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Lokales Dubrau: „Wir haben in Leipzig Wohnungsnot“
Leipzig Lokales Dubrau: „Wir haben in Leipzig Wohnungsnot“
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00:18 11.09.2018
Dorothee Dubrau. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Die ersten drei neuen Sozialwohnungen in Leipzig wurden gerade bezogen, über 1800 sollen bald folgen. „Wichtig ist, dass der Freistaat Sachsen den sozialen Wohnungsbau auch über 2019 hinaus fördert“, erklärte Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) in einem Gespräch mit der LVZ. Dazu fehle ein Regierungsbeschluss. „Dass Leipzig zuletzt einen leichten Rückgang beim Wachstum der Einwohnerzahl verbuchte, hängt mit dem Wohnungsmarkt zusammen“, sagte Dubrau. Für Single-Haushalte oder Großfamilien gebe es kaum noch erschwingliche Angebote. Hingegen erzielten Kommunen im Umland – wenn sie an den S-Bahn-Strecken liegen – nun viel höhere Zuwächse.

Marktaktiver Leerstand jetzt unter zwei Prozent

„Stadtweit liegt der marktaktive Leerstand jetzt unter zwei Prozent. Natürlich gibt es auch Viertel, wo es fünf oder sechs Prozent sind. Aber dafür eben auch Viertel, wo jede freie Wohnung sofort wieder weg ist.“ Wenn einige Immobilienportale oder der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) den Leerstand als größer einschätzten, so liege dies daran, dass dort auch nicht vermietbare Objekte mitgezählt würden. „Um ein baufälliges Haus zu sanieren, dauert es schon mal zwei Jahre. Das können wir nicht als marktaktiv zählen, weil die Stadt zur Lageanalyse vom zeitnah verfügbaren Leerstand ausgehen muss.“

Angespannter Wohnungsmarkt durch Land bestätigt

Falsch sei etwa die jüngste Aussage von VSWG-Präsident Axel Viehweger, es gebe „noch keinen angespannten Wohnungsmarkt in Leipzig“. Der Freistaat Sachsen habe erst Anfang 2018 die Kappungsgrenze für Mieterhöhungen in der Messestadt von 20 auf 15 Prozent gesenkt, erinnerte dazu die Baubürgermeisterin. „Das ist rechtlich überhaupt nur bei einem angespannten Wohnungsmarkt zulässig. Wir haben heute in Leipzig Wohnungsnot. Der Freistaat hat das geprüft und schwarz auf weiß bestätigt.“ Um diese Not zu lindern, setze die Kommune auf möglichst viele Neubauten und auf ihr wohnungspolitisches Konzept.

Zahl der Baugenehmigungen seit 2014 verdoppelt

Dubrau wies auch die jüngste Kritik der Industriegewerkschaft Bau zurück, in Leipzig würden zu wenige Baugenehmigungen erteilt. 2017 habe die Zahl solcher Genehmigungen für 3679 Wohnungen gereicht. „Das waren mehr als doppelt so viele wie 2014.“ Dennoch sei die Zahl der als fertiggestellt gemeldeten Wohnungen im vergangenen Jahr leicht gesunken: auf 1654. Dafür gebe es zwei mögliche Gründe. Einerseits seien die Bauabnahmen durch Behörden entfallen. Stattdessen müssten die Bauherren nun selbst in Meldebögen mitteilen, was sie wann fertiggestellt haben. „Manchmal wird das vergessen oder der Bauherr wartet damit, bis der allerletzte Baum gepflanzt ist.“ Zum anderen gebe es leider immer öfter Antragsteller, die das Baurecht nur erlangen wollten, um den Wert ihres Grundstücks zu erhöhen – und bei einem späteren Weiterverkauf der Fläche an den explosionsartig steigenden Bodenpreisen zu verdienen. „In der Praxis haben die Städte kaum eine Handhabe, um jemanden zum Bauen zu zwingen.“

Eigene Abteilung für große neue Stadtquartiere

Dennoch sei sie optimistisch, dass die Zahl der Fertigstellungen künftig zulegt – und sich darunter immer mehr geförderte Wohnungen mit Miet- und Belegungsbindung befinden. Das gelte auch für die großen, ganz neuen Quartiere, um deren Entwicklung sich jetzt eine eigene Abteilung in ihrem Dezernat kümmere. Falls der Stadtrat einen Antrag von Linken, SPD und Grünen zu Nachverhandlungen für das Areal Eutritzscher Freiladebahnhof beschließt, sehe die Verwaltung das nicht als Behinderung für das Projekt, sondern als Teil einer Lösungsfindung. „Ich glaube, dass dort in jedem Fall ab 2021 gebaut wird“, so Dubrau. Zum Areal Bayerischer Bahnhof würden seit März wieder intensive Gespräche mit dem Eigentümer laufen. Sie hoffe, dass dies im Frühjahr 2019 in einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mündet, der ähnlich wie die Vereinbarungen zum Pendant in Eutritzsch aussieht.

Von Jens Rometsch

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