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Ein gezeichnetes Juwel unter Metall

Ein gezeichnetes Juwel unter Metall

Der Kunsthistoriker und Architekturkritiker Arnold Bartetzky steht auf dem Richard-Wagner-Platz und schaut auf die Arbeiten an der Leipziger Blechbüchse. Dort wird die namensgebende Aluminiumfassade in diesen Tagen demontiert.

Arbeiter bauen die Einzelteile ab, die eingelagert und später wieder angebracht werden sollen. Dann werden sie Teil des neuen geplanten Einkaufszentrums Höfe am Brühl, dass vom Essener Investor MFI gebaut wird und im Herbst kommenden Jahres eröffnen soll.

Unter der alten Fassade kommt ein früheres Schmuckstück der Leipziger Innenstadt zu Tage, das alte Kaufhaus am Brühl, eröffnet 1908. Gebaut wurde es im Stil des späten Historismus am Übergang zur frühen Moderne, wie Bartetzky erklärt. Was davon übrig ist, bietet jedoch ein trauriges Bild. Die Fassade ist gezeichnet von Krieg und fehlender Fürsorge zu DDR-Zeiten. Die Aluminiumfassade wurde in der alten verankert, dazu trüben hässliche Lüftungsschächte das Bild. "Man kann sehen, was das aus heutiger Sicht für ein barbarischer Akt gewesen ist", sagt Bartetzky.

Er sieht jedoch in diesem traurigen Anblick auch Potenzial. Ginge es nach ihm, würde der alte Bau saniert und zum Schmuckstück gemacht. Er weiß, dass die beschlossenen Pläne für das Einkaufszentrum das nicht vorsehen. Er würde sich aber eine öffentliche Diskussion wünschen, an deren Ende die Leipziger entscheiden können, welche Fassade sie wollen. Schließlich werde erst jetzt erkennbar, welches architektonische Juwel unter der Aluminiumfassade schlummere.

Der Betrachter könnte meinen, dass die Restaurierung eines so geschundenen Hauses kaum möglich sei. Dem widerspricht der Kunsthistoriker. "Es gab zur Wende unzählige solcher Bauten in Leipzig. Viele davon sind heute richtige Schmuckstücke." Als Beispiel nennt er das Städtische Kaufhaus. Bis auf die Giebel sei hier am Brühl noch fast alles da an Bausubstanz. Bartetzky meint, der Richard-Wagner-Platz würde mit einer Sanierung des Gebäudes schöner werden. "Der Platz hat Qualität. Er würde sich öffnen und damit auch die Stadt Leipzig", ist er überzeugt. Er sieht sich dabei nicht als Gegner der DDR-Architektur. "Ich habe mich vielfach an anderer Stelle für den Erhalt dieser Architektur eingesetzt." An diesem Platz jedoch hoffe er auf eine andere Lösung. Den Kult um die Aluminiumfassade könne er aber verstehen. "Leipzig liebt diese Fassade. Nur wenige wissen jedoch, was sich dahinter verbirgt." Deswegen könne überlegt werden, ob die Blechfassade an eine andere Stelle umziehen könne.

Bartetzky weiß, dass die Änderung der Pläne unwahrscheinlich ist. Das neue Einkaufszentrum soll die Aluminiumteile integrieren, nur auf einer Breite von wenigen Metern soll die Fassade des alten Kaufhauses am Brühl dahinter bestehen bleiben. Der Kunsthistoriker hofft jedoch auf die Gesprächsbereitschaft der Akteure. "Wir leben in einer Stadt, die auf Nachhaltigkeit setzt und haben einen Investor, der sich bisher sehr kooperativ gezeigt hat." Auch das Architektenbüro sei sehr renommiert. Mit diesen Akteuren könne man reden. Die Leipziger könnten dann entscheiden.

Bartetzky kann sich auch eine Kombination der beiden Fassaden vorstellen, falls sie architektonisch umsetzbar sein sollte. Bleibt die Fassade aus Metall wie geplant, hoffe er zumindest auf den Erhalt des darunter liegenden Baus. "Leipzigs Alleinstellungsmerkmal in der Liga der 500000-Einwohner-Städte ist sein hoher Anteil an historischer Bausubstanz. Dieses Merkmal sollte gestärkt werden."

Matthias Winkelmann

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