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Lokales Ein Herz für Roboter in Leipzig
Leipzig Lokales Ein Herz für Roboter in Leipzig
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00:03 27.04.2018
Digitaler Herzschlag: HTWK-Rektorin Gesine Grande, Projektleiter Jens Wagner, Heike von der Bruck vom Leipziger Wirtschaftsdezernat und Beate Jost vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme mit vier Robertas. Quelle: André Kempner
Leipzig

Zuerst haben sie Robertas Herz zum Schlagen gebracht, die zwölf Schülerinnen am Girls’ Day am Donnerstag in der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). Ein kleines Computerprogramm mussten die Mädchen dafür schreiben, erklärt die 14-jährige Charlotte Walla vom Louise-Otto-Peters-Gymnasium: damit die Abfolge zweier Herzbilder im Display dem Lego-Roboter Leben einhaucht.

Vier Räume weiter erweckten kurz danach Vertreter der HTWK, der Stadt Leipzig und des Sankt Augustiner Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) das erste Roberta-Regio-Zentrum Sachsens zum Leben: eine Brutstätte für viele weitere kleine Robertas. „Die Vorbereitung hat uns einiges abverlangt“, sagte HTWK-Rektorin Gesine Grande bei der offiziellen Eröffnung. Der ursprünglich für vergangenen September geplante Auftakt verschob sich um mehr als ein halbes Jahr (wir berichteten). Am Donnerstag jedoch gab die Leipziger Fachkräfteallianz auch formal ihr einstimmiges Votum dafür, Fördermittel des sächsischen Wirtschaftsministeriums in das Roberta-Projekt zu kanalisieren. Darüber hinaus beteiligen sich die Landkreise Nordsachen und Leipzig sowie die Stadt Leipzig pro Jahr mit einem höheren fünfstelligen Betrag.

Die HTWK beherbergt und betreibt das Regio-Zentrum. „Kein typisches Projekt für eine Hochschule“, so Grande, „aber eine Herzensangelegenheit“. Und nicht nur, weil in Robertas Brust ein Herz schlägt: „Wir wollen Kinder und Jugendliche spielerisch für technische Berufe begeistern.“ Vor zwei Wochen erst hat der Informatiker und Robotik-Experte Jens Wagner seine Professur an der HTWK angetreten – gerade rechtzeitig, um das Roberta-Regio-Zentrum von Beginn an zu leiten. „Das Tolle an Roberta ist“, sagt er, „dass man ohne Vorkenntnisse in drei Stunden ein Resultat sieht“. Für Wagner ist das Programmieren eine Kulturtechnik, die in absehbarer Zeit so große Bedeutung wie Rechnen, Lesen, Schreiben erlangt. „Mit Robertas Hilfe merken Schüler schnell, dass es sich um keine Geheimwissenschaft handelt. Selbst wenn Roberta nicht das macht, was sie wollen, sondern das, was sie ihr gesagt haben.“

1500 Lehrer, 400 000 Schüler

Auch viele Lehrer kamen am Donnerstag zur Eröffnung. An sie ging Wagners Appell: „Wir müssen digitale Vorbilder sein, damit die Schüler kreativ mit der Technik umgehen und sie nicht nur konsumieren.“ In erster Linie um die Ausbildung von Pädagogen zu „Roberta-Teachern“ geht es am neuen Zentrum. Zwar wollen Wagner und zwei Mitarbeiterinnen selbst sporadisch in die Schulen gehen. „Aber nur die Lehrer können die Fläche abdecken.“ Die erste zweitägige Weiterbildung ist für Ende Mai angesetzt und wird vom Fraunhofer-Institut bezahlt. Drei weitere sollen dieses Jahr folgen, „leider haben wir keine Ahnung, wie wir sie finanzieren“, gesteht Wagner.

Jedenfalls steht nun in Leipzig der Rahmen: Materialien, Anleitungen, Fachwissen hält die HTWK parat. Für das IAIS-Fraunhofer-Institut ist damit der letzte weiße Fleck auf der Landkarte beseitigt. „Wir haben lange versucht, in Sachsen anzukommen“, sagt Wissenschaftlerin Beate Jost. 2002 ging das Roberta-Projekt in Sankt Augustin an den Start. Rund 1500 Lehrer wurden seither ausgebildet und bundesweit schätzungsweise 400 000 Schüler erreicht.

Für Heike von der Bruck vom Leipziger Wirtschaftsdezernat liegt die „größte Herausforderung darin, Roboter nicht als Konkurrenten zu sehen, die menschliche Arbeitskraft ersetzen“. Die 14-jährige Charlotte Walla hat das längst kapiert. Was sie mal werden möchte? „Ingenieurin! Deshalb bin ich doch hier.“

roberta.htwk-leipzig.de

Von Mathias Wöbking

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