour. Am 16. und 17. Oktober macht es in Leipzig Station.

Quelle: privat

Leipzig. Das „Biografieteam der Dritten Generation Ost“ lädt am 16. und 17. Oktober zu zwei Veranstaltungen in Leipzig ein. Freitag beginnt um 19 Uhr im Kinderbuchladen Serifee eine Lesung aus „Dritte Generation Ost – wer wir sind, was wir wollen“. Sonnabend gibt es von 11 bis 17 Uhr ein Treffen mit Eltern- und Großeltern im Zeitgeschichtlichen Forum. Das Biografieteam bietet Workshops zum Thema an und wurde für den Deutschen Engagementpreis der Bundeszentrale für politische Bildung nominiert. Juliane Dietrich erklärt im Interview, worum es geht.

Wie alt sind Sie selbst?

Ich bin 33 Jahre alt, wurde 1982 in Seifhennersdorf in der Oberlausitz geboren.

Was ist das für ein Buch, das Sie am Freitag vorstellen und das die Basis für das Generationentreffen am Sonnabend legt?

33 Autoren haben daran mitgewirkt. Es sind Ostdeutsche, die sich in ihren Beiträgen mit dem Thema auseinander setzen. Es sind einerseits Betrachtungen aus einer Metaebene, andererseits sehr persönliche Geschichten. Gespräche zwischen Geschwistern zum Beispiel, Gespräche zwischen Kindern aus einer eher staatstreuen und einer eher staatskritischen Familie über unterschiedlichen Erinnerungen an den Kindergarten, über unterschiedliche Heimatvorstellungen. In einem anderen Beitrag geht es um Erinnerungen aus einer Kindheitsperspektive, aus Bildern, Farben, Gerüchen. Wir haben den Wechsel als Kinder inhaltlich ja gar nicht so bewusst erlebt. Ausgangspunkt und Grundlage für das Buch war ein Generationstreffen 2011 in Berlin. Da haben sich 150 Leute drei Tage lang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Ostdeutschlands beschäftigt. Wir wollten herausfinden: Wer sind wir eigentlich, und wo wollen wir hin?

Und: Was zeichnet die Dritte Generation Ost denn aus?

Rein äußerlich geht es um die Jahrgänge 1975 bis 1985, die in der DDR geboren wurden. Was uns eint, ist eine Umbruchserfahrung. Zum einen die Umbruchserfahrung 89/90, zum anderen aber auch die Zeit danach, in der sich alles geändert hat. Wir waren damals Kinder und Jugendliche, und unsere Eltern hatten eigentlich selber noch keine Antworten auf unsere Fragen. Anfangs gab es viel Euphorie, später sind ja auch viele Eltern arbeitslos geworden und hatten das Gefühl von Ohnmacht. Die Gesellschaft hat sich gespaltet in Wendegewinner und Wendeverlierer. Unsere Generation hat ganz viel aus sich selbst geschöpft und war in der Transformationszeit auf sich selbst gestellt. Viele haben daraus auch ihren eigenen Weg gefunden. Das eint uns, wir haben es als „Transformationskompetenz“ bezeichnet.

Auf Ihrer Homepage definieren Sie als ein Ziel, das Selbstbewusstsein der Generation Ost zu stärken. Man hat eigentlich nicht den Eindruck, dass das nötig wäre – zumal mit Blick auf die von Ihnen beschriebenen Erfahrungen. Auch der Journalist Paul-Josef Raue bescheinigt in seinem gerade erschienenen Buch „Die unvollendete Revolution“ Ihrer Generation ein Mehr an Flexibilität und Mut gegenüber der gleichen Generation im Westen. Die Dritte Generation Ost sehe die Einheit pragmatisch, als Chance und Glück für das eigene Leben. Wer so viel Veränderung erlebt und bewältigt hat, habe vor der Zukunft keine Angst...

Durch das Netzwerk ist mein Selbstbewusstsein stark gestiegen. Aber ich musste auch andere Erfahrungen machen – zum Beispiel im Studium, wo ich schon auch diskriminiert worden bin als Ostdeutsche. Nicht immer offenkundig. Ich habe zum Beispiel erlebt, wie positiv bemerkt wurde, dass man mir meine sächsische Herkunft gar nicht anmerkt. Es wurde quasi als Kompliment zum Ausdruck gebracht, dass man nicht hört, woher ich komme. Wir wollen unsere Identität stärken – mitsamt unserer Herkunft, unseren Familien und auch mit unseren Eltern. Einige von unseren Eltern sind ja auch nicht so klargekommen in der neuen Gesellschaft. Aber sie haben uns vieles an Werten und Stärken mitgegeben.

Wer soll zum Biografie-Workshop am 17. Oktober kommen?

Eingeladen sind Menschen jeden Alters, die Lust haben sich mit ihrer eigenen Biografie und ihren eigenen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Und die gespannt darauf sind, was andere Menschen und andere Generationen dazu zu sagen haben. Die Teilnehmer sollten Lust zur Selbstreflektion und zum Austausch mitbringen. Wir wollen reflektieren: Wie war die Zeit in Leipzig als zentralem Ort des Geschehens, wo viele Leute auf die Straße gegangen sind? Was ist in den Köpfen vorgegangen? Welche Hoffnungen und Wünsche gab es damals und welche gibt es heute? Wie hat sich das verändert? Was bringen wir für Perspektiven mit und ein, um aktuelle Krisen bewältigen zu können?

Anmeldungen für den Biografie-Workshop am 17. Oktober im Zeitgeschichtlichen Forum unter hallo@mein-leben-entdecken.de oder 0177/6090254. Die Teilnahme kostet 30 Euro. Unter allen, die sich bis Freitag anmelden, wird eine kostenlose Teilnahme verlost.

Von Björn Meine

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