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Lokales Einschlagstopp für Eichen und Eschen gefordert
Leipzig Lokales Einschlagstopp für Eichen und Eschen gefordert
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20:02 13.09.2018
Baumfällungen im Südlichen Auwald. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Sollen im Auwald weiter im großen Stil Bäume gefällt werden – wie es die Stadtförsterei plant – oder sollte sich der Wald möglichst unbeeinflusst entwickeln, wie die Natur es will? Diese Frage spaltet nicht nur in Leipzig die Fachleute (die LVZ berichtete), sondern in ganz Deutschland. Der Verein Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald (Nukla) hat deshalb überregional anerkannte Experten aus Europa zu einem zweitägigen Auwaldsymposium in die Alten Handelsbörse eingeladen. Das Symposium ging gestern Abend mit einem Appell an die Stadtverwaltung zu Ende, die die Veranstaltung boykottierte. Sie wurde aufgefordert, mit den Leipzigern „einen wirklichen Dialog über die zukünftige Nutzung des Auwaldes“ aufzunehmen. Die Stadt solle dafür ein „deutliches Zeichen“ senden und bis zum Abschluss dieser Bürger-Diskussion auf sämtliche Fällungen im Auwald verzichten. „Ich wünsche mir, dass die Stadt einen generellen Einschlagstopp für Eschen und Eichen im Auwald ausspricht“, erklärte Tobias Mehnert, Chef des Naturschutzverbandes Grüne Liga Sachsen. „Außerdem sollte die Stadt mit uns über die Bewässerung des Auwaldes ins Gespräch kommen.“ Es sei „widersprüchlich“, in der Stadt „richtigerweise um den Erhalt jedes Straßenbaums zu kämpfen und gleichzeitig im Auwald 150 Jahre alte Bäume zu fällen“.

Zuvor hatten Experten wie Friedrich Schiemer, Professor an der Universität Wien, herausgearbeitet, dass es gute Chancen gibt, die Nord-West-Aue und den sogenannten Möckernschen Winkel stärker mit Wasser zu versorgen und so die typische Auwaldflora zu bewahren. „Das wäre durch ein Umsteuern des Gewässerknotens möglich“, erklärte der Ökologe Bernd Gerken. Dadurch könne Wasser, das derzeit in die Neue Luppe fließt, in die Nahle geleitet werden. „Inzwischen gibt es sehr viele sachkundige Überlegungen, wie der Wasserhaushalt des Auwaldes so gelenkt werden kann, dass die Wasserzufuhr so wenig wie möglich geregelt werden muss.“

Kritik übten Experten an der Praxis der Leipziger Stadtförster, im Auwald sogenannte Femellöcher anzulegen – also große Lichtungen zu schaffen, um Lebensraum für lichtliebende Arten zu schaffen. Im diesjährigen warmen Sommer sei bereits zu sehen gewesen, dass dort die Böden aufreißen und die erhofften Effekte nicht eintreten, hieß es.

Der Umwelthistoriker Norman Pohl von der Bergakademie Freiberg erklärte, der Auwald brauche statt der für Herbst geplanten umfangreichen Fällungen „Ruhe, Zeit und Wasser“. Auch Gerken befand: „Der Forstplan 2018 ist eine absolute Faust ins Gesicht jedes Leipzigers, der den Wald erhalten will. Bleibt es bei den Fällungen, wird es in Leipzig einen Aufschrei geben.“ Und Pohl betonte: „Hier werden Fakten geschaffen, die in einer menschlichen Lebenszeit nicht mehr korrigiert werden können. Wenn im Jahr 2438 wieder 500 Jahre alte Bäume im Auwald stehen sollen, dann muss jetzt gehandelt werden.“

Von Andreas Tappert

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