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Lokales Dunkelziffer der Erkrankten ist hoch: Aktionstag zu glutenfreiem Essen in Leipzig
Leipzig Lokales Dunkelziffer der Erkrankten ist hoch: Aktionstag zu glutenfreiem Essen in Leipzig
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19:40 12.05.2015
Glutenfreie Nudeln: Sie enthalten kein Kleber-Eiweiß aus üblichen Getreidesorten wie Weizen oder Roggen und sind daher auch für Menschen verträglich, die unter Zöliakie leiden. Quelle: Frank Rumpenhorst
Leipzig

Anlässlich des Welt-Zöliakie-Tages lädt die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) am Samstag auf den Augustusplatz in Leipzig ein.

„Wir möchten vermitteln, dass man trotz dieser Krankheit noch Spaß am Essen und Trinken haben kann“, so DZG-Sprecherin Bianca Maurer über den Aktionstag. Unter dem Motto „Glutenfrei erleben!“ ist zwischen 11 und 16 Uhr ist ein buntes Rahmenprogramm auf dem Augustusplatz geplant, mit zum Beispiel musikalischer Unterhaltung oder Kinderschminken.

Rund 2000 Leipziger seien von Zöliakie betroffen, so Maurer. Bundesweit schwanke diese Zahl zwischen 1,6 bis 4 Millionen Menschen. „Oftmals geht dieser Krankheit ein langer Leidensweg voraus“, erläutert die DZG-Sprecherin. Die Einen seien froh über die Diagnose, Andere reagierten mit Unverständnis. „Die Umstellung ist nicht einfach, weil in fast jedem Getreideerzeugnis Gluten drinsteckt“, erklärt Birgit Brendel, Referentin der Verbraucherzentrale Sachsen für den Bereich Lebensmittel und Ernährung.

Unterschiedliche Symptome

Auch wenn die meisten Produkte im Supermarkt mittlerweile extra mit dem Gluten-Siegel gekennzeichnet sind, steckt der Teufel im Detail. „Für uns Betroffene ist das keine Modeerscheinung. Wir müssen uns streng und lebenslang glutenfrei ernähren, sonst kann es zu schwerwiegenden Spätschäden kommen“, meint Martina Nickel, Vorsitzende der Leipziger Selbsthilfegruppe. Wer sich nicht richtig ernähre, könne Folgekrankheiten wie Laktoseintoleranz, Fructoseunverträglichkeit, gestörte Fettverdauung oder Osteoporose riskieren. In den 1940er-Jahren war die Krankheit sogar lebensbedrohlich. Heutzutage können Betroffene bei einer streng eingehaltenen, glutenfreien Diät beschwerdefrei leben. Daher vermittelt die Verbraucherzentrale Sachsen seine Patienten zum Beispiel an Diätassistenten vor Ort, um gemeinsam einen Speiseplan auszuarbeiten.

„Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, so Maurer. Trotz moderner, präziser Methoden der Bluterkennung und Dünndarmbiopsie, sei die Anzahl der deutschlandweit nicht diagnostizierten Zöliakie-Betroffenen um das Zehnfache höher als die der gemeldeten. „Die Symptome können sehr unspezifisch ausfallen, wie beispielsweise Müdigkeit oder Blässe“, begründet Maurer. Der Oberarzt der Kinderklinik der Leipziger Universitätsklinik, Thomas Kapellen, bestätigt diese Theorie. Seit einiger Zeit würde der Großteil der Betroffenen nicht mehr als Kleinkind aufgrund einer Wachstumsstörung oder eines Gewichtverlust entdeckt, sondern immer häufiger im Alter von sieben bis 14 Jahren.

„Leben ohne Brot ist in unserer modernen Esskultur nicht möglich“, meint Brendel. Daher verzichte auch der Patient im Supermarkt nicht auf Getreideprodukte wie Brot, Kekse, Müsli und Nudeln – sondern kaufe sie mit Inhaltsstoffen wie Mais, Hirse oder Amarant, was pro Monat um 100 Euro teurer ist. Auch beim DZG-Aktionstag werden am Samstag viele Stände glutenfreie Nahrung auf dem Augustusplatz feil bieten. Für den gesunden Menschen ist glutenfreie Nahrung jedoch nicht nötig, sagt Brendel. Es ergebe sich daraus kein gesundheitlicher Vorteil. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es aber auch nicht schaden kann.

Melanie Steitz

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