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"Ein riesengroßer Fehler" - Ex-Wasserwerke-Chef zeigt Reue bei Vernehmung

"Ein riesengroßer Fehler" - Ex-Wasserwerke-Chef zeigt Reue bei Vernehmung

Erst im Jahr 2007 - nach der völligen Genesung von einer schweren Augenkrankheit - habe er begriffen, dass die Annahme von 3,7 Millionen Euro Bestechungsgeld "ein riesengroßer Fehler" war.

Leipzig. Das sagte der inhaftierte Ex-Chef der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) in seiner Vernehmung.

Bei den Befragungen durch Staatsanwälte und Kripo-Beamte zeigte Heininger Reue. Er habe erst 2007 "allmählich kapiert, dass ich mit dem Geld gar nichts anfangen kann. Ich wollte ja in Deutschland bleiben. Ich hatte auch hier ein Kind. Und ich dachte mir, ja wie bist denn blöde, habe mir die ganze Zeit gesagt, ja bist du denn blöde, was du gemacht hast." Im Februar 2010 - kurz nach seiner Entlassung bei den KWL - habe er die Arrangeure Jürgen Blatz und Berthold Senf gebeten, die von ihnen erhaltenen 3,7 Millionen Euro zurückzunehmen. Mit Blatz sei er dann von Zürich nach Liechtenstein gefahren, um entsprechende Order für sein dortiges Treuhandkonto zu geben. Der Bank-Justiziar S. habe das aber abgelehnt. Er hätte im Internet Zeitungsberichte über die Anschuldigungen gegen Heininger gelesen. "Und da sagte mir Herr S., dass er aufgrund dieses Sachverhaltes nicht in der Lage wäre, hier noch irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Es täte ihm furchtbar leid."

Der langjährige Spitzenverdiener widersprach dem Verdacht, er habe im Februar fliehen wollen. Zwar stimme es, dass er Senf um Bargeld bat sowie darum, sich nach einem Käufer für seinen Porsche umzusehen. Mit dem Erlös habe er aber den Lebensunterhalt für die ersten drei Monate finanzieren wollen - solange das Arbeitsamt noch nicht zahlt.

Heininger entlastete den ebenfalls gefeuerten KWL-Technik-Geschäftführer Andreas Schirmer. Dieser habe deutsche Übersetzungen der Unterlagen zu den hoch riskanten CDO-Geschäften mit der UBS-Bank nie zu Gesicht bekommen. Es habe eine strikte Aufgabentrennung gegeben.

Über die Höhe der Provisionen und etliche Vertragsdetails habe nicht mal er selbst richtig Bescheid gewusst, so Heininger weiter. Das sei in die Zuständigkeit der Arrangeure Blatz und Senf gefallen oder in die der ebenfalls beteiligten Anwaltskanzlei Freshfields. "Ich kann zwar sehr gut englisch, aber das Wirtschaftsenglisch und dann diese technischen Begriffe, die drin standen, denen war ich nicht so mächtig." Erst Wochen nach dem Abschluss des ersten CDO-Vertrages, den Heininger und Schirmer im Juni 2006 in London unterschrieben, habe er eine deutsche Übersetzung von der UBS-Bank erhalten. Die sei immer noch extrem kompliziert gewesen, habe etliche Fachbegriffe enthalten, die Heininger bei einer Nachfrage im KWL-Aufsichtsrat nicht hätte erklären können. Deshalb habe er sich entschlossen, für die "Information" des Aufsichtsrates im September 2006 eine eigene Präsentation zu erstellen, die englische Begriffe wie Collateralized Debt Obligation (CDO) erst gar nicht enthielt.

Die Präsentation hätten alle Aufsichtsratsmitglieder und die städtische Beratungsfirma BBVL zwei Wochen vor der Sitzung erhalten. Eine Kopie des ersten CDO-Vertrages sei an den damaligen Wirtschaftsprüfer der KWL gegangen. Niemand habe irgendeine Nachfrage gestellt. Deshalb habe er auch später keine Veranlassung gesehen, mit irgendwem über die CDO-Deals zu reden, so der Beschuldigte. Sinn dieser Geschäfte sei gewesen, ein "Klumpenrisiko von insgesamt 700 Millionen Euro" bei den früheren Cross-Border-Leasing-Deals abzusichern. Dass bei den CDO ein Totalausfall von 290 Millionen Euro droht, sei ihm erst "im Frühjahr 2009 bewusster geworden".

Jens Rometsch

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