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Lokales „Ein super Ort“: Michael Kölmel über seine Geschäfte mit Stadion, Arena und RB Leipzig
Leipzig Lokales „Ein super Ort“: Michael Kölmel über seine Geschäfte mit Stadion, Arena und RB Leipzig
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12:34 20.12.2016
Michael Kölmel spricht im Interview über seine Aktivitäten rund um Stadion, Arena, Verlag und Filme - und auch über sein Leben für und in Leipzig. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Michael Kölmel:

 Strategie? Nein. Ich gehöre nicht zu denen, die sich in das Rampenlicht der Öffentlichkeit drängen. Wo es der Sache dienlich ist, zeige ich aber gerne auch persönlich Flagge.

Wer in Leipzig Ihren Namen hört, der denkt zuerst ans Fußballstadion. Alles in Ordnung in diesem Kontext?

Die Fakten sprechen für sich: Red Bull ist ein potenter und zuverlässiger Mieter mit, wie wir wissen, Langzeit-Ambitionen. Im Stadion wird schon guter, spannender Fußball gespielt. Ich freue mich sehr, dass in diesem Jahr die Nationalmannschaft ins Stadion kommt. Mit dem Länderspiel am 1. Juni gegen Israel können wir unser Team zur Europameisterschaft verabschieden. Das ist toll, zumal Israel ein attraktiver Partner ist, gerade auch für Leipzig mit seiner neuen Partnerstadt Herzliya.

Was tut das Kölmel-Team im Stadion?

Wir sind ein Team von 35 Mitarbeitern, die sich um alles kümmern: Vom Wasserhahn über die Flutlichtlampen bis zur Rasenpflege. Sportler und Rockstars sind zu betreuen, denn wir betreiben ja auch die Arena. Die Vermarktung mit Sport und vor allem mit Konzerten ist gut. Dabei kommt uns entgegen, dass Leipzig ein super Ort ist für vielerlei Unterhaltung. Für die Kulturveranstaltungen verbesserten wir Schritt für Schritt Akustik, Bestuhlung und den Bühnenaufbau in der Arena. Die Veranstalter kommen gern zu uns, weil sie wissen, dass wir uns für sie einsetzen.

Sie glauben daran, dass in absehbarer Zeit Bundesliga-Fußball in Leipzig gespielt wird?

Ich bin überzeugt davon, dass Red Bull einen langen Atem und dass das Leipzig-Unternehmen einen hohen Stellenwert hat. Freilich kann es keine Garantie für den Aufstieg geben. Den muss man sich trotz allen Geldes sportlich erkämpfen. Das ist der große Reiz an der Geschichte.

Sie sind jedes Spiel vor Ort?

Wenn ich es irgendwie möglich machen kann, dann ja.

Warum gehen Sie hin - wegen des Fußballs oder wegen Ihres „Wohnzimmers“?

Wegen beidem und wegen der Familie, die gern mitkommt. Mein richtiges Wohnzimmer ist aber nicht weit entfernt.

Seit wann sind Sie Leipziger?

Seit 2003 bin ich mehr oder weniger fest hier. Mittlerweile ist mir und meiner Familie Leipzig Heimat geworden. Meine Frau, die Kunsthistorikerin ist, leitet sogar den Förderverein des Bildermuseums.

Sie kamen mit Ihrer Firma Kinowelt hierher. Die ist nicht mehr da. Wie kam das?

Dass die Kinowelt, die ich 2007 verkaufte, aus Leipzig wegging, konnte ich leider nicht verhindern. Ich hatte vereinbart, dass die Kinowelt hier bleibt. Nach Ablauf eines auf drei Jahre befristeten Vertrages zogen es die neuen französischen Eigentümer von Studio Canal vor, sich in Berlin anzusiedeln.

Welche Unternehmen firmieren heute unter Ihrer Ägide?

An erster Stelle ist der Verlag Zweitausendeins zu nennen, dessen Sitz ich von Frankfurt-Main nach Leipzig verlegt habe. Dabei konnten an unserem Firmensitz von 36 Angestellten auch 18 Kinowelt-Mitarbeiter Arbeit bekommen. Unser größter Bereich ist das Buch, dann kommt die Musik, dann der Film. Beim Buch kommen wir mit ungewöhnlichen Themen, so werden wir demnächst die Tagebücher der Brüder Goncourt herausgeben. Wir beleben damit vergessene Klassiker. Bestseller waren zuletzt die Tagebücher des ziemlich abgefahrenen Briten Samuel Pepys. Zudem übernehmen wir von großen Verlagen, wie zuletzt von Suhrkamp, „Restposten“. Nach einer gewissen Zeit kann man die Preisbindung für Bücher aufheben, wir verkaufen sehr gute Literatur sehr preiswert. Uwe Tellkamps „Turm“ gibt es bei uns im Leipziger Laden in der Burgstraße gebunden für 12,95 statt für 24,80 Euro. Bei unserer Zweitausendeins-DVD-Edition profitieren wir vom Knowhow ehemaliger Kinowelt-Mitarbeiter. Wir bringen DVD-Klassiker der Filmgeschichte heraus, aber auch Dokumentarfilme, zum Beispiel über Neo Rauch.

Was ist lukrativer: Stadion oder Zweitausendeins?

Man kann beides nicht miteinander vergleichen. Die Wirtschaftlichkeit des Stadions hängt sehr ab vom künftigen sportlichen Erfolg der Rasenballer. Die müssen gut spielen und aufsteigen, und ich kann nur die Daumen drücken. Bei Zweitausendeins treffe ich selbst Entscheidungen. Dieses Geschäft, das ich 2006 als Sanierungsfall übernahm, ist kleinteilig, ja mühsam. Wir sind noch nicht auf der sicheren Seite. Es geht langsam nach vorn. Zweitausendeins ist aber mit seinen vielen Möglichkeiten eine große und reizvolle Herausforderung.

Womit verdienen Sie noch Geld?

Mit Fußball und meinen Beteiligungen an Fernsehrechten bei Fußballvereinen sowie mit Rechten von Kinofilmen, die ich nicht verkauft habe. So habe ich die Rechte am Italo-Western „Django“ mit Franco Nero in der Hauptrolle und an Kultfilmen wie „Reise nach Indien“, „Terminator III“, „Die durch die Hölle gehen“, „Convoy“, „Bowling for Columbine“ und „Nickelodeon“. Das lohnt sich schon.

Rechte nur für Deutschland?

Teilweise für die Welt und für die Ewigkeit, wenn man die Begrenzung des Urheberrechts auf 70 Jahre so nennen mag.

Wie kamen Sie auf Ihre Film-Idee?

Ich studierte in Göttingen Mathematik, gründete während dieser Zeit einen Filmclub und zeigte bald jene Filme, die ich selbst immer sehen wollte. Später wurde ein Filmfest daraus, ich machte für einen Kinobesitzer das Programm und begann, die Kinos zu sortieren, so dass also Filmkunst dort und Action dort gespielt werden konnte. Schließlich zeigte ich in Göttingen Filme, die in Deutschland noch nie gezeigt wurden. Mein erster Film, für den ich die Rechte hatte, hieß „Gregorys Girl“. Der Film wurde ein Erfolg. Ich hatte aber 20000 Mark investiert. Zum Glück schenkten mir meine Eltern zum Abschluss meines Studiums ein Auto. Das konnte ich verkaufen und meinen Filmtick fürs erste finanzieren.

Der Tick ist zuständig dafür, dass Sie heute in eigener Firma Filme drehen?

Vom Film komme ich nicht los. Meine Firma heißt Filmaufbau Leipzig GmbH, und wenn es eine entsprechende Förderung gibt und das Fernsehen als Partner dabei ist, will ich Filme produzieren. So entstand zunächst „Tom Sawyer“, jetzt ist „Huck Finn“ abgedreht. Tom Sawyer hat bis jetzt schon 400000 Zuschauer. Dies ist eine stattliche Zahl, obwohl ich mit mehr Zuschauern gerechnet habe. Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass die Zehnjährigen von heute nicht mehr mit den Romanen von Mark Twain groß werden und sie vielfach im Film erstmals von diesen Typen Kenntnis nehmen. Das nächste Projekt ist ein Dokumentarfilm über den ganz besonderen Fußballclub Union Berlin.

Wie würden Sie Ihr umtriebiges Tun bezeichnen?

Ich mache das, was sehr viele Menschen machen: Ich beschäftige mich mit Fragen und engagiere mich bei Themen, die mich interessieren.

Im Unterschied zu anderen machen Sie aber ganz unterschiedliche Sachen gleichzeitig. Gibt es eine Arbeitsmethode, die alle Tätigkeiten verbindet?

Ich kann eine Idee mit langem Atem zu Ende bringen. Bei Kritik und Problemen hilft mir mein Mathematikstudium, bei dem ich lernte, einen klaren Kopf zu bewahren. Ich lasse mich durch Kritik nicht gleich aus der Bahn werfen, nehme die Kritik aber schon zur Kenntnis. Auch das Stadion war ja alles andere als ein Selbstläufer und zu Beginn eigentlich eine Nummer zu groß für mich. Dieses Stadion mitten in der Stadt hatte mich gereizt und war das Risiko wert. Ich werde heute oft angesprochen. Die Leipziger freuen sich, was aus ihrem Stadion geworden ist, und sie freuen sich auf die kommenden Zeiten.

Wie schätzen Sie die Situation Leipzigs ein?

Ich bin von der Stadt begeistert und bin froh, dass jetzt der Fußball läuft. Für die Medienstadt, die Leipzig ja auch sein will, sehe ich allerdings noch Entwicklungsmöglichkeiten, die bisher nicht genutzt werden. Mir fehlen beispielsweise noch mehr Filmproduktionsfirmen sowie Internet-Aktivitäten und auch Initiativen bei den traditionellen Medien. Wir müssen in diesen Bereichen viel cleverer und engagierter sein. Die Mitteldeutsche Medienförderung bietet ja dafür eine sehr gute Ausgangsbasis. Mit Medienfirmen wäre man doch Auftraggeber und Multiplikator. Da bleibt viel zu tun. Ich hoffe auch auf die cleveren Studenten, die ich bei meinen Seminaren an der Universität kennenlerne.

Leipzig gefällt Ihnen wo am meisten?

Mir gefallen die Parks und das Waldstraßenviertel, das Museum der bildenden Künste und die Thomaskirche. Ich genieße Leipzigs Vielfalt und habe hier oft gute Laune, ob nun nach dem Besuch irgendeines Events mit jungen Leuten oder des Gewandhauses und der Konzerte im Stadion oder in der Arena. Leipzig ist eine Stadt, in der man sich immer wieder trifft. Zum Beispiel freue ich mich, wenn ich Buchprofessor Lokatis beim Bäcker treffe, der tolle Arbeit leistet, und wenn mir Herr Speck von Sternburg vom Fahrrad aus zuwinkt.

RB Leipzig ist auf dem Weg. Was sollte jetzt im Sport gefördert werden?

Der Männer-Handball! Das Ambiente ist da, bis zu 8000 Leute könnten in der Arena zuschauen. DHfK spielt ganz erfolgreich in der zweiten Liga. Die Truppe braucht zahlungskräftige Sponsoren, um ganz nach oben zu kommen. Ein Kraftpaket muss geschnürt werden. Das wäre doch was.

Interview: Thomas Mayer

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