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Einige Stadträte wollen Entscheidung über Zukunft der Linie 9 verschieben

Leipziger Nahverkehr Einige Stadträte wollen Entscheidung über Zukunft der Linie 9 verschieben

Die LVB wollen Ende November die Linie 9 nach Markkleeberg durch einen Bus ersetzen. Dagegen regt sich Widerstand. Etliche Stadträte wollen die Entscheidung am 28. Oktober aussetzen – bis ein neuer Nahverkehrsplan vorliegt. Der Umweltbund Ökolöwe legte zudem ein unabhängiges Gutachten vor.

Die Straßenbahnlinie 9 an der Koburger Straße. Ob sie dort weiterfährt, ist umstritten. Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat, ob sie vom Connewitzer Kreuz künftig bis zur Klemmstraße fährt..
 

Quelle: Foto: André Kempner

Leipzig.  Fährt die Straßenbahnlinie 9 nach dem Fahrplanwechsel doch weiter vom Connewitzer Kreuz in Richtung Markkleeberg? Etliche Stadträte wollen bewirken, dass die Entscheidung – bis zur Erarbeitung des neuen Nahverkehrsplanes – verschoben wird. Auch der Stadtbezirksbeirat Leipzig-Süd hat sich dafür ausgesprochen. „Wir müssen über eine solide Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs nachdenken, anstatt Hals über Kopf Linien einzukürzen“, sagt Stadtrat Matthias Weber (SPD). Er kündigte eine Initiative gemeinsam mit Abgeordneten der Linken und einigen Grünen an, da die Faktenlage nach wie vor widersprüchlich sei.

Zur Erinnerung: Der kurzfristige Investitionsbedarf, um die komplette Strecke zu erhalten, so argumentieren Verwaltung und Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), würde in den kommenden fünf Jahren bei 13,1 Millionen Euro liegen. Das bezweifeln vor allem die Linken, die von kurzfristig zwei, maximal fünf Millionen ausgehen. Sehr marode wäre beispielsweise die Kurve an der Wolfgang-Heinze-/Koburger Straße. „Der Betrieb der Strecke ist mindestens im Leipziger Teil weit weniger defizitär als bisher angenommen“, argumentiert Franziska Riekewald (Linke). Zwar seien die Fahrgastzahlen nach Markkleeberg um 25 Prozent gesunken, die auf dem Leipziger Teil bis Wildpark und Forsthaus Raschwitz hingegen um vier bis sechs Prozent gestiegen, unterstreicht Steffen Wehmann (Linke). Deshalb schwebt einigen die Minimalvariante vor, die Straßenbahn wenigstens bis zur Wendeschleife an der Parkstraße weiter fahren zu lassen. „Das ist für mich keine Alternative“, entgegnet Steffen Georgi (CDU), der den betriebswirtschaftlichen Angaben der LVB-Geschäftsführung vertraut. „Ich sehe keine neuen Fakten.“ Ein Großteil der Grünen ist ebenfalls überzeugt, dass die Einstellung zwar „eine schmerzhafte Entscheidung“ wäre, sie unter Abwägung von Kosten und Nutzen aber richtig wäre. Schließlich werde die Linie durch einen Bus ersetzt. „Wir sind dafür, mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr auszugeben – bei den Strecken gibt es aber andere Prioritäten“, sagt Daniel von der Heide (Grüne). Da müsse 2016 eine intensive Diskussion erfolgen. Die zukünftige Ausgestaltung des ÖPNV dürfe sich aber nicht an finanziellen Zwängen, sondern müsse sich am Bedarf und Notwendigkeiten ausrichten.

Mittlerweile werden neuerliche Rufe laut, vor der Entscheidung ein Gutachten zur Linie 9 anzufertigen. Ein erstes hat der Umweltbund Ökolöwe, der auf der September-Tagung eine Petition mit knapp 12 000 Unterschriften zum Erhalt der Linie übergeben hatte, quasi schon vorgelegt. Die unabhängige Verkehrsberatungsgesellschaft LTE hat es erstellt. „Das Gutachten zeigt auf, wie die umweltfreundliche Straßenbahn in einer abgespeckten Taktung weiterfahren kann“, erläutert Tino Supplies, verkehrspolitischer Sprecher des Ökolöwen. Die erzielten Einsparungen erlauben sogar, das Angebot der Straßenbahn durch einen zusätzlichen Bus zu verdichten, der von Leipzig direkt bis zum Cospudener See fährt. Die Fahrgastzahlen würden den Erhalt der Linie 9 wie bisher rechtfertigen. Die Entscheidung im Stadtrat dürfte spannend werden. Bis dahin wollen einige auch geklärt haben, ob die LVB Fördermittel zurückzahlen muss. Immerhin hat sie in den Ausbau der Gleisanlagen – darunter am Forsthaus Raschwitz – investiert.

Von Mathias Orbeck

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