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Lokales Ebola-Epidemie in Afrika: Leipzigs Hilfe für Liberia nimmt Fahrt auf
Leipzig Lokales Ebola-Epidemie in Afrika: Leipzigs Hilfe für Liberia nimmt Fahrt auf
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23:24 26.09.2014
Die Organisatoren: Christoph Dietrich, Michael Kölsch und Vereinschef Thomas Köppig (von links). Quelle: André Kempner

Die Republik in Westafrika entwickelte sich gerade zum Epizentrum der Ebola-Epidemie. Und gemeinsam mit dem an der Pleiße ebenfalls beheimateten Verein Freunde Liberias wollten die Leipziger schnell eine Aufklärungskampagne starten - einsetzbar in liberianischen Radiosendern, Printmedien und sozialen Netzwerken.

Der liberianischen Bevölkerung mangelt es nach wie vor an Wissen darüber, wie die Ausbreitung des Virus gestoppt werden kann. Speziell für das Land geplante Aufklärungsfilme werden nun Mittel zum Zweck sein: "Beispielsweise auf Leinwände projiziert, die - montiert auf Pickups - wie mobile Kinos durchs Land rollen", erklärt Vereinsvorsitzender Thomas Köppig. Die Berliner Agentur Tinkerbelle unterstütze den Verein momentan dabei. Und immerhin seien nach dem LVZ-Artikel knapp 5000 Spenden-Euro eingegangen. "Die uns sehr helfen, das alles zu finanzieren", sagt Köppig. Seit dieser Woche ist auf der Internetseite seines Vereins auch ein Streifen des liberianischen Dokumentarfilmers Divine Key Anderson zu sehen, der seinerseits die Lage im Land sowie die Ängste der Bevölkerung schildert. Und der ebenfalls zum Schluss kommt, Aufklärung sei jetzt mit am wichtigsten: Wie schütze ich mich selbst, wie meine Mitmenschen? Was passiert innerhalb der Quarantänestationen? "Gerade diesen trauen die Liberianer nicht. Zu oft erlebten sie, wie Angehörige da nur tot wieder herauskamen", weiß Kölsch. Und Köppig ergänzt: "Dem Ganta-Hospital in Monrovia zum Beispiel, mit dem wir Kontakt pflegen und wo gerade eine solche Station eingerichtet wird, könnte da unser Aufklärungskampagnen-Film sehr hilfreich sein."

Dietrich, der vor vier Wochen aus Monrovia zurückkam, kann berichten, wie überfüllt nahezu alle Krankenhäuser sind. "Viele Patienten werden abgewiesen, tragen das Virus also wieder mit nach Hause", gibt er zu bedenken. In der Hauptstadt wohnte er drei Gehminuten von einem Ebola-Krankenhaus einer christlichen Organisation entfernt. "Dieses Zelt-Hospital wurde täglich erweitert, trotzdem reichte die Kapazität nie."

In Leipzig ist dieser Tage eine Gruppe von 20 Medizinern an Kölsch und seine Mitstreiter herangetreten, die in Liberia helfen möchten. "Wir stellen jetzt die Weichen für ihren Einsatz", so der Honorarkonsul. Köppig wartet indes mit einer weiteren Neuigkeit auf: "Ein anonymer App-Entwickler hat unserem Verein die Rechte an ,Ebolapp' geschenkt. Mit der Leipziger Firma Publishair wird sie jetzt startklar gemacht - wofür wir aber auch noch Geld benötigen. Die App soll helfen, Infektionsketten im Land schneller aufzuspüren, Personen zu alarmieren, die mit Infizierten Kontakt hatten. Vor allem aber könnte sie zum ,Amtsblatt' für die liberianische Regierung werden, die so die Bevölkerung schnell über offizielle Vorsichtsmaßnahmen, Ausgangssperren, Medikamente und dergleichen informieren kann. Auch unsere Leipziger Aufklärungskampagne wird über ,Ebolapp' abrufbar sein." Sie soll zwar in Liberia starten, sei aber auch für andere betroffene Länder konzipiert, ergänzt Kölsch. "Internationale Experten befürchten ja sogar, die Seuche werde bald Indien ereilen, da viele Inder in Afrika arbeiten."

Im Oktober wird Mitstreiter Dietrich erneut nach Monrovia fliegen und vieles vor Ort koordinieren. Diese Woche war er bemüht, weitere Unterstützungsmöglichkeiten beim Bundesverteidigungsministerium auszuloten. "Auch das Bundeswehr Sanitätskommando Koblenz, zuständig für die Entsendung der deutschen medizinischen Hilfe, sollte nun zeitnah Kontakt mit dem Auswärtigen Amt in Liberia aufnehmen", findet er.

"Die humanitäre Katastrophe, die Ebola ausgelöst hat, wird nicht beendet sein, wenn die Seuche in Afrika mal besiegt ist", befürchtet indes der Leipziger Honorarkonsul. "Schon jetzt ziehen sich Investoren zurück, steigen Lebensmittelpreise immens - Ich wünschte mir von der Bundesregierung, sie würde bereits an Programmen arbeiten, die die deutsche Wirtschaft animieren, in Liberia tätig zu werden. Das Land brachte - bis Ebola kam - nach dem Bürgerkriegsende 2004 gerade wieder sehr erfolgreich Infrastruktur und Wirtschaft in Gang - und wird durch Ebola nun so zurückgeworfen. Gerade deutsches wirtschaftliches Engagement ist in Liberia schon immer sehr willkommen. Es ist nicht nur für Investoren hoch interessant, es hilft auch den Menschen da wieder auf die Beine."

Spendenkonto: Freunde Liberias e.V., Sparkasse Leipzig, Konto 1090053173, BLZ 86055592 bzw. IBAN DE57 8605 5592, 1090 0531 73, BIC-/SWIFT-Code: WELADE8L. Kontakt-Tel. 0341 3029710; www.freunde-liberias.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2014

Angelika Raulien

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