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Lokales "Drogenaffin" - massive Kritik am Projekt "Drug Scouts"
Leipzig Lokales "Drogenaffin" - massive Kritik am Projekt "Drug Scouts"
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19:20 15.05.2011
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Leipzig

Doch womöglich beschäftigt sich schon bald die Rechtsaufsicht mit dem allzu basisnahen Beratungsangebot.

Auslöser der Debatte war Kriminaldirektor Bernd Buchwald. Er betonte, nicht als Polizeibeamter, sondern als Vater zu sprechen. "Meine Kinder sollen nicht in einem drogenaffinen Umfeld aufwachsen. Doch die Drug Scouts Leipzig bieten genau ein solches drogenaffines Forum an." Dort würde "ein Klima des Drogenkonsums verbreitet", kritisierte er, es gebe Tipps, wo besonders guter Stoff zu bekommen sei. Fragwürdig sei auch, dass die Drug Scouts ein Faltblatt für Drogenabhängige mit Infos zum Verhalten bei Polizeikontrollen verteilen.

Der Flyer erfreut sich großer Beliebtheit unter jungen Rauschgiftkonsumenten. Dem Jahresbericht der Drug Scouts 2007 zufolge - ein aktuellerer Bericht ist online nicht verfügbar - war das Faltblatt "Polizeikontrolle" das beliebteste unter den knapp 30 Info-Blättern des Projekts - Stückzahl: knapp 1600. Auch online finden sich allerlei nützliche Tipps zum Umgang mit der Ordnungsmacht. "Keine Angaben zur Sache machen", warnen die Drug Scouts ihre Klientel. "Die Polizei neigt dazu, den Moment der Überraschung auszunutzen und Dich bei der ersten Vernehmung zu überführen. Verweigere höflich, aber bestimmt jegliche Mitwirkung!"

Ausführlich sind auf der Internetseite - diese registriert jährlich mehr als 1,7 Millionen Besuche - auch Erlebnisberichte über Drogentrips veröffentlicht. Es sind viele erschütternde Warnungen darunter, die Finger von Drogen zu lassen. Aber zu lesen sind eben auch euphorische Schilderungen: "Es war eine Erfahrung in meinem Leben die ich nicht mehr vergessen werde", konstatiert etwa eine 18-Jährige im März dieses Jahres nach ihrem ersten Trip mit LSD, einem starken Halluzinogen. "Ich weiß jetzt, es gibt eine zweite Welt und diese Droge ist der Schlüssel dazu."

Ein solches Projekt werde jährlich mit 80.000 Euro von der Stadt gefördert, monierte Bernd Buchwald und richtete das Wort an die Suchtbeauftragte:. "Das ist nicht die richtige Förderpolitik. Frau Lein, prüfen Sie das, bevor es die Rechtsaufsicht tut."

Frank Döring

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