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Lokales Einheitsdenkmal: „Herbstgarten" strahlt ins Weltall - Tina Bara über die neue Favoritenrolle
Leipzig Lokales Einheitsdenkmal: „Herbstgarten" strahlt ins Weltall - Tina Bara über die neue Favoritenrolle
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17:26 05.07.2013
HGB-Professorin Tina Bara entwickelte den Leipziger Entwurf fürs Freiheits- und Einheitsdenkmal mit. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Wie Bara die neue Favoritenrolle und die Wirren um die Jury-Wertung sieht, darüber sprach sie jetzt mit LVZ-Online.

Baras spontane Reaktion nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse war Freude. „Es wäre unglaublich schön, das Denkmal machen zu können – in dieser Stadt, in der ich arbeite, und diesem Land, das mich geprägt hat“, sagte sie. Bara war selbst in der Opposition zu DDR-Zeiten aktiv. „Für mich ist das nicht irgendein Denkmal.“

Das ist die eine, emotionale Seite, die sie eigentlich lieber aus dem Gespräch heraushält. Stattdessen sieht sie genügend sachliche Gründe, warum ihr Team mit den Kolleginnen Anna Dilengite und Alba D’Urbano in der zweiten Bewertungsrunde punktemäßig den Sprung nach vorn geschafft hat. Ein wenig verwundert ist sie schon über die Aufregung, die das verursacht: Jeder Bewerber habe die Möglichkeit gehabt, die Wertung zu verändern. „Das hat man doch in Aussicht gestellt, das lag im Bereich des Möglichen.“

Dass sich Jurymitglied und Grünen-Stadtrat Roland Quester von dem Bewertungsverfahren distanzierte, kann Bara nicht verstehen. „Ein Jahr ist vergangen, und es wurde heiß diskutiert“, sagt sie. Da sei es nicht unüblich, dass sich Verschiebungen in der Bewertung ergäben.

Keine Gewalt: Geschichte erlaufen, lesen, hören

"Keine Gewalt - Herbstgarten" Quelle: PR .

Für das Bewerber-Trio aus Leipzig war die Weiterentwicklung Ansporn, „sehr viel Energie und Zeit“ in die neue Arbeitsphase zu stecken. Auch mit den Fragen der Bürgerinnen und Bürger habe sich das Team intensiv auseinandergesetzt. „Anna Dilengite hat wohl fast jede Mail dazu beantwortet“, sagt Bara. Inhaltlicher Ansatz in der Weiterentwicklung: Das Symbolhafte des Schriftzugs „Keine Gewalt“ mit allen Möglichkeiten des Erlebens wurde gegenüber dem Garten gestärkt. „Ich hatte das Gefühl, dass das bei der Jury angekommen ist“, sagt sie.

Bara betont die hohe Aufenthaltsqualität ihres Entwurfs. „Man kann dort sitzen, hören, lesen, wandeln“, beschreibt die Professorin. In der Modellierung der Landschaft ist nichts mehr zufällig. Aus einer Mulde heraus können die Besucher den Schriftzug aus einer ungewöhnlichen Perspektive betrachten, von einem Hügel die Botschaft „Keine Gewalt“ erahnen. „Das war vielen Leuten wichtig“, sagt sie, denn so richtig lesen lässt sich die Botschaft erst aus der Vogelperspektive.

Botschaft leuchtet ins Weltall

Neu ist auch das Beleuchtungskonzept. Bodennahe Lichtstreifen sollen die Buchstaben ausleuchten. Die Oberseite der Skulpturen wird durch Streiflicht aus den Buchstabenrändern erhellt, so dass die Botschaft „ins Weltall“ strahlen kann. Die Fußwege sollen durch bodennahes Licht aus Wandleuchten erhellt werden. „Von Anfang an haben wir den gesamten Platz in die Gestaltung einbezogen“, so Bara.

Die Präsentation hat das Leipziger Team für die zweite Runde wesentlich aufwändiger gestaltet, inklusive 3-D-Bildern. Bara zieht Bilanz: „Ich hatte das Gefühl, dass wir die vielschichtigen Gedanken zu unserem Entwurf überzeugend rübergebracht haben.“

Evelyn ter Vehn

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