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Ein Haus für Sicherheit und Wohlgefühl in Leipzig-Lindenau

Ein Haus für Sicherheit und Wohlgefühl in Leipzig-Lindenau

Frühlingshafte Sonnenstrahlen fluten durchs Altbaufenster in die frisch sanierte Küche. Suraya (19) sitzt am Tisch, im Kinderbettchen daneben bewegt sich Baby Saphira, geboren am 13. Januar.

Leipzig. Die junge Mutter holt das Kind vorsichtig auf den Arm. "Wissen Sie, was hier schön ist?", sagt Saphira. "Die sagen hier nicht nur, sie wollen, dass wir uns wohlfühlen. Die machen auch ganz viel dafür." Die 19-Jährige war Anfang Januar die erste Bewohnerin, die im neu eingerichteten Familienhaus des Wege-Vereins in der Lützner Straße 75 einzog. "Acht Tage vor Saphiras Geburt! Auf Empfehlung des ASD", lächelt sie. Die junge Leipzigerin gehört zu jenen Menschen, die es sich nicht leicht machen, viel hinterfragen, viel grübeln. "Offen gesagt, bin ich schon mal depressiv. Und als ich das Kind - mein erstes Kind - bekommen sollte, habe ich mir einfach nicht zugetraut, damit allein zu leben", sagt sie. Angehörige, die Suraya in dieser Situation entlasten könnten, hat sie vor Ort nicht zur Hand.

Das Familienhaus Wege ist das jüngste Kind des Vereins, der sich für Menschen in seelischen Krisen und ihre Angehörigen einsetzt und mit dem kürzlichen Beitritt von Leipzigs Herzspezialisten Professor Friedrich-Wilhelm Mohr und dessen Ehefrau Anita Krahl-Mohr jetzt 175 Mitglieder zählt. In sechs separaten Wohnungen des rundum erneuerten alten Gründerzeithauses ist nun Platz für jeweils zwei Mütter oder auch Väter samt Nachwuchs. Es gibt gemütliche Gemeinschaftsräume. Spielzimmer. Im Innenhof einen schönen Spielplatz. "Momentan beherbergen wir bereits sechs Mütter und einen Vater mit insgesamt acht Kindern. Alleinerziehende, die seelisch belastet oder von einer psychischen Krankheit bedroht sind. Sie kommen aus allen sozialen Schichten", sagt Vereinschefin Monika Schöpe. "Hier wird ihnen mit entsprechender Begleitung Obhut gewährt, bis sie seelisch so gefestigt sind, dass sie uns für die alleinige Alltagsbewältigung nicht mehr brauchen."

"Wer zu uns kommt, hat meist schon ein großes Problempaket mit sich herumgetragen und einen schwierigen Lebensweg hinter sich - mit teils dramatischen Erlebnissen in der eigenen Kindheit, in der Jugend, mit einem Partner", weiß Hausleiter Jan Roscher. "Wird so eine Last zu groß, braucht's eben Hilfe. Zumal in einer Situation, in der man noch Verantwortung für ein Kind zu tragen hat. Wer mit all dem überfordert ist, kann dann auch nur schwerlich die so wichtige, enge Bindung zum Kind aufbauen. Dem wollen wir auch entgegenwirken." Wer ins Haus einzieht, so Roscher weiter, der solle erst mal durchatmen, Stress ablegen. Dann würden er und seine 16 Mitarbeiter für die Betreffenden mit dem Allgemeinen Sozialdienst einen Hilfeplan aufstellen und schauen, wie sich die jeweils ganz individuellen "Last-Päckchen" - etwa behördlicher und finanzieller Natur - peu à peu abtragen lassen.

Zuletzt allerdings waren Roscher und sein Team auch mal temporärer Helfer in der Not für den städtischen Kinderjugendnotdienst: Einige seiner Schützlinge lebten vorübergehend mit im Wege-Haus, weil dessen Domizil mal renoviert werden musste. Morgen würden sie laut Schöpe wieder dahin zurückziehen.

Suraya indes bewohnt ihre Mutter-Kind-WG in der zweiten Etage mit einer weiteren jungen Mutti und deren Sprößling. "Ich bin jemand, der auf Materielles verzichten kann. Aber ich brauche, gerade auch mit dem Baby, Zuwendung und eine Perspektive", sagt sie. "Hier unterstützt man mich nicht nur bei Ämtern. Es ist auch rund um die Uhr jemand im Haus als Ansprechpartner da. Schreit nachts das Kind und mich befällt Angst, weil ich nicht weiß, woran es liegt, kann ich schnell jemanden zu mir bitten." Dies, so Suraya, gebe einem Sicherheit und Halt.

Familienhaus des Wege-Vereins, Lützner Straße 75; Telefon 0341 20057551; E-Mail: familienhaus@wege-ev.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.03.2015

Angelika Raulien

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