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Lokales "Ein Ort, der lebendig ist" - Künstlerin Tina Bara zum Leipziger Entwurf des Freiheitsdenkmals
Leipzig Lokales "Ein Ort, der lebendig ist" - Künstlerin Tina Bara zum Leipziger Entwurf des Freiheitsdenkmals
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11:10 12.07.2012
HGB-Professorin Tina Bara entwickelte den Leipziger Entwurf fürs Freiheits- und Einheitsdenkmal mit. Quelle: Regina Katzer
Leipzig

Bara, Fotografie-Professorin der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig, war zu DDR-Zeiten selbst in der Opposition aktiv. Der gemeinsame Entwurf zum Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal basiert durchaus auch auf einem biografischen Hintergrund.

Ihre Erfahrungen hat Bara in die gemeinsam entwickelte Idee vom „Herbstgarten“, so der Titel des Entwurfs, mit einfließen lassen. "Wir wollten einen Ort, der die Erinnerung mit einer gewissen Leichtigkeit und der Gegenwart verbindet – ein Ort, der vor allem lebendig ist und einen Handlungsraum ermöglicht.“ Anders als in den anderen beiden von der Jury gekürten Gewinnervorschlägen aus München und Berlin haben die drei Frauen nicht ein einzelnes Objekt geplant, sondern den gesamten Platz gestaltet. Im Wesentlichen besteht die Leipziger Idee aus zwei Elementen: einem natürlichen Teil in Form eines Obstgartens, und einem architektonischen Teil mit mehreren Pavillons.

In der Natur entwickelt sich aus der Blüte im Frühjahr die Apfelfrucht, die dann im Oktober geerntet wird. Ähnlich sei es 1989 mit der Demokratiebewegung gewesen, erklären die Künstlerinnen in ihrem Entwurf. Wie bei den Bäumen müssten sich die Menschen auch um die weitere Entwicklung der Gesellschaft bemühen. „Pflegen und ernten wir nicht, verderben die Früchte“, heißt es in der Projektbeschreibung. Geplant ist deshalb, dass sich Einzelne, aber auch Vereine und Einrichtungen um den Garten kümmern. Die jährliche Ernte soll einhergehen mit dem jährlichen Erinnern.

Bewusst „Keine Gewalt“ statt „Wir sind ein Volk“

Die Pavillons bilden einen Parcours durch die Obstplantage und sind mit einem System aus Wegen verbunden. Sie sollen zum Spazieren und Überqueren des Platzes einladen. Aus der Luft betrachtet ergeben sie zweimal den Schriftzug „Keine Gewalt“. Mit den beiden Losungen werden die zwei Fronten symbolisiert, die sich 1989 gegenüber standen. Wo sich die Schriftzüge im Zentrum des Platzes treffen, soll ein verglaster Pavillon entstehen, der für Projekte genutzt werden könnte.

Bewusst haben sich die drei Frauen nicht für „Wir sind ein Volk“ als Text entschieden – also anders als beim Einheitsdenkmal in Berlin. „Wir wollten das nicht noch einmal aufgreifen, da unser Erinnern über das Nationale hinausgehen soll.“ Der Ausruf „Keine Gewalt“ lasse sich auch auf alle anderen Konfliktsituationen weltweit übertragen. „Der Spruch ist eine Utopie und verweist auch in die Zukunft“, sagt Bara. Außerdem unterstreiche er das Friedliche in der Revolution von 1989.

In einigen der Pavillons sind nach der Vorstellung der Künstlerinnen Gespräche mit Zeitzeugen der Friedlichen Revolution zu hören. Auszüge aus dem berühmten Appell vom 9. Oktober 1989 sollen in mehreren Sprachen in die Struktur der offenen Bauten aufgenommen werden.

Tina Bara, 1962 in Kleinmachnow geboren, hat Ende der 1980-er Jahre für die DEFA den Dokumentarfilm „Flüstern und Schreien – ein Rockreport“ fotografisch begleitet. Der Film war eine kleine Sensation, denn er zeigte realistisch die unterschiedlichen Welten von Mainstream-Musikern und alternativer Musikszene in der DDR. Bara nahm damals auch ihr Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig auf.

Seit 2000 bildet Bara mit der italienischen Medienkünstlerin Alba d’Urbano, ebenfalls HGB-Professorin, ein Künstlerduo. Bereits in der Vergangenheit haben die beiden auf Tonspuren als Medien der Erinnerung zurückgegriffen. „Elemente unserer bisherigen Arbeit finden sich in dem Entwurf zum Denkmal wieder“, sagt Bara.

Die dritte im Leipziger Team, die italienische Architektin Anna Dilengite, die wie d’Urbano seit Jahren in Leipzig lebt und arbeitet, war 2001 bereits mit ihrem Entwurf zum Mahnmal der Synagoge in der Gottschedstraße erfolgreich.

Am Freitag wird der Entwurf von Bara, d’Urbano und Dilengite im Neuen Rathaus offiziell mit dem dritten Platz prämiert. „Natürlich haben wir uns darüber gefreut“, sagt Bara. Es sei schon ein Erfolg gewesen, aus mehr als 300 Bewerbungen in die engere Auswahl gekommen zu sein.

Von der Zustimmung aus der Bevölkerung, die der Leipziger Entwurf seit der Entscheidung erhält, hat Bara nicht viel mitbekommen. Derzeit steckt sie zusammen mit Alba D'Urbano mitten in den Vorbereitungen einer neuen HGB-Ausstellung in der Spinnerei. „Dass darüber diskutiert wird, zeigt aber, wie emanzipiert die Leipziger sind, wie sehr sie sich dafür interessieren, was hier passiert.“

Am Freitag wird um 15 Uhr im Neuen Rathaus eine Ausstellung eröffnet, die alle 39 eingereicheten Vorschläge zeigt. Um 19 Uhr beginnt die Einwohnerversammlung mit Möglichkeit zur Diskussion im Festsaal des Neuen Rathauses.

Robert Berlin

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