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Ein Monat City-Tunnel in Leipzig: Volle Züge, Graffitischäden und Kampf gegen Verspätungen

Ein Monat City-Tunnel in Leipzig: Volle Züge, Graffitischäden und Kampf gegen Verspätungen

Tausende nutzen ihn täglich – Pendler, Touristen und noch immer viele Neugierige. Der City-Tunnel ist einen Monat nach seiner Eröffnung nicht mehr aus dem Leipziger Alltag wegzudenken.

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Großflächig besprüht: Graffiti an den Talent-2-Zügen im neuen Leipziger City-Tunnel werden für die Bahn zum Problem. Die Sicherheitsmaßnahmen sollen deshalb jetzt erhöht werden.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Vor allem an Werktagen platzen die neuen Talent-2-Züge teilweise aus allen Nähten. Die Bahn sieht sich indes mit einem anderen Problem konfrontiert: Die Schäden durch Graffiti sind größer als befürchtet.

Am 14. Dezember war der City-Tunnel in Betrieb gegangen, ein Tag später startete das neue Mitteldeutsche S-Bahn-Netz. 51 neue Züge wurden extra dafür angeschafft – elf davon mussten bis vergangene Woche bereits in die Reinigung geschickt werden. „Manche wurden mit Schriftzügen beschmiert, ein Zug über die gesamte Länge besprüht“, berichtete Bahn-Sprecher Jörg Bönisch. In Wurzen war bereits im Dezember ein Zug mit Teer übergossen worden.

Bahn stockt Sicherheitspersonal auf

Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) spricht sogar von bisher 32 Vorfällen mit Graffiti. „Wenn Züge mit Bitumen beschmiert werden, ist das eine neue Stufe von krimineller Energie, die wir nicht bereit sind hinzunehmen“, sagte Geschäftsführer Oliver Mietzsch gegenüber LVZ-Online. Die Bahn reagierte bereits: „Es wurden zusätzliche Sicherungsmaßnahmen getroffen“, so Sprecher Bönisch. Mitarbeiter der DB Sicherheit und die Bundespolizei sollen die Bahnen künftig besser vor Vandalismus schützen. Jeder Fall werde zur Anzeige gebracht, betonte der Sprecher.

Innerhalb von 48 Stunden müssen die verunstalteten Bahnen gereinigt werden – so schreibt es der Verkehrsvertrag vor. „Es ist nicht unser Anspruch, mit beschmierten Zügen durch die Gegend zu fahren. Für die Szene ist das ein Gräuel“, erklärte Bönisch. Die Reinigung koste die Bahn pro Quadratmeter 25 Euro. Wie viel bisher für Graffiti-Entfernung ausgegeben wurde, konnte Bönisch nicht beziffern. 2013 waren es allein in Mitteldeutschland etwa 375.000 Euro. Die beschmierte Fläche war mit 15.000 Quadratmetern größer als zwei Fußballfelder.

„97 Prozent Pünktlichkeit“ trotz klemmender Türen

 

Weitaus wichtiger für die Fahrgäste ist nach wie vor die Pünktlichkeit der Züge. Pendler monierten zuletzt, dass es noch immer ungeplante Wartezeiten gebe. „Verspätungen kommen immer wieder mal vor“, berichtet zum Beispiel Ines Kobalz (59) aus Markkleeberg, die regelmäßig die Verbindung in die Leipziger Innenstadt nutzt. Meist würden diese maximal fünf Minuten betragen.

Das deckt sich auch mit den Zahlen der Bahn. Jörg Bönisch spricht derzeit von einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 97 Prozent. „Das ist ein sehr guter Wert, wenn man berücksichtigt, dass es sich um ein völlig neues System, mit neuer Infrastruktur und neuen Fahrzeuge handelt.“ Pünktlich ist bei der Bahn jeder Zug, der nicht mehr als fünf Minuten zu spät kommt.

Probleme gibt es laut ZVNL noch auf den Linien S4, S5 und S5X. In Geithain und Zwickau brauchen die Züge mehr Zeit zum Wenden als eingeplant, erklärte Angebotsplaner Markus Engelke. Dadurch würden regelmäßig Verspätungen von einigen Minuten entstehen. „Mittlerweile schleift sich das System aber ein“, so Engelke. „Die S1, S2 und S3 sind bereits relativ stabil.“

Nach wie vor für Probleme sorgen klemmende Türen an den neuen Talent-2-Zügen. Die Bahn sieht als Ursache das Verhalten von Kunden, die beim Ein- und Aussteigen das Ausfahren der Trittbretter nicht abwarten könnten. „Wenn man zu wild auf die Türöffnertasten drückt, kann das zu einer Störung führen“, erklärte Bönisch. Zusammen mit dem Hersteller Bombardier sei man dabei, diese und andere „kleinere Auffälligkeiten“ zu analysieren und zu beheben. Insgesamt arbeite die Technik jedoch weitestgehend zuverlässig.

Bahnen „rappelvoll“ – Ersatzzüge fehlen

 

Wie viele Fahrgäste bislang in die neuen Züge eingestiegen sind, wollen Bahn und ZVNL erst Ende März in einer 100-Tage-Bilanz bekanntgeben. „Morgens hat man kaum Erfolg, einen Sitzplatz zu ergattern. Der Zug ist überfüllt, weil sehr viele Schüler mit der Bahn fahren“, beklagt Anja Dürlich (42), die jeden Tag von Bennewitz nach Leipzig zur Arbeit pendelt. In den Pendler-Stoßzeiten zwischen 6 und 8 Uhr sowie zwischen 16 und 18 Uhr seien tatsächlich viele Züge, vor allem zwischen Halle und Leipzig, „rappelvoll“, räumte Bönisch ein. „Die Auslastung ist durchweg sehr hoch. Das System wird gut angenommen“, berichtete auch Zweckverbandschef Mietzsch.

Die Bahn will hier jedoch erst einmal weitere Erfahrungen sammeln. „Wir werden nach einiger Zeit zusammen mit dem ZVNL schauen, wo man noch nachjustieren muss“, kündigte Bönisch an. Bis März werde sich an der Konfiguration der Züge aber wohl nichts ändern. Der Bahn fehlen dafür derzeit schlicht auch die nötigen Reserven. Von den zwei vorgesehenen Talent-2-Ersatzzügen war einer bereits im vergangenen Jahr wegen eines Schadens ausgefallen. Der andere ist bereits durchweg im Linieneinsatz. „Das Problem steht auf der Tagesordnung“, stellte Mietzsch klar. „Wir sind nicht bereit, diese Situation längerfristig hinzunehmen.“

Robert Nößler / Lisa Berins

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