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Ein Trio und sein Rückgrat

Ein Trio und sein Rückgrat

Elena ist völlig aus dem Häuschen, als endlich ein Schlüssel in der Schleußiger Wohnungstür zu hören ist. Die Zweieinhalbjährige turnt von der Couch, flitzt durch den Flur und spielt dabei jubelnd das Frage-Antwort-Spiel mit sich selbst: "Wie heißt denn der Papa? Marcus!" Mit einem "Vorsicht, Vorsicht" steht Marcus Weikart lachend im Türrahmen.

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Zwischen zwei Arbeitsplätzen und Wochenendarbeit verlieren Marcus und Franziska Weikart mit Elena nicht die Zuversicht.

Quelle: André Kempner

"Papa hat doch noch ganz schmutzige Hände, siehst Du?" Der 31-Jährige hält dem kleinen Gesicht zwei fast komplett schwarz eingefärbte Extremitäten vor die großen Augen. "Die muss sich Papa erst mal waschen." Den unnatürlichen Teint hat Marcus Weikart aus der Werkstatt mitgebracht. Elenas Vater ist gelernter Kfz-Mechaniker, macht sich manchmal an bis zu drei Samstagen hintereinander die Hände im Betrieb schmutzig, wenn es der Dienstplan fordert. "Wir geben uns oft gegenseitig die Klinke in die Hand", sagt Franziska Weikart. 30 Jahre, die dem Begrüßungsritual zwischen Mann und Tochter lächelnd von der Wohnzimmertür aus zugesehen hat.

"Es ist wirklich kompliziert, das Ganze unter einen Hut zu bringen", bringt es Marcus Weikart auf den Punkt, nachdem er sich die Hände gewaschen und den immer noch glucksenden Spross auf den Schoß gesetzt hat. "Zum einen ist es das Koordinieren und Organisieren", stimmt Franziska Weikart zu, "zum anderen fehlt uns auch die Zeit zu zweit." Dann äußert die junge Mutter den Satz, der verrät, wie die Weikarts es packen: "Eigentlich geht es nur mit den Verwandten."

Während Vater Marcus 40 Stunden in der Woche in der Werkstatt steht, kann Mutter Franziska ihr Arbeitspensum als freie Mitarbeiterin beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) flexibel gestalten. "Jeder fest geregelte Acht-Stunden-Job hätte sich sonst auch erledigt", sagt sie mit Blick auf die Betreuungszeiten für Elena durch eine Tagesmutter im Viertel. Die Tochter ist damit von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr versorgt. Klar könne ei- ne Tagesmutter auch nicht mehr als arbeiten, meinen die Weikarts. Wird es im Hause der Drei zwischen Werkstatt, krankheitsbedingten Ausfällen oder Urlaub der Betreuung und MDR allerdings eng, springt die Familie aus dem thüringischen Altenburg oder dem benachbarten Markranstädt ein. Genauer: Oma Ramona - Franziskas Mutter - aus dem Freistaat nebenan, Oma Gabi und Onkel René sind das Rückgrat, auf das sich das Weikart-Trio verlassen kann. Selbstverständlich ist die Unterstützung aus der Verwandtschaft indes nicht.

Der komplette Weikartsche Helferstab ist berufstätig. "Aber der Vorteil ist, dass alle noch so jung sind", setzt Franziska Weikart hinzu. Oma Ramona, eine Justizangestellte, zählt 45 Lenze, Oma Gabi makelt mit 50 Jahren Versicherungen und Onkel René ist mit seinen 28 Jahren im Einzelhandel tätig. Ist in Schleußig mal Not an der Tagesmutter, können Omas und Onkel ein- und mit Elena noch auf dem Spielplatz herumspringen. "Wir wüssten gar nicht, wie wir es ohne die Familie schaffen sollten", sagt das Ehepaar Weikart unisono. Zwar haben sich beide bewusst für eine Tagesmutter entschieden, sieben verschiedene Adresse abgeklappert, bis die Wellenlänge schließlich stimmte. Allerdings ging der Entscheidung eine ebenso bekannte wie fragwürdige Erfahrung voraus: Die Suche nach einem Platz in einer Kindertagesstätte für Elena. Auf dem Weg über das Online-Portal der Stadt, den Post- und den kurzen Dienstweg via Telefon sind für die Eltern dabei ein paar Fragen auf der Strecke geblieben.

"Gerade wenn die Kita-Plätze rar sind", hat Franziska Weikart festgestellt, "warum können Eltern ihre Kinder dann nicht schon vor der Geburt in einer Einrichtung anmelden?" Für Partner Marcus ist nach wie vor offen, warum es keine tatsächlich freien Wahlmöglichkeiten gibt und die Bedarfsplanung von amtlicher Seite offensichtlich zu wünschen übrig lässt. "Das Vergabekonzept ist in Politik und Verwaltung zum Teil nicht bis zu Ende gedacht", schlussfolgert Elenas Vater. Nachdem die Hintergründe bekannt sind, haben sich Zweifel bei der Familie eingestellt. "Es geht natürlich auch darum, ein zweites Kind in die Welt zu setzen", sagt Franziska und streicht ihrer Tochter über den Kopf.

Elena ist inzwischen von Papas Schoß heruntergerutscht und blättert vergnügt vor sich hin murmelnd in einem Bilderbuch. "Es macht immer noch Spaß, eine Familie zu sein", sagt Franziska Weikart, "und gerade in Leipzig, um hier sein Kind groß zu ziehen", vollendet Ehemann Marcus den Satz. Von Ironie ist nichts in seiner Stimme zu hören.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.09.2013

Felix Kretz

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