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Lokales Eine Hochbahn für Leipzig
Leipzig Lokales Eine Hochbahn für Leipzig
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00:29 24.02.2018
So stellt sich Konstantin Dobeleit die Hochbahn vor: Sie verläuft über das Elsterflutbett zum Sportforum – komplett eingehaust, damit der Lärm der Züge nicht nach außen dringt. Ein Tunnelbau wäre deutlich aufwendiger. Quelle: Grafik: Konstantin Dobeleit
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Leipzig

Die Ambitionen der Stadtverwaltung, in Leipzig einen Ost-West-Tunnel für die S-Bahn zu bauen, haben einen Reudnitzer auf den Plan gerufen. Er heißt Konstantin Dobeleit und ist von Beruf Bauzeichner. Er meint, das S-Bahn-Netz ließe sich deutlich preiswerter und schneller ausbauen als bislang gedacht.

Dobeleit hat interessiert verfolgt, wie die Stadt die Besuchermassen bewältigen will, die inzwischen immer häufiger zu RB-Spielen und Konzerten ins Sportforum strömen. Er hat deshalb einen Plan für eine Hochbahnstrecke entwickelt, auf der Leipzigs vorhandene S-Bahn-Züge Fußballfans und Musikfreunde transportieren könnten – ohne die Straßen und das Straßenbahnnetz der Stadt über Gebühr zu belasten. „Eine Hochbahnstrecke wäre eine Netzerweiterung für die S-Bahn – allerdings nicht im Untergrund, sondern etwa neun Meter über dem Boden“, skizziert er seine Idee und verweist auf Städte wie Berlin und Hamburg, die auf diese Weise ihre S-Bahn-Netze kostengünstig ausgebaut haben.

Vom S-Bahn-Haltpunkt Connewitz zur Red Bull Arena

Dobeleit hat mehrere Trassenverläufe durchgespielt und würde die Hochbahnstrecke am bereits vorhandenen S-Bahn-Haltepunkt Connewitz andocken, von wo sie zur Bundesstraße 2 und an dieser entlang bis zum Schleußiger Weg führen sollte, um dann über das Elsterflutbett und das Elsterbecken zur Red Bull Arena zu verlaufen. „Dort könnte die Trasse dann in einer Schleife um das Stadion geführt werden, damit die S-Bahnen auf der selben Strecke wieder zurückfahren können“, sagt Dobeleit. „Oder man könnte überlegen, die Hochbahn weiter nach Norden zu führen und dort in das vorhandene S-Bahn-Netz einzubinden.“ Dann wäre die neue Hochbahntrasse nicht nur für Stadionbesucher interessant, sondern auch für die Bewohner der an ihr liegenden Stadtteile.

Durch die Anbindung an den S-Bahn-Haltepunkt Connwitz ließe sich auch der City-Tunnel entlasten. Denn dort könnten S-Bahnen, die aus den Regionen südlich und östlich von Leipzig kommen, direkt auf die Hochbahnstrecke rollen, ohne den Tunnel zu durchqueren.

Nach Dobeleits ersten Untersuchungen würde seine vorgeschlagene Trassenführung die bestehenden Natur-, Wasser- und Vogelschutzgebiete nicht berühren. Um Lärmbelastungen zu verhindern, will er den Fahrbereich komplett einhausen – vorzugsweise mit durchsichtigem Material. „Die Konstruktion würde dadurch wohl bis zu 16 Meter über den Erdboden ragen“, sagt er. „In einigen Städten ist so etwas ein Hingucker.“ Im Sommer könnten so auch Studenten und Familien schneller in die grüne Lunge der Stadt gelangen.

Stadtplaner sehen Vorstoß skeptisch

Leipzigs S-Bahn-Planer haben bislang noch nie den Bau einer Hochbahnstrecke durchgespielt. Vor allem aus Furcht vor städtebaulichen Vorbehalten im Leipziger Rathaus. „Die stört doch schon ein normaler Strommast“, heißt es dort hinter vorgehaltener Hand. Auch der vorgeschlagene Trassenverlauf wird kritisch gesehen. Die Streckenführung sei vor allem auf RB-Leipzig ausgerichtet und werde darüber hinaus wohl kaum Fahrgäste finden, heißt es. „Für ein Fußballspiel in 14 Tagen wird das niemand bauen, weil sich der Aufwand nicht rentiert“, meint ein erfahrener Planer. Denn auch eine Hochbahnstrecke habe nur Aussicht auf öffentliche Fördermittel, wenn sie jeden Tag mehrere Tausend Fahrgäste anzieht. Außerdem gebe es mit der geplanten Straßenbahn-Gleisschleife, die auf dem Vorplatz vor dem Stadion-Hauptgebäude entstehen soll (die LVZ berichtete), eine preiswerte Lösung, mit der bald deutlich mehr Straßenbahnen für den Abtransport der Stadionbesucher in Richtung Hauptbahnhof eingesetzt werden können.

Bestechend sind allerdings die relativ überschaubaren Kosten einer Hochbahn. Dobeleit spricht von rund 30 Millionen Euro für einen Kilometer S-Bahn-Strecke. Die von ihm vorgeschlagene Trasse von Connewitz zum RB-Stadion wäre reichlich sieben Kilometer lang, würde also „nur“ etwa 250 Millionen Euro kosten – inklusive der notwendigen Bahnhöfe und Verkabelungen um die 400 Millionen Euro. Zur Erinnerung: Leipzigs City-Tunnel und seine netzergänzenden Maßnahmen haben 960 Millionen Euro gekostet. Denkbar wäre eine solche Hochbahn auch als Stichbahn von Möckern in Richtung Klärwerk Rosenthal und von dort zum Stadion. Diese Strecke wäre nur drei Kilometer lang und deshalb deutlich billiger zu haben als die Trasse ab Connewitz. Wenn sich RB an den Kosten beteiligen würde, wäre die Wirtschaftlichkeit leichter zu erzielen. „Die Summe, die eine drei Kilometer lange Hochbahntrasse kostet, geben einzelne Fußballvereine ja inzwischen für einen Spieler aus“, meint ein Planer.

Von Andreas Tappert

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