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Lokales Ein Stadtteil in 180 Stichworten - ein Lexikon über Stötteritz
Leipzig Lokales Ein Stadtteil in 180 Stichworten - ein Lexikon über Stötteritz
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23:30 02.12.2014
Das Cover des ersten Stadtteillexikons von Pro Leipzig. Quelle: Pro Leipzig

Oder eine "Tragkorbgemeinde"? So wurde ein Areal genannt, das um 1830 Uhr vor allem für Tabakarbeiter entstanden war. Im Prinzip ein Elendsviertel mit engen Häusern, das sich dereinst am Stötteritzer Wäldchen zwischen Mittelstraße (heute Lange Reihe) und der Seitengasse befand. Solche und viele andere Stichworte sind in einem Lexikon zu finden, das der Verein Pro Leipzig herausgegeben hat - erstmals für einen Leipziger Stadtteil.

Ein Team unter Leitung von Professorin Gerhild Schwendler hat sieben Jahre lang daran gearbeitet und auch sehr zeitintensiv "weiße Flecken" in der Historie von Stötteritz erforscht. Ursprünglich sollte ja ein Abriss über die Historie der Gemeinde- und Ortsteilgeschichte entstehen. Auch das wäre interessant, zumal Stötteritz ja einst in zwei Rittergüter und damit auch in zwei Gemeinden geteilt war: Oberdorf und Unterdorf. Ab 1831 bekam Stötteritz im Rahmen der neuen sächsischen Verfassung eine eigene Verwaltung, trat damit aus der Abhängigkeit von den beiden Rittergutsbesitzern heraus. Das war ein schwieriger Prozess, da mit steigenden Einwohnerzahlen auch Straßen und Schulen errichtet, eine Gemeindeverwaltung aufgebaut oder ein Armenhaus unterhalten werden mussten. Erst 1871 wurde der Zusammenschluss der beiden Teile vollzogen, nachdem sich vor allem das Unterdorf massiv gewehrt hatte und die Landesregierung eingreifen musste.

Gerade da musste das Team um Gerhild Schwendler in aufwändiger Archivarbeit viele Fakten und Geschichten erkunden. Auch weil viele Akten nicht mehr existierten. Angesichts der Fülle von Ereignissen, Persönlichkeiten, markanten Gebäuden oder Erinnerungsorten entschloss man sich, die Historie in 180 alphabetischen Stichwörtern zu ordnen. Darin steckt eine Heidenarbeit. "Schnell musste die Arbeitsgruppe erkennen, dass sie mit der Darstellungsform Stadtteillexikon keinen einfachen Weg gewählt hat", sagt Thomas Nabert, der Geschäftsführer von Pro Leipzig. Während bei Abrissen über die Ortsteilgeschichte "weiße Flecken" geschickt umkurvt werden können, ist das bei einem Lexikon schwer möglich.

Deshalb war die Arbeit langwierig. Es hat sich aber gelohnt: Herausgekommen ist ein informatives Buch mit mehr als 230 meist farbigen Abbildungen über Stötteritz, vielen Besonderheiten und auch fast vergessenen Dingen. Etwa, dass es dort bis 2002 sogar ein Kosmonautenzentrum gab.

Das Buch "Stötteritz. Ein Leipziger Stadtteillexikon" kostet 15 Euro. Es gibt es bei Pro Leipzig, Waldstraße 19, sowie im Handel. ISBN 978-3-945027-07-3.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.12.2014

Mathias Orbeck

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