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Lokales Ein bisschen Äthiopien in Leipzig
Leipzig Lokales Ein bisschen Äthiopien in Leipzig
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10:00 28.11.2017
Etagegne Assefa Zewdie in ihrem Addis-Café. Quelle: André Kempner
Leipzig

Man nehme Ingwer, Chili, roten Pfeffer – und sieben weitere feurige Gewürze. Heraus kommt Berbere, ein signalrotes Pulver, das äthiopischem Essen eine unvergleichlich feurige Note verleiht. Schon als Kind liebte Etagegne Assefa Zewdie – in Deutschland kurz Tsige genannt – das scharfe Hähnchen Doro Wot im Restaurant ihrer Großmutter. Zusammen mit hartgekochten Eiern und Frischkäse auf dem säuerlichen Fladenbrot Injera angerichtet, war das in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein Festmahl, das eigentlich für die Feiertage reserviert war.

Im Addis-Café in der Brüderstraße lässt die Äthiopierin seit dem Sommer ihre Kindheit wieder aufleben: Buna aus dem Ursprungsland der Arabica-Bohne, wie zu Hause in einer Zeremonie mit dem Duft von glühendem Weihrauch serviert, verschiedene geschmorte Gemüse auf einer großen Platte, heiße Suppen, selbstgemachter Ingwertee: Afrika ist im Universitätsviertel mitten in der kalten Jahreszeit nah.

Zudem lädt das Café mit seinem Geschäftsführer Gerd Birkenmeier, Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Leipzig-Addis Abeba, regelmäßig zu sogenannten Science Dinners ein. Am kommenden Mittwoch steht ein aktuelles und heiß umstrittenes Thema auf dem Programm. Unter dem Titel „Die Glyphosat-Lüge: Wie wir uns selbst sterblicher machen“, referiert die Bakteriologin und Teilnehmerin des Monsanto-Tribunals Professor Monika Krüger darüber, wie das Herbizid in Lebensmittel gelangt und gesundheitliche Schäden verursacht. Dagegen stellt sie die Frage, ob die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung ohne Pflanzenschutzmittel überhaupt gesichert ist. Von 18 bis 20 Uhr steht ein authentisches äthiopisches Buffet zur Verfügung, ab 20.15 Uhr beginnt der Vortrag.

Es hat lange gedauert bis sich Tsige, 1995 nach Deutschland einreist, ihren Traum vom eigenen Restaurant erfüllen konnte. Ohne den deutschen Professor und Äthiopien-Kenner Birkenmeier, der als Mitgesellschafter fungiert, hätte es wohl nicht geklappt. Immer wieder warfen die Behörden der Afrikanerin Steine in den Weg.

„Meine Oma war eine starke Frau. Sie hat mich allein mit ihren vier Söhnen aufgezogen, die Onkel und Brüder zugleich waren“, erzählt Tsige. „Sie unterstützte die ganze Familie und arbeitete hart. Für mich gab es nichts Schöneres, als ihr in der Küche hinterherzurennen.“

Die Großmutter mit dem Restaurant im Geschäftsviertel der äthiopischen Hauptstadt blieb ihr Vorbild, wenn es später im eigenen Leben ums Durchhalten ging. Denn der Weg war lang, bis sie das Addis-Café eröffnete: Erst kochte sie für Freunde, dann in der Volkshochschule, dann bei der Gründung des Städtepartnerschaftsvereins Leipzig/Addis Abeba und auf Veranstaltungen der interkulturellen Wochen.

An den ersten Abend im eigenen Restaurant erinnert sich die Äthiopierin, als wäre es heute. „Da standen 100 Menschen, die mit meinem Traum verbunden waren. Es verschlug mir die Sprache“, erzählt sie. Einige – den Professor mit seiner Frau, die Innenarchitektin und ihre beiden Töchter, die Tag und Nacht zu ihr standen, hat sie verewigt. Ihre Namen stehen in amharischen Schriftzeichen über der Bar, die sich ansonsten so kühl und zurückgenommen gibt wie die Restaurantleiterin.

2. Science-Dinner am 29. November ab 18 Uhr, Brüderstraße 39, 20 Euro, verbindliche Anmeldung unter info@addis-cafe.de

Von Stephanie von Aretin

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