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Lokales EU-Norm nicht beachtet: Leipzigs Wasserwerke wechseln Zähler aus
Leipzig Lokales EU-Norm nicht beachtet: Leipzigs Wasserwerke wechseln Zähler aus
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00:19 16.06.2017
Die Hauptwasserzähler – hier ein Archivbild, das nichts mit dem aktuellen Fall zu tun hat – gibt es in verschiedenen Größen. Sie erfassen jeweils, wie viel Wasser in ein Gebäude geliefert wurde. Davon zu unterscheiden sind die kleinen Wasseruhren in der Wohnung, welche den Verbrauch der einzelnen Mietparteien messen.LVZ-Archiv
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 Die Leipziger Wasserwerke haben eine Großaktion gestartet, um jeden dritten Hauptwasserzähler in ihrem Versorgungsgebiet auszutauschen. Dies umfasst auch Teile der Landkreise Leipzig und Nordsachsen.

Normalerweise werden jährlich 13 000 der insgesamt 78 000 Zähler, die jeweils den Verbrauch eines ganzen Gebäudes erfassen, gewechselt, erklärte Finanzgeschäftsführer Michael Theis. Denn sie dürfen nur sechs Jahre ohne Runderneuerung eingesetzt werden. 2017 kämen aber noch weitere 14 000 Zähler hinzu, weil sie über keine rechtmäßige Kennzeichnung verfügen. Kostenpunkt: eine Million Euro! „Die Geräte sind voll funktionstüchtig“, versicherte Theis. „Aber sie entsprechen nicht einer EU-Norm, die seit 2015 gilt.“ Die Wasserwerke hätten den Fehler bei der Abnahme vom Hersteller nicht erkennen können – und sie deshalb bis Mitte 2016 überall eingebaut. Der Hersteller aus Nordrhein-Westfalen hat nach Theis Angaben 45 000 falsch beschriftete Zähler an 14 Versorger ausgeliefert. Betroffen waren auch die Meißener Stadtwerke, bestätigte deren Sprecherin Lilly Schneider. „Uns hat derselbe Hersteller für alle unbrauchbaren Zähler Ersatz geliefert. Die neuen Geräte wurden schon komplett eingebaut.“ Um welche Stückzahl es konkret ging? „Es waren nicht sehr viele“, sagte Schneider.

In Leipzig warnt der Eigentümerverband Haus & Grund die Hausbesitzer davor, Rechnungen für Zeiträume mit den nicht zugelassenen Zählern ungeprüft zu bezahlen. „Nach unserer Auffassung kann der Bereitstellungspreis für falsch deklarierte Zähler nicht auf die Kunden umgelegt werden. Bereits vereinnahmte Bereitstellungspreise müssen von den Wasserwerken erstattet werden“, so Verbandsgeschäftsführer Eric Lindner.

Das weisen die Wasserwerke zurück. Mit dem Bereitstellungspreis würden nicht nur die Kosten für den Zähler gedeckt, sondern anteilig alle Aufwendungen für den Unterhalt des technischen Netzes – von der Pumpstation über Rohrleitungen bis zum Klärwerk, sagte Wasserwerke-Sprecherin Katja Gläß. Das kommunale Leipziger Unternehmen habe neue Zähler bei anderen Herstellern geordert – und seit März davon schon 3000 eingebaut. „Seit Bekanntwerden der Rückrufaktion wurden 20 der 14 000 betroffenen Zähler auf Kundenwunsch sogenannten Befundprüfungen unterzogen. Allen 20 Zählern wurde von der unabhängigen Prüfstelle eine einwandfreie Funktionalität bescheinigt.“

Für den dennoch notwendigen Austausch haben die Wasserwerke Rückstellungen über eine Million Euro gebildet, so Geschäftsführer Theis. „Die Summe wollen wir uns vom Hersteller zurückholen. Sie wird in keinem Fall auf unsere Preise aufgeschlagen, sondern vorläufig vom Unternehmensgewinn abgezogen.“

Im sächsischen Staatsbetrieb für Mess- und Eichwesen stützt Direktor Eckhard Steep die Sichtweise des Leipziger Versorgers: „Die Eichbehörden in Nordrhein-Westfalen haben Zähler mit der falschen Kennzeichnung stichprobenartig überprüft und dabei keinerlei messtechnische Fehler festgestellt.“ Dennoch kann es sich lohnen, genau hinzusehen und im Zweifel Widerspruch gegen Rechnungen einzulegen, raten Verbraucherschützer.

Von Jens Rometsch

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