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Einheitsdenkmal Leipzig: Siegerteam will Missverständnisse zu Entwurf "70.000" klären

Einheitsdenkmal Leipzig: Siegerteam will Missverständnisse zu Entwurf "70.000" klären

Spielfläche, spaßiges Etwas, ohne Respekt für den Mut der Demonstranten von 1989 – der Siegerentwurf „70.000“ für das Freiheits- und Einheitsdenkmal musste heftige Kritik aus Leipzig einstecken.

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Die Ausstellung zum Freiheits- und Einheitsdenkmal im Neuen Rathaus zeigte im Sommer alle Entwürfe.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das Künstler-Team M+M aus München und Annabau aus Berlin hat die Kommentare von denkmaldialog-leipzig.de gesichtet, und meint: Viele Einwände beruhen auf Missverständnissen. Gleichzeitig sei klar, „dass es eine Überarbeitung geben muss“.

Rund 1200 Kommentare wurden im Online-Bürgerforum abgegeben, die weitaus meisten zum Siegerentwurf, der einen Platz mit 70.000 farbigen Keramikflächen und tragbaren Podesten vorsieht. „Wir haben die Diskussion sehr stark verfolgt“, sagt Marc Weis von M+M. Die konstruktive Kritik sei ausgewertet worden.

Für die Überarbeitung sei die Gestaltung des Platzumfelds ein Thema. Damit werde auch die Aufenthaltsqualität des Ensembles gestärkt. Eine zentrale Rolle spiele außerdem die inhaltliche Vermittlung, denn bei der Deutung der Podeste und des Platzes mit seinem bunten Farbmuster gebe es grundlegende Missverständnisse.

Farbiges Bürgerforum: Veranstaltungen rund um das Thema Freiheit etablieren

Die Podeste stünden nicht für den Sieg der Friedlichen Revolution, sondern für die Courage jedes Einzelnen, seine Stimme zu erheben. „Diese Redefreiheit muss immer neu errungen werden“, erklären Weis und de Mattia die Symbolik. Mit den Podesten soll diese Idee in die Welt getragen werden.

„Zurück bleibt aber nicht ein leerer Platz“, betonen die Künstler. Der farbige Ort des Gedenkens soll sich als Forum für verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema Meinungs- und Versammlungsfreiheit etablieren. „Am Wilhelm-Leuschner-Platz fand ja auch 1965 die Beat-Demo statt und wurde aufgelöst.“ Musikevents seien genauso denkbar wie Versammlungen von Bürgerinitiativen. Das Konzept sehe bereits ein Budget vor, um über ein Jahr Eventreihen zu etablieren.

Dass das Farbmosaik viele Leipziger eher auf die Palme bringt, als im Herzen rührt, kann das Berlin-Müncher-Team nur teilweise nachvollziehen. Sie setzen auf die Wirkung der riesigen Anzahl an Farbfeldern, ein Sinnbild der enormen Zahl von Montagsdemonstranten. „Wenn man real auf dem Platz steht, erschließt sich das auch emotional“, sagte das Team im Gespräch mit LVZ-Online.

Konzept "70.000" sprengt klassische Vorstellungen

Das Denkmal „70.000“ sei auch ein Vorstoß in Neuland. „Unser Prinzip sprengt klassische Vorstellungen“, sagt de Mattia. Farbe statt gedeckter Grautöne einerseits. Dazu mobile Podeste statt Standbildcharakter andererseits. Beides sei für viele mit dem üblichen Denkmalsbegriff nicht vereinbar.

Dass Zeitzeugen ihnen vorwerfen, der bunte Entwurf spiegele kein bisschen die Stimmung des Aufbruchs von 1989 wieder, wollen die Künstler so nicht stehen lassen. Es sei nicht ihr Ziel gewesen, ja es sei sogar unmöglich, die Spannung jener Zeit darzustellen. „Es geht darum, die Dynamik aufzunehmen und in die Zukunft zu tragen“, so M+M.

Im November rechnen die Schöpfer von „70.000“ mit einem offiziellen Katalog von der Stadt Leipzig, der die Punkte für die Überarbeitung auflistet. Das Siegerteam ist auf einen „komplexen Prozess bis zur Realisierung“ eingestellt. Kunst traue sich hier richtig, in die Bürgerschaft hinein zu gehen, so Marc Weis. Und dass sei immer mit heftigen Emotionen und Diskussionen verbunden. „Das muss die Arbeit aushalten“, so M+M. „Das steht schließlich auch für das Prinzip Freiheit.“

Evelyn ter Vehn

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