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Lokales Leipzigerin aus Engelsdorf unter Anschlagsopfern - Bundesanwaltschaft ermittelt
Leipzig Lokales Leipzigerin aus Engelsdorf unter Anschlagsopfern - Bundesanwaltschaft ermittelt
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15:31 13.01.2016
Eine Rose unweit der Anschlagsstelle an der Blauen Moschee in Istanbul. Quelle: dpa
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Dresden

Nach dem Selbstmordanschlag in Istanbul hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde gegenüber LVZ.de. „Wir ermitteln wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und wegen Tötungsdelikten“, erklärte der Behördenvertreter. Die Bundesanwaltschaft sehe bei dem Attentat einen Zusammenhang mit dem Islamischen Staat. Zu genauen polizeilichen Aktionen wollte der Sprecher keine Angaben machen. Es werde aber auf Ermittlungsebene einen Austausch mit den türkischen Kollegen geben. Das sei auch umgekehrt üblich, wenn Ausländer in Deutschland Opfer von Straftaten werden. Die deutschen Geheimdienste seien bei den Ermittlungen der Karlsruher Anklagebehörde dagegen nicht beteiligt.

Unter den zehn deutschen Todesopfern des Terroranschlags sind auch drei Reisende aus Sachsen. Das sei „traurige Gewissheit“, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Mittwoch in Dresden. Nach Angaben des Innenministeriums handelt es sich um eine 70-Jährige aus Leipzig. Karin F. lebte zuletzt im Stadtteil Engelsdorf. Außerdem kamen zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden ums Leben. Bei ihnen handelt es sich um Vater und Sohn. Bei dem Selbstmordattentat am Dienstag in der Nähe der weltberühmten Hagia Sophia im Altstadtviertel Sultanahmet kamen nach türkischen Angaben mindestens zehn Menschen ums Leben.

„Eine Mitbürgerin ist durch einen feigen Anschlag aus dem Leben gerissen worden. Ich trauere mit den Hinterbliebenen, ihnen gehört unser aller Mitgefühl. Diese Terrorattacke mahnt uns zu Wachsamkeit und Vorsicht; gleichwohl dürfen wir nicht zulassen, dass der Terror sich in unseren Alltag einschleicht und ihn bestimmt“, erklärte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Dienstag.

Anwohner beschreiben die Witwe aus Leipzig als ruhig und freundlich. Die Mutter zweier Söhne reiste gern. Ihr nächstes Ziel hatte sie auch schon ausgewählt: "Sie wollte nach Amerika", sagte eine Nachbarin. Besonders tragisch: Im vergangenen November hat sich die ausgebildete Grundschullehrerin noch mit den Opfern des Terroranschlags von Paris solidarisiert. Bei Facebook teilte sie ein Foto mit Tricolore und der Aufschrift „“Ich verurteile jeden Terror“. Über eine eigene Aufnahme, die sie in Paris zeigt, legte sie die Farben der französischen Flagge. Nun ist Karin F. selbst Opfer eines Attentats geworden.

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Unter den Todesopfern waren außerdem drei Rheinland-Pfälzer, ein Paar aus Brandenburg, ein Berliner und ein Tourist aus Hessen. Die 71 und 73 Jahre alten Eheleute stammen aus Falkensee im Havelland, bestätigte der Potsdamer Regierungssprecher Andreas Beese am Dienstagabend. Mit Marianne und Rüdiger Faber hat die Stadt zwei ihrer aktivsten Bürger - in Diensten des Sportvereins TSV Falkensee mit seinen 2500 Mitgliedern haben sie sich unvergesslich gemacht.

Schwiegertochter Birgit Faber, Präsidentin des TSV, hatte schon eine böse Vorahnung, als sie die Nachricht von dem vermutlich islamistischen Attentat erhielt, die Schwiegereltern sich aber nicht meldeten. Nachts um 1 Uhr standen dann Beamte des Bundeskriminalamts vor der Tür und überbrachten die traurige Neuigkeit. „Wir waren natürlich geschockt. Es ist einfach unfassbar“, sagte Birgit Faber „Jetzt ist der Terror bei uns im beschaulichen Falkensee angekommen.“

Die Opfer des Anschlags in Istanbul waren nach Angaben des Reiseveranstalters Lebenslust Touristik auf einer Drei-Länder-Erlebnisreise. Insgesamt waren zum Zeitpunkt des Anschlags 33 Personen mit dem Berliner Reiseveranstalter in Istanbul unterwegs.

 „Die schrecklichen Ereignisse machen uns tief betroffen. Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen der Opfer. Wir hoffen, dass die Verletzten rasch genesen werden“, so Marco Scherer, Geschäftsführer der Lebenslust Touristik GmbH. Für Angehörige der betroffenen Reisegruppe der Lebenslust Touristik GmbH wurde eine Hotline unter 030 880013039 eingerichtet. Die Hotline ist zwischen 8 Uhr und 22 Uhr zu erreichen. Kunden der Lebenslust Touristik GmbH, die eine Istanbul‐ bzw. Türkeireise mit Reisebeginn bis zum 31.01.2016 gebucht haben, können ihre Reise kostenfrei stornieren oder umbuchen. Dies ist über die Kundenhotline unter 0180 3 333777 möglich.

 Weiter wurden mindestens 15 Menschen teils schwer verletzt, zwei von Ihnen stammen aus Niedersachsen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handelt es sich um einen 76 Jahre alten Mann und eine 79 Jahre alte Frau. Sie werden in einem Istanbuler Krankenhaus behandelt. „Ich bin zutiefst erschüttert von diesem feigen und grausamen Terroranschlag, bei dem freie Menschen ihr Leben lassen mussten“, sagte Tillich und sprach den Angehörigen aller Opfer sein tiefstes Mitgefühl aus. „Dieser Terrorakt ist ein Anschlag auf Freiheit und Menschlichkeit.“ Auch Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die „menschenverachtende Gewalt“ aufs Schärfste und sprach den Hinterbliebenen der Opfer sein aufrichtiges Beileid aus.

Einem Medienbericht zufolge ist es im südtürkischen Antalya zu einer Polizeioperation gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gekommen. Drei verdächtige russische Staatsbürger seien festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Mittwoch. Sicherheitskräfte hätten bei einer Durchsuchung Dokumente und Datenträger beschlagnahmt. Ob die Festnahmen in direktem Zusammenhang mit dem Anschlag von Istanbul standen, blieb unklar. Antalya ist eines der beliebtesten Urlaubsziele von Deutschen in der Türkei.

Matthias Roth/Ulrich Wangemann /Axel Eifert (mit dpa)

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