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Eine Spur weg - ist das die Lösung vor dem Leipziger Hauptbahnhof?

Eine Spur weg - ist das die Lösung vor dem Leipziger Hauptbahnhof?

Immer wieder halsbrecherische Ausweichmanöver von Fußgängern oder Radfahrern vor dem Hauptbahnhof, teils chaotische Zustände nicht nur zur Hauptberufsverkehrszeit an der Zentralhaltestelle der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) - leider Alltag an einem neuralgischen Punkt der Stadt.

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Vor dem Leipziger Hauptbahnhof kommt es regelmäßig zu Problemen zwischen Rad- und Fußverkehr.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eine kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht, wird aber immer vehementer gefordert.

"Das Gesamtproblem auf dem Willy-Brand-Platz ist so lange nicht zu lösen, wie kein politischer Wille da ist", sagt Alexander John vom Leipziger Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Seine Organisation hat unlängst die Maximalforderung ins Spiel gebracht, den Verkehr vor dem Hauptbahnhof komplett wegzunehmen und stattdessen über die ausgebaute Berliner Straße zu führen - und entsprechende verbale Prügel, aber auch Zuspruch erhalten. Nun prescht der Lobby-Verein der Fahrradfahrer mit einem neuen, aus seiner Sicht pragmatischen Vorschlag vor. "Wenn von den vier nördlichen Fahrspuren eine weggenommen wird, kann zum einen eine Radspur markiert werden, zum anderen wäre zusätzlicher Raum da, um die völlig beengte Zentralhaltestelle zumindest etwas auszuweiten", sagt der 32-Jährige.

Indirekt hatte dies auch Bau-Bürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) Ende letzten Jahres im Sinne, als sie in etwa davon sprach, dass die nicht zufriedenstellende Situation vor dem Hauptbahnhof nur zu lösen wäre, wenn der Radverkehr auf die Straße verlagert werde. Daraufhin soll sie aber verwaltungsintern von der Straßenverkehrsbehörde ausgebremst worden sein. Vielmehr wurde ein neuer Prüfauftrag auf den Weg gebracht.

Hauptproblem: Vor dem Hauptbahnhof ist nicht ersichtlich, welcher Bereich für Radfahrer und welcher für Fußgänger gilt. Vielmehr müssten nach der aktuellen Beschilderung Pedaleure beispielsweise aus Richtung Brandenburger Straße vor der Osthalle auf die Fahrbahn wechseln und nach der Westhalle wieder auf den dann gemeinsamen Fuß- und Radweg zurück. "Mit dem Aufmalen eines roten Fahrradweges vor dem Hauptbahnhof ist es aus unserer Sicht jedenfalls nicht getan", so ADFC-Sprecher John. Die Reduzierung auf drei Fahrspuren sei da eine sinnvolle Übergangslösung.

Indirekt sehen dies auch die LVB so. Deren Zentralhaltestelle könnte von dem zusätzlichen Platz profitieren. "Es ist die wichtigste Haltestelle in unserem Netz", erklärt LVB-Chefplaner Ekkehard Westphal. Sie werde täglich von etwa 100000 Ein- und Aussteigenden genutzt - der mit Abstand größte Wert für eine LVB-Haltestelle. Die nächstgrößeren wie beispielsweise am Augustusplatz komme gerade einmal auf 25000 bis 30000 Fahrgäste. Seit dem letzten Umbau im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat sich das Aufkommen am Hauptbahnhof um 20000 Nutzer deutlich erhöht, so der 45-Jährige.

Und dabei wird es nicht bleiben. Experten gehen davon aus, dass sich der öffentliche Personennahverkehr von derzeit insgesamt 160 Millionen Fahrgästen (LVB und Bahn) im Jahr bis 2025 auf 200 Millionen erhöhen wird. Verantwortlich dafür sind neben den steigenden Einwohnerzahlen auch ein verändertes Verkehrsverhalten der Bürger, die immer mehr auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

"Wir sehen auch, dass die Zentralhaltestelle an ihre Grenzen stößt", formuliert es Westphal vorsichtig. Bei großen Messen oder Veranstaltungen im Sportforum mit zusätzlichen Straßenbahnen sei die Grenze der Durchlassfähigkeit fast erreicht. Man sei bereit, mit der Stadt über alle Möglichkeiten zu reden. Eine Verbreiterung der Haltestelle würde helfen, die dortige "Enge zu entkrampfen". Und: "Es wäre wünschenswert, wenn eine Lösung nicht erst in zehn Jahren erfolgt." Durchaus vorstellbar ist für den LVB-Experten die vom ADFC ins Spiel gebrachte dritte, mittlere Querung, die die Verkehrsströme vor dem Hauptbahnhof besser lenken soll.

Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 7. Juli 2014.

Martin Pelzl

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