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Eine Frage des Geschmacks - Leipziger Süßigkeitenwerbung stößt bitter auf

Eine Frage des Geschmacks - Leipziger Süßigkeitenwerbung stößt bitter auf

Die Süßigkeit gibt's schon länger, die Werbung ist neu: "Bomfortionös!" heißt es dieser Tage auf großen Plakaten im Stadtgebiet. Der Slogan soll Appetit auf "Leipziger Kugeln" machen.

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Quelle: Andreas Döring

Die cremegefüllten Pralinees sind der kulinarische Beitrag des Liebschützer Unternehmens Crisbiss zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht und zum 100. Weihetag des Denkmals. Die Leipzig Tourist und Marketing GmbH (LTM) bewirbt das Naschwerk auf ihrer Homepage, weil zehn Cent vom Verkaufserlös jeder Packung in die Finanzierung der Gedenkveranstaltungen fließen. Dass die plakative Kampagne für die süßen Waffelkugeln dem einen oder anderen kritischen Zeitgenossen bitter aufstoßen könnte, hatte niemand auf der Rechnung.

"Als ich das Plakat zum ersten Mal sah, kam mir sogleich diese Assoziation: ,Bomfortionös!', ,Bombig!', ,Bombe!'. Das Produkt an sich erinnert ja schon an Kanonenkugeln, die ,bombige' Assoziation würde also passen, aber im Kontext der Völkerschlacht so eine Reklame - das finde ich geschmacklos." Zwar räumt LVZ-Leser Rolf-Peter Jähnichen ein, dass mit der vermeintlichen ,Bombe' auch die hundsgemeine Kalorienbombe gemeint sein könnte, doch er habe beim Betrachten und Durchdenken der Werbebotschaft ein ungutes Gefühl im Magen verspürt: "Zehntausende toter Soldaten, die im Oktober 1813 ihr Leben ließen, werden durch den Kakao gezogen", schreibt Jähnichen weiter.

Eine solche Sicht auf die Dinge überrasche, lässt der Hersteller wissen. Das Wort "bomfortionös" sei doch im Sächsischen ein durchaus geflügeltes Bonmot, wenn es darum gehe, Begeisterung auszudrücken, sagt Tobias Margraf von Crisbiss. "Als wir uns für diesen Slogan entschieden haben, ist mir nicht eine Sekunde lang der Gedanke an so et- was wie Bombe gekommen. Bomfortionös, das meint wunderbar, exzellent. Und so schmecken unsere Kugeln ja auch."

Margrafs semantischer Ansatz wird von waschechten Freistaatlern bestätigt. Im Langenscheidt-Wörterbuch "Sächsisch" findet sich zum Beispiel folgender Eintrag: ä bommforrdsschonehses Ässn = ein reichhaltiges Mal. Tatsächlich aber heißt es "bonfortionös", auf das erste O folgt ein N, mitnichten ein M. Denn der Begriff baut auf den französischen Vokabeln "bon" ("gut") und "fort" ("stark"), noch wahrscheinlicher auf "bon" und "fortune" ("Vermögen") auf. Der Sachse machte im Laufe der Sprachentwicklung "bomfortionös" draus. "So wie er Semf und nicht Senf sagt", schiebt Crisbiss-Mann Margraf nach.

Ausgedacht haben sich den diskus- sionswürdigen Slogan die jungen Damen Elvira Engel, Evelyn Stockmann, Lisa Nieske, Melanie Fraas, Henriette Wienhold und Marianne Umlauft. Das Sextett studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Leipziger Universität und nimmt an einem Projekt teil, das die Alma mater zusammen mit der Firma Ströer, Anbieter von Außenwerbung, betreibt. Bei "Raus aus dem Hörsaal - rein in die Wirtschaft" sollen die angehenden Vermarkter erste Erfahrungen im wahren medialen Leben sammeln. Ströer hat den Kontakt zu Crisbiss hergestellt - und der Kugel-Produzent aus einer Vielzahl von Entwürfen den "bomfortionösen Entwurf" herausgepickt. "Wir sind schon sehr stolz darauf, dass unser Plakat das Rennen gemacht hat", sagt Marianne Umlauft. ",Bomfortionös!' frohlockt ein sächsisches Original wie unsere Henriette. Zugleich ist bomfortionös ein Kunstwort. Pompös mit weichem P steckt drin und Bonbon. Weil wir ja eine Süßigkeit bewerben", erläutert die 21-Jährige.

Rüdiger Storim von Ströer, der die Studierenden auf ihren Pfaden zwischen Theorie und Praxis begleitet, reibt sich derweil die Hände: "Wenn über Werbung diskutiert wird, hat sie Wirkung erzielt. Und das will Werbung", sagt er über die aktuelle Debatte. Ob all das Rolf-Peter Jähnichen überzeugt? Es bleibe ein Geschmäckle, antwortet er. Ein nicht gerade bon-/bomfortionöses, findet der Leser.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.07.2013

Dominic Welters

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