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Lokales Ein Fundus der Raritäten - Besuch im gut behüteten Depot des Zeitgeschichtlichen Forums
Leipzig Lokales Ein Fundus der Raritäten - Besuch im gut behüteten Depot des Zeitgeschichtlichen Forums
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22:38 18.01.2010
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Auf 1700 Quadratmetern lagern hier Tausende Objekte. In der Lagerhalle befindet sich auch das Archiv des Forums, interessanter ist freilich die Sammlung zeitgeschichtlichen Kulturgutes. Ordnung herrscht im Fundus, von Rumpelkammer keine Spur. Bei einem Großteil der Objekte handelt es sich um Zeugnisse der DDR-Alltagskultur. Ein selbstgebauter Campinganhänger steht im Depot wie - gar keine Frage - natürlich ein Trabi.

[gallery:700-NR_LVZ_GALLERY_369]Lagerchef Thomas Otto und Kerstin Langwagen, Sammlungsleiterin des Zeitgeschichtlichen Forums, können Möbel der Hellerauer Werkstätten, die vor 50 Jahren gefragt und damals noch aus Vollholz gefertigt waren, zeigen. Mittlerweile rare Stücke werden hier aufbewahrt, um sie vielleicht auch in zukünftigen Ausstellungen präsentieren zu können. Eine Mülltonne made in DDR steht im Regal und das Mustermesse-Symbol Leipzigs als Leuchtreklame gleich daneben.

Immer wieder werden dem Zeitgeschichtlichen Forum meist von privater Hand Dinge angeboten. Mal kommt es zu einer Schenkung, mal sind es Leihgaben, mal wird auch angekauft. Rosetten aus Stein, die einst die Berliner Stalinallee zierten, werden der Nachwelt erhalten, ein Aktenschrankungetüm der Stasi genauso. Zeugnisse der Vergangenheit sind die Stelen des ehemaligen Ehrenmals auf dem Südfriedhof. Der Name Rosa Luxemburg lugt aus der Ablage. In Einzelteile zerlegt lehnt eine so genannte Meisterstube, wie es sie in einem volkseigenen Betrieb gab, an der Wand. Unverwechselbar die Tapete, die mit Fotos und Ansichtskarten beklebt ist. Das Objekt könnte im Leipziger Geschichtshaus zu sehen sein, wenn die Arbeitskultur thematisiert wird.

Zu den Hinguckern zählt ein "West"-Auto. Es ist Wolf Biermanns Ford Granada, den er nach seiner Ausbürgerung in der Bundesrepublik fuhr und den er dann dem Bürgerrechtler Jürgen Fuchs vermachte, als der die DDR verlassen hatte. Ein simpler Haarföhn liegt im Regal, Zeitungsbände des Neuen Deutschland werden aufbewahrt wie die kompletten Jahrgänge der Zeitschriften Guter Rat und Neues Leben, der Fernseher aus DDR-Produktion wie die Waschmaschine, Kinogestühl wie die exotisch anmutende Filmvorführmaschine. Büsten der Heroen der untergegangenen Welt stehen rum wie die zu unverhofftem Ruhm gekommenen Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks, aus denen am 9. Oktober 1989 Kurt Masurs Stimme erklang. In einem gesonderten Raum ist die Kunstsammlung des Forums mit Gemälden, Grafiken und eine umfangreiche Fotografie-Sammlung untergebracht.

"Räumlich stoßen wir an unsere Grenzen. Da wir für die Lagerhalle nicht wenig Miete bezahlen müssen, ist künftig noch gründlicher zu prüfen, welches Objekt für die Sammlung unbedingt sein muss", sagt Rainer Eckert. Ein Objekt könnte freilich das Depot sofort verlassen - die Demokratiesäule, die im Herbst 89 im Kontext der Gewandhaus-Gespräche auf den Karl-Marx-Platz gestellt wurde und bis März 1990 als Anschlagort für die neu gewonnene Meinungsfreiheit verblieb. Eckert sucht schon lange nach einem geeigneten Standort für das mittlerweile restaurierte Stück, hatte auch die künftige Bahn-Station am Markt im Blick, fand aber bis dato keine Unterstützer. Wohin also mit dem in doppelter Hinsicht schwergewichtigen Rundling? Die Frage steht, wobei eine Aufstellung samt notwendiger Glas- oder Plaste-Hülle schon eine Kostenfrage ist.

Thomas Mayer

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