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Ein Team hält durch - Familie Kohl aus Leipzig in der LVZ-Serie

Ein Team hält durch - Familie Kohl aus Leipzig in der LVZ-Serie

Fehlende Kita-Plätze, Berufstätigkeit, steigende Anforderungen im Job: Familien stehen vor vielen Herausforderungen. Wie meistern sie den Alltag? Die LVZ zeigt in einer Serie jeden Sonnabend, wie es klappen kann: "So packen wir das!" Heute: Familie Kohl.

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Können sich aufeinander verlassen: Die 34-jährige, alleinerziehende Mutter Susanne Kohl und ihr zehnjähriger Sohn Raphael.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Raphael kann sich noch daran erinnern, als er und Mutter Susanne Kohl seine Geburtsstadt Münster verlassen haben. "Fast alle haben gesagt: 'Bleib doch hier'", sagt der Zehnjährige, neigt den Kopf und scheint nachzudenken. Vier Jahre ist der Umzug aus der rund 450 Kilometer entfernten Stadt in Westfalen nach Leipzig jetzt her. "Raphael hat seine Zeit gebraucht, um das aufzuholen", erklärt seine Mutter. Zumal der Spross in Münster schon zur Schule ging.

Heute legt Raphael die zwei Kilometer von Mockau-Süd bis zur 21. Grundschule in der Stöckelstraße, wo er die vierte Klasse besucht, jeden Morgen und Mittag alleine zurück. Und bringt hervorragende Noten mit nach Hause. "Ich bin richtig stolz auf den Jungen", meint die Mutter, knufft ihren Sohn leicht und beide lachen. Von Missmut ist bei der kleinen Familie nichts zu spüren.

Acht Jahre hat Susanne Kohl, eine gelernte Restaurantfachfrau mit Wurzeln im thüringischen Schleiz, in Münster gelebt, wo sie der Liebe wegen hinzog und schwanger wurde. Irgendwann haben sich Raphaels Eltern dann "nicht mehr so lieb gehabt", erzählt die 34-Jährige in Gegenwart ihres Sohnes. 2009 fingen Raphael und seine Mutter in Leipzig wieder bei Null an.Susanne Kohl begann, Angewandte Mathematik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) zu studieren, kam allerdings nur zwei Semester weit. "Ich hatte drei Mal pro Woche bis abends um 20 Uhr Seminare und nebenher einen Babysitter zu bezahlen", resümiert sie, "das war einfach zu stressig und ich nur gereizt." Raphael muss einhaken: "Der Babysitter war aber nett." Beide sehen sich an und lachen wieder.

Auf Umwegen über das Arbeitsamt kam Susanne Kohl schließlich an ihren aktuellen Job im Call-Center, wo sie jetzt seit dreieinhalb Jahren beschäftigt ist. Zu ihrem Gehalt kommen Wohngeld und Kinderzuschlag hinzu. Sprünge wie weitere Reisen oder ein Auto kann sich die Familie davon jedoch nicht leisten. "Wir müssen jeden Cent drei Mal rumdrehen", sagt die Alleinverdienerin. Raphaels Vater steht selbst noch in einem Ausbildungsverhältnis, zahlt keinen Unterhalt. "Zum Glück hat meine Chefin viel Verständnis und kommt mir bei den Arbeitszeiten entgegen", unterstreicht Raphaels Mutter. So kann Susanne Kohl schon morgens um 7 Uhr ihre Schicht beginnen, um spätestens gegen 16 Uhr zu Hause zu sein. Der Sohnemann ist dann bereits aus der Schule zurück und hat eingekauft. "Auf den Kleinen kann ich mich verlassen", bemerkt die Frau im Haus und nickt anerkennend in Richtung Nachwuchs. "Ich finde es auch super, dass ich Raphael an den Wochenenden und Feiertagen mit auf Arbeit nehmen kann", führt die Mutter aus, "er ist dann immer ganz leise und macht Hausaufgaben."

Ihre Spätschichten kann Susanne Kohl in die Ferien verlegen, wenn Raphael seine Freizeit bei seinen Großeltern Doris und Wolfgang Kohl verbringt. Beide wohnen zwar 120 Kilometer weiter südlich in Schleiz, sind aber trotzdem regelmäßig alle drei Wochen in Leipzig bei ihrem Enkel. "Wenn wir die Großeltern nicht hätten, wären wir oft aufgeschmissen", so die Tochter. Wenn Oma und Opa Kohl gerade mal nicht bei der Familie sind, Raphael schon im Bett, die Haus- und Papierarbeit erledigt ist, findet sich Susanne Kohl ab und zu in der Küche wieder. Für eine halbe Stunde fließen dann Tränen, "weil es wirklich anstrengend ist", bekennt die Mutter. Missmutig wirkt sie allerdings immer noch nicht. "Zähne zusammenbeißen und durch", sagt die Mutter, während sie zu ihrem Sohn sieht. "Ein Glück ist er so verantwortungsbewusst und selbstständig." Raphael antwortet nicht, lächelt seiner Mutter nur zu. Und hebt den Daumen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.10.2013

Felix Kretz

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