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Lokales Eine Million Euro für 14 Hektar: Stadt Leipzig ersteigert Schlobachshof
Leipzig Lokales Eine Million Euro für 14 Hektar: Stadt Leipzig ersteigert Schlobachshof
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09:17 28.10.2016
Anfang 2011 wurde der bis dahin sehr beliebte Reiterhof zum ersten Mal von Hochwassermassen überflutet. Grund war die Öffnung des Nahleauslassbauwerks.  Quelle: Foto: Andre Kempner
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Leipzig

 Der Schlobachshof im nördlichen Auenwald gehört in Zukunft der Stadt Leipzig. Genau zum Verkehrswert von 1 060 000 Euro konnte ein Vertreter des Liegenschaftsamtes das 14 Hektar große Areal am Donnerstag im Amtsgericht ersteigern. Die im Saal 101 vorgetragene Beschreibung für das Objekt in der Lützschenaer Straße 200 lautete: „Ehemaliger Reiterhof mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Reithalle mit Stallungen, Weide- und Waldflächen sowie einem Teich.“

Erneut bemühte sich auch ein Vertreter der Leipziger Firma HTT Verwaltungs GmbH um den Zuschlag. Wie berichtet, war diese Firma, über die fast nichts öffentlich bekannt ist, bei einem ersten Versteigerungstermin im Mai 2016 mit einem Gebot von 1 250 000 Euro erfolgreich. Weil das Amtsgericht unter der angegebenen Geschäftsadresse in Gohlis aber keinen Firmeneintrag fand, auch die Post zurückkehrte, wurde das Ergebnis der ersten Runde schließlich annulliert.

Der Versuch der HTT, am Donnerstag wieder mitzubieten, wurde vom Amtsgericht nicht akzeptiert. Begründung: Es fehle ein Nachweis über die vorgeschriebene Sicherheitszahlung von zehn Prozent des Verkehrswertes. Der Firmenvertreter erwiderte, dieses Geld sei doch noch vom ersten Termin im Mai in der Verfügungsgewalt des Gerichtes. Dies konterte die Leiterin der Auktion mit dem Hinweis, die Summe sei inzwischen an einen gewissen Roland L. zurücküberwiesen worden, der den Betrag eingezahlt hatte. Der Vertreter von HTT bestritt das – jedoch ohne Erfolg.

Bauten für beliebtes Ausflugsziel zum Teil ohne Genehmigung errichtet

Die Unternehmer-Dynastie Schlobach, einst Besitzer eines riesigen Furniersägewerks in Böhlitz-Ehrenberg, hatte 1913 einen 14 Hektar umfassenden Stiftungswald von der Gemeinde Rückmarsdorf gekauft und dort eine Geflügelzucht aufgebaut. Zu DDR-Zeiten verpachtete diese Familie den Landwirtschaftshof an die Universität Leipzig. Erst 1993 veräußerten dann Schlobach-Erben das idyllische Gelände an ein junges Paar aus Baden-Württemberg: Birgit und Michael Stanuschewski richteten dort einen Reiterhof ein, der schnell zu den beliebtesten Ausflugszielen im Auenwald avancierte.

Allerdings sollen für die von ihnen errichteten Bauten – wie eine Reithalle – zum Teil nicht alle Genehmigungen vorgelegen haben, so die Leiterin der Auktion beim ersten Termin im Amtsgericht. Ein Gastronomiebetrieb sei dort laut Gutachten künftig nicht mehr zulässig. Im Grunde kämen durch die Lage – mitten im Naturschutzgebiet sowie im Hochwasserschutzpolder der Burgaue – nur noch folgende Nutzungen infrage: Wohnen, Ackerbau, Pferde- oder Viehzucht.

Vor allem bedingt durch die Lage kam es zwischen Familie Stanuschewski und den Behörden immer wieder zu Konflikten. Zwei große Hochwasser in den Jahren 2011 und 2013, bei denen die Stadt das Nahleauslassbauwerk öffnen und damit die Burgaue fluten ließ, führten zu erheblichen Schäden auf Schlobachshof. Zeitweise musste er evakuiert werden. Danach gaben die Stanuschewskis die öffentliche Nutzung als Reiterhof auf.

Bereits seit Juli 2011 monierte die Stadt ausstehende Grundsteuerzahlungen. Gemeinsam mit dem Hauptgläubiger Deutsche Kreditbank AG (DKB) setzte sie die Versteigerung des Hofs durch, der schon längere Zeit unter Zwangsverwaltung stand. Auch andere Gläubiger wie die Propan Rheingas und Radeberger Gruppe meldeten offene Forderungen an.

Stadt braucht Gelände für ökologische Ausgleichsmaßnahmen von Firmen

Wenn die Stadt nach Abwicklung aller Formalitäten (etwa Anfang 2017) das Gelände übernehmen kann, will sie zuerst eine umfassende Bestandsaufnahme durchführen, sagte Angelika Freifrau von Fritsch, die Leiterin des Umweltamtes. „Wir wollen dort Ausgleichsmaßnahmen von Firmen hinbringen, die sich in Leipzig ansiedeln oder erweitern. Also Öko-Punkte dort sammeln, wo es wirklich sinnvoll ist.“ Zuvor müsse aber durch mehrere Ämter gemeinsam ein naturschutzgerechtes Konzept für den Schlobachshof erarbeitet werden. Dazu gehörten Aussagen zum Umgang mit Mietverträgen und den teils denkmalgeschützten Bauten. Letztere sollten durch Einfriedungen vor Schäden bei einer Nutzung des Hochwasserpolders bewahrt werden.

Von Jens Rometsch

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