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Ein Moment des Innehaltens - und der Hoffnung für Leukämiepatientin Deliana Knaust

Ein Moment des Innehaltens - und der Hoffnung für Leukämiepatientin Deliana Knaust

In den 1980er-Jahren war vor Ort mit dieser Therapie begonnen worden. Am späten Nachmittag war es nun Deliana Knaust, die eine Stammzellspende ihres Bruders (52) bekam.

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Patientin Deliana Knaust freute sich mit Dietger Niederwieser (l.) und Stationspfleger Matthias Lorry.

Quelle: Stefan Straube UKL

Leipzig. ens: Die Zahl der dort per Stammzelltransplantation behandelten Leukämiepatienten nullte sich - auf runde 3000!

In den 1980er-Jahren war vor Ort mit dieser Therapie begonnen worden. Am späten Nachmittag war es nun Deliana Knaust, die eine Stammzellspende ihres Bruders (52) bekam.

Wer die zierliche 46-Jährige momentan besuchen möchte, muss sich ausziehen. Man bekommt abwaschbare Gummischuhe, hochgradig gewaschene grüne Einheitshosen und -kittel. Man muss gründlichst die Hände desinfizieren. Dann darf der keim- und staubfrei gehaltene Bereich der Hämatologie-Abteilung betreten werden, der für Deliana Knaust seit dem 15. Januar vorläufig zum einzigen Aufenthaltsort wurde. Und wo man letztlich mit ihr nur durch die Glasscheibe kommunizieren darf.

Die Mutter zweier Kinder - 14 und 17 Jahre alt - ist gebürtige Bulgarin, war 1991 nach Deutschland gekommen. Als Musikerin zunächst ans Theater Zeitz, dann schon bald an die Pleiße, wo sie studierte. Als freischaffende Geigerin brachte sie namhafte Ensembles in Mitteldeutschland mit zum Klingen. Bis sie vorigen August die Diagnose Blutkrebs ereilte. "Natürlich war ich schockiert", sagt Deliana Knaust. Sie habe auch stets zu denen gehört, die meinten, es könne sie nie treffen. "Andererseits habe ich mich gar nicht erst dem großen Nachdenken hingegeben, bin zwei Tage später gleich hier in die Klinik eingerückt und in eine ganz andere Welt eingetaucht. Ich habe mich versucht zu entspannen, habe mich ganz im Vertrauen dem hingegeben, was die Ärzte unternehmen", erzählt sie.

Am Donnerstag war für sie dann der Zeitpunkt gekommen, von dem Abteilungschef Dietger Niederwieser sagt: "Er ist da, wenn wir keine Leukämiezellen mehr sehen, wenn alle körpereigenen Stammzellen - via Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung in den acht Tagen zuvor - kaputt sind. Dann werden die Spenderstammzellen transplantiert." An diesem "Punkt Null" verfüge die Patientin nun aber auch über kein Immunsystem mehr, müsse daher in absolut steriler Umgebung vor Viren und Bakterien geschützt werden.

Am Vormittag waren Deliana Knausts eigens aus Bulgarien eingeflogenem Bruder Dimitrof die für die Schwester le- bensrettenden Stammzellen im Leipziger Uni-Klinikum entnommen worden. Vier Stunden habe dies gebraucht, hieß es. Und binnen maximal 48 Stunden müsse das Spendergut dann dem Empfänger zugeführt werden. Bei Deliana Knaust geschah dies gleich am späten Nachmittag. Bei ihr dauerte es eine knappe Stunde.

"Das war eine sehr emotionale Geschichte", erzählt sie hinterher. Am gestrigen Freitag, bei einem Telefonat, sagt die Patientin munter: "Mir geht es richtig gut!" Ihrem Bruder übrigens auch. "Und ich werde mich daran gewöhnen müssen, fortan seine Blutgruppe zu haben - ich hatte ja mal A positiv, er 0 positiv. Aber die soll man ja auch öfter spenden können", flachst sie.

Noch rund zwei Wochen werde es jetzt dauern, bis sich neue Blutzellen in ihrem Körper voll ausgebildet haben und sie das Isolierzimmer, wieder verlassen kann. "Ihr Immunsystem gleicht aktuell dem eines Babys, muss erst einmal wieder alle Viren und Bakterien kennenlernen und Antistoffe gegen diese bil- den", verdeutlicht Nieder- wieser. Verlaufe alles gut, könnte die Patientin Ende Februar vielleicht nach Hause - wo nicht zuletzt ihre Geige wartet. Nach Hause mit der Option, irgendwann wieder "ganz normal" zu leben. Knausts zuversichtliches Naturell wird dabei sicher ein hilfreicher Begleiter sein.

Irgendwie, sagt sie, habe sie durch "diese Geschichte" sehr schätzen gelernt, "was ich habe". Zwei gesunde Kinder zum Beispiel. "Und viele nette Menschen um mich herum! Ich erfreue mich einfach an dem, was der Tag mir heute bringt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.01.2014

Raulien, Angelika

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