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Leipzig Lokales Einmal auftanken, bitte
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07:08 19.08.2018
Die Tankstelle rechts von ihnen ist hier gar nicht zu sehen: Freisitz-Gäste links neben der Tanke. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist ein äußerst deskriptiver Name: Die Bar „Links neben der Tanke“ liegt links neben einer lila Tankstelle in Lindenau. Hinter dem Namen verbirgt sich eine gemütliche Kneipe mit einem lauschigen, fast schon verwunschenen Biergarten. Der Weg von der Idee bis zur nachbarschaftlichen Oase mit Wohnzimmergefühl war aber ganz schön weit.

Die Inhaber Jonas Hufnagel und Georg Junghanns kennen sich noch aus dem Staatswissenschafts-Studium. Bei einem verlängerten Wochenende in Prag mit einer Freundin spaßten sie herum, was man denn machen könnte. „Da sind wir auf die Idee gekommen, lasst mal eine Bar und ein Hostel in Leipzig aufmachen“, erzählt Georg. Beide kommen zwar nicht aus Leipzig, Georg kommt aus Magdeburg und Jonas aus Ludwigsburg, aber Georg hatte bereits einen Bezug zur Stadt. Auch viele ihrer Freunde wohnen hier. „Wir wussten, dass es die Stadt ist, wo wir das machen können, was wir wollen“ meint Georg, und damit begann die Häusersuche. Das Ziel: Ein Ort, wo man sich wohlfühlt, leben und arbeiten und alles unter einen Hut bringen kann.

Das Resultat lässt sich nach viel harter Arbeit sehen. Zusätzlich zur Bar befinden sich in der Lützner Straße 7 noch Wohnungen und das „Multitude Hostel“. Die beiden hatten Glück, denn sie bekamen das Haus sehr günstig – damals war die Entwicklung der Gegend noch nicht absehbar. Dafür haben sie auch fast drei Jahre in die Sanierung gesteckt. Selbst gemacht haben sie nicht alles, aber vieles. Bauerfahrungen waren nicht vorhanden. Dafür hatten beide schon erste Gastronomie-Erfahrungen, Jonas mehr, Georg weniger. In das Hostel fließen ihre eigenen Reiseerfahrungen ein.

Ein einziger grüner Dschungel

Ein besonderes Stück Arbeit war der idyllische Biergarten, den neben den Gästen auch Katze Leyla gern als Aufenthaltsort nutzt. „Als wir hier ankamen, der erste Tag, das weiß ich noch ganz genau, da war ein Tor, das war eigentlich schon so gut wie weg gerostet, so dass wir es direkt aufmachen konnten“, erinnert sich Georg, und beschreibt das Szenario, während er ans andere Ende des Gartens zeigt: „Es war ein einziger grüner Dschungel, du hattest keine Möglichkeit, bis zur Wand da hinten zu kommen.“

Noch heute zeugen kleine Überbleibsel vom Umbau. Wer genau hinsieht, entdeckt hier einen Reifen, ein Rohr und sogar einen kleinen begrünten Ofen und eine bepflanzte Badewanne – alles im Haus gefunden. Eine kleine Erhöhung wurde bereits für Lesebühnen genutzt, und auch ein Singer/Songwriter-Konzert wäre denkbar. Die Betreiber achten aber darauf, dass die Veranstaltungen nicht störend sind, denn die Beziehung zur Nachbarschaft ist wichtig.

Der Innenbereich ist dafür gemütlich rustikal. Die Backsteinwände sind bewusst offen gelassen, es ist eine urige Kneipe, die auch für die Nachbarn gedacht ist. Ist man nun nach all der Arbeit fertig? Für Georg bleibt es ein laufender Prozess, sie feilen viel am Angebot. Das Angebot an Drinks wurde überarbeitet, und sie bieten den Gästen nun, passend zur gemütlichen Atmosphäre, Flammkuchen an.

Auch Kultur hat ihr einen Platz

Seit der Eröffnung im Oktober beraumt die Kneipe unterschiedliche Veranstaltungen. Das LNDT-Pubquiz findet alle zwei Wochen statt. Bisher gab es auch ein Event namens Petrola-Party, und die Betreiber überlegen, im Herbst wieder ein ähnliches Konzept anzubieten: Es ist eine gruppentaugliche Mischung aus einer Clubnacht und einer Barnacht, mit DJs, die im Keller auflegen und gute Musik machen. Die einen können unten tanzen, die anderen können oben in Ruhe Bier trinken.

Dann gibt es noch die STRY:Lesebühne, für die es keinen festen Termin gibt. Aber auch diese findet ein bis zwei Mal im Monat statt und hat immer ein anderes Thema wie beispielsweise „Love Letters“. Organisiert wird sie von Paula Kittelmann, einer Freundin, die bei „Links neben der Tanke“ auch schon eine Diskussion zum Thema Feminismus veranstaltet hat. Zwar ist der Ort nicht politisch und die Betreiber haben keine Agenda, aber „Wir sind offen für jede Form von progressiven politischen Veranstaltungen hier“, meint Georg. Es ist eben ein offener Ort mit dem Anspruch dass alle hierher kommen können.

Momentan befindet sich das Team im Sommer-Modus, aber es wird bereits kräftig überlegt, wie es im Oktober weitergeht. Es bleibt spannend, denn schon über den Freundeskreis der beiden Inhaber finden sich viele Möglichkeiten für Veranstaltungen, aber sie erhalten auch zahlreiche interessante Hinwendungen von anderen Menschen, die den Ort nutzen wollen, so dass es schwierig wird, hinterher zu kommen. „An der Stelle tut es mir oft auch leid, dass man Sachen erst nach Wochen beantwortet, es sind wirklich sehr viele Anfragen“, bedauert Junghanns. Noch nicht alle Ideen für den Herbst sind spruchreif, aber man darf neugierig sein und vorbeischauen – schwer zu finden ist „Links neben der Tanke“ ja nicht.

Links neben der Tanke, Lützner Straße 7, Öffnungszeiten: Di-Mi 15-01 Uhr, Do 15-02 Uhr, Fr-Sa 15-03 Uhr, So 15-00 Uhr

Von Miriam Heinbuch

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