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Ein kleines Universum: Weihnachtsmarkt im Leipziger Hauptbahnhof

Ein kleines Universum: Weihnachtsmarkt im Leipziger Hauptbahnhof

"Haltet euch gut fest im Hubschrauber, es gibt Turbulenzen und böige Winde, da müssen wir aufpassen und langsam machen! Schaut nur herunter auf das schöne Leipzig und das riesengroße Rathaus!" Unter einem rot-weiß gestreiften Baldachin sausen jauchzende Kinder auf dem Karussell im Kreis, die Wangen gerötet, die Hände fest ans Lenkrad geklammert.

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Weihnachten in den Promenaden im Leipziger Hauptbahnhof. (Archivfoto)

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Im Kassenhäuschen sitzt Monika Posselt, die linke Hand am Mikrofon, die rechte an der quietschenden Kurbel, mit der sie die Geschwindigkeit des Oldtimer-Karussells in der Osthalle des Hauptbahnhofs reguliert. Ihr gegenüber steht ihr Mann Dennis Mayne mit Weste und Schaffnermütze und gibt ihr Handzeichen: langsamer, schneller, Daumen hoch für einen guten Spruch.

Posselt und Mayne leben seit 26 Jahren als Straßenkünstler. Sie betreiben das 1951 gebaute Karussell mit Oldtimer-Fahrzeugen zum ersten Mal. Jeden Tag sind sie vierzehn Stunden am Karussell, von 10 bis 20 Uhr können die Kinder fahren. Eine Mutter kauft vier Tickets, die Tochter wolle auf den Traktor. Posselt zählt die Karten ab: "Die erste ist für den Acker, die nächste für die Wiese, die für den Sumpf, und das ist die Rückfahrtkarte. Gut aufheben!" Das Kind lacht, die Mama schmunzelt. "Wir wollen für jedes einzelne Kind ein Theaterstück spielen, zu jedem Fahrzeug gibt es eine Geschichte", sagt die 56-jährige Monika Posselt. Die von den Kutschpferden zum Beispiel, die in die Jahre gekommene Rennpferde sind. "In unserem kleinen Universum hier heißt es nicht Weihnachtsstress, sondern Weihnachtszeit." Sie zieht an der Glockenschnur, und mit einem hellen Bimmeln beginnt die nächste Runde - über den Innenstadtring zum Clara-Zetkin-Park.

Posselt ist trotz des Mikrofons schon ganz heiser, neben ihr stehen ein Glas Wasser und Salbeitee zum Gurgeln. Seit dem 25. November sind sie und ihr Mann in Leipzig, bis zum 29. fährt das Karussell noch - auch an den Weihnachtstagen. "Die Arbeit ist sehr intensiv, aber im positiven Sinn", sagt Mayne. "Genau das habe ich gerade gebraucht als Ausgleich zu meinem lockeren Klavierspielerberuf. Jede der 50 bis 70 Fahrten am Tag ist anders, am Abend sind wir ordentlich fertig." Dem 54-jährigen gebürtigen Kanadier ist seine Herkunft noch anzuhören. Am Karussell ist er nicht nur Schaffner, sondern auch für die Technik zuständig. Als gelernter Hubschrauberhandwerker muss er immer wieder Hand anlegen, wenn das historische Karussell der Pflege bedarf.

Der Karussellbetreiber Pascal Raviol hat dieses Oldtimer-Modell einst für 7000 Euro gekauft, "nun stecken schon 120 000 Euro darin", sagt er - die sei die Erhaltung dieser Alltagskultur ihm allerdings wert. Das Karussell steht in diesem Jahr zum dritten Mal in der Osthalle. Bis zu 35 Kinder finden etwa im Feuerwehrauto, der Kutsche, dem Hubschrauber und auf den Mofas Platz, sechs Umdrehungen schafft es in der Minute - gegen den Uhrzeigersinn -, die Schnelligkeit wird mit einem simplen Salzwasseranlasser reguliert. Das Karussell dreht sich nicht wie die meisten anderen auf einer Scheibe, sondern die Fahrzeuge fahren noch selbst. Posselt und Mayne kennt Raviol schon seit langem, er nennt sie liebevoll "zwei verrückte Hühner", die endlich einmal zeigten, wie man ein Karussell auch anders betreiben könne. "Besonders toll ist es für uns, wenn die Kinder mitspielen", sagt Posselt. Sie seien etwa schon in Ozeanien, am Nordpol und auf dem Mond gewesen - oder auch einfach mal beim Opa. Spannend ist es immer. Die nächste Runde geht zu Ende, Posselts Stimme ist die Erleichterung anzuhören, als sie sagt: "Mit den letzten Tropfen Benzin rutschen wir gerade noch zur Zapfsäule."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.12.2013

Ariane Dreisbach

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