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Ein trauriges Stück Fußballgeschichte

Ein trauriges Stück Fußballgeschichte

Mit einem symbolischen "Strafstoß der Erinnerung" gedachten gestern Sportler und Anhänger der Leipziger Fußballszene des 1939 zwangsaufgelösten jüdischen Sport-Klubs (SK) Bar Kochba.

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Mit einem symbolischen "Strafstoß der Erinnerung" gedachten Leipziger Fußballfans und Spieler des FC Hakoah Zürich des 1939 zwangsaufgelösten jüdischen Fußballvereins SK Bar Kochba.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Der sportliche Gedenktag fand anlässlich des 75. Jahrestages der Reichskristallnacht von 1938 statt. "Es war uns wichtig, dieses Stück Leipziger Fußballgeschichte aufzuarbeiten und zu würdigen", erklärte Sebastian Bona, Leiter der Initiative 1903, die den Tag mit dem Leipziger Familienportal Tüpfelhausen organisierte.

Nach zwei Jahren Findungsphase gründete sich im August 1920 der SK Bar Kochba Leipzig, benannt nach dem Rebellen Schim'ôn Bar Kochba, der im zweiten Jahrhundert in Israel einen Aufstand gegen die römischen Besatzer anführte. Stets steigende Mitgliederzahlen und erste sportliche Erfolge führten zum Erwerb eines eigenen Sportplatzes, der im Oktober 1922 an der Ecke Delitzscher Straße/Dübener Landstraße in Eutritzsch feierlich eröffnet wurde.

Die erste Partie fand damals gegen den FC Hakoah Zürich statt. Um einen Bogen zu schlagen, wurde der Schweizer Verein auch zum gestrigen Gedenktag eingeladen. "Unsere Idee war ein Spiel zwischen einer Leipziger Stadtauswahl und der Hakoaher Männermannschaft und wir freuen uns sehr, dass die Züricher gekommen sind", sagte Bona, dem die Aktion als gebürtigem Leipziger nach eigenen Angaben sehr am Herzen lag.

Nach den ersten glücklichen Vereinsjahren nahm der Einfluss antisemitischer Tendenzen auch im Sport immer mehr zu. Die Mitglieder des SK Bar Kochba wurden gezwungen, um ihre Spielstätten Sichtschutzmauern zu errichten, um nicht aufzufallen. Teile dieser Mauern stehen wie die einstigen Fahnenmasten und die Eingangstreppe noch heute im Dickicht des ehemaligen Sportplatzes, der inzwischen zu einem kleinen Biotop verwildert ist. So mussten sich die Teilnehmer des Gedenktages durch ein Stück Urwald kämpfen, um zu einem ehemaligen Tor der Ende der Achtzigerjahre geschlossenen Anlage zu gelangen. In dieses Tor flog ein "Strafstoß der Erinnerung", abgegeben von Bona. Der Schuss des Züricher Kapitäns Ethan Messinger ging leider daneben. Während er mit seinen Mannschaftskollegen den Ball im Gebüsch suchte (und nicht wiederfand), ging Bona auf Nummer sicher. Er traf aus nur etwa fünf statt elf Metern.

Zum Abschluss des Tages trafen sich die Teilnehmer dort, wo die Mitglieder von SK Bar Kochba ab 1938 nicht mehr stehen durften: auf dem Platz. Ab 14 Uhr rollte der Ball in einer Freundschaftspartie zwischen den Leipziger Gastgebern und den Zürichern im Stadion der SG Rotation 1950. In zwei Halbzeiten zu je 35 Minuten setzte sich letztlich das Team aus Zürich mit 4:2 (2:2) Toren durch. "Der Tag war ein voller Erfolg: Der alte Sportplatz von Bar Kochba soll jetzt eventuell sogar zum Denkmal erklärt werden. Darauf sind wir stolz", resümierte Bona zufrieden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.11.2013

Julia Wick

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