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Ein Rundgang im Paulinum mit den Architekten Torsten Fischer und Hagen Werner

Ein Rundgang im Paulinum mit den Architekten Torsten Fischer und Hagen Werner

Still ruht der Bau. Im derzeitigen Winter ist kaum was los im und am Paulinum, dem zentralen neu entstehenden Gebäude des Universitäts-campus am Augustusplatz.

Leipzig. Gerade deshalb ein Baustellentreff mit den diensthabenden Architekten.

Die Zwangspause versetzt Torsten Fischer (45, in Dresden zu Hause) und seinen Compagnon Hagen Werner (auch 45, aber ein Leipziger) alles andere als in Euphorie. Da am Paulinum aber noch immer nicht die äußeren Hüllen geschlossen werden konnten, hat die anhaltende Kälte für Baustillstand gesorgt und wird den ohnehin sehr verspäteten Bau - die Weihe sollte bekanntlich schon zur 600-Jahrfeier von Leipzigs Universität im vergangenen Dezember stattfinden - noch weiter in die Warteschleife bringen und weiß Gott nicht billiger machen.

Die Architekten, die nach der Insolvenz von Erick van Egeraats früherer Rotterdamer EEA-Firma in die Verantwortung kamen, wollen, sie können aber nicht. Zu tun wäre viel. Die Arbeiten am Audimax gehen nicht voran, das Dach, das unabhängig von Urheberrechtstreitigkeiten dicht gemacht werden könnte, ist noch immer offen. Und der Kirche-Aula-Raum steht nach der trügerischen Möbilierung zum Uni-Fest wieder kalt und betongrau da. "Spaß macht das nicht", sagt Torsten Werner. Den Egeraat-Bau, den sie für einen "großartigen Entwurf" halten, als ausführende Architekten fertig bauen zu können, sei trotzdem eine tolle Sache.

"Irgendwann", merkt Hagen Werner an, "wird die Eiszeit vorbei sein. Und das hoffen wir nicht nur in Bezug auf den Baufortschritt." Eher Eiszeit herrscht nämlich auch bei der fachlichen Konversation zwischen ihnen und Erick van Egeraat. Es könne doch keine Rede sein, seinen Entwurf nicht so wie von ihm geplant realisieren zu wollen. Bei Ausführungsproblemen müsse man aber nach Lösungen suchen. Auch werde man van Egeraats Urheberrecht, was laut gerichtlichem Vergleich auch auf jeder Bauzeichnung zu vermerken ist, wahren. Fischer und Werner sind sich sicher, dass sie den Bau beherrschen. Groß sind schließlich ihre Erfahrungen, schwierige Vorhaben zu einem guten Ende zu bringen. Fischer und Werner, heißt es, die können das. Sie gelten sogar als Feuerwehrleute ihrer Zunft, haben das zum Beispiel bei der Fertigstellung des Ludwig-Erhard-Hauses in Berlin gezeigt.

Der baulich spektakuläre Sitz der Industrie- und Handelskammer in der Hauptstadt entstand nach Entwürfen des britischen Architekten Nicolas Grimshaw. Der 180 Millionen Euro teure Bau kam zwischenzeitlich auch in Turbulenzen, bis die beiden Architekten aus Sachsen die Sache in die Hand nahmen. Hoch gelobt sind ebenso ihre Arbeiten an Berliner Ministeriumsbauten. Fischer und Werner beschäftigen in fünf Büros in Leipzig, Dresden und Berlin insgesamt 44 Mitarbeiter.

Auf der aktuellen Liste der Aufträge steht neben dem Paulinum in Leipzig mit seiner aktuell geplanten Bausumme von nunmehr 55 Millionen Euro ein Vier-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz in Berlin (Fertigstellung 2010/38 Millionen Euro). Fischer und Werner bauten auch im Vergnügungspark Belantis. "Wer kann schon von sich behaupten, der Baumeister einer Pyramide und eines Schlosses zu sein?", fragt Fischer.

Und wer - was zu ergänzen wäre - darf heute schon einen Innenraum, der einer mittelalterlichen Hallenkirche entsprechen wird, fertigstellen? Bleibt vor allem eine interessierende Frage: Wann wird dieser Bau fertig? Dazu Torsten Fischer: "Zu großen Teilen 2010 - es sei denn, es kommt zu einem juristisch ausgesprochenen generellen Baustopp, was keiner hofft, aber noch immer nicht auszuschließen ist." Mit der Weihe des Paulinum-Innenraumes mit seiner komplizierten Architektur, mit den Säulen und Deckengewölbe ist aber auch 2010 nicht zu rechnen.

Thomas Mayer

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