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Eisvogel-Schutz: Stadt Leipzig will Störenfriede hart bestrafen

Eisvogel-Schutz: Stadt Leipzig will Störenfriede hart bestrafen

Leipzigs Paddler können sich freuen. 2015 will die Stadt die Nutzungszeiten des Floßgrabens deutlich ausweiten und erstmals auch wieder abends Bootsverkehr gestatten.

Eisvogel

Quelle: Patrick Pleul

Leipzig. Damit der streng geschützte Eisvogel nicht leidet, sollen die Einschränkungen aber etwa zwei Monate länger gelten als bisher und vor allem ihre Einhaltung streng kontrolliert werden.

Wie das Umweltdezernat auf LVZ-Anfrage bestätigte, wurde gestern - und damit ungewöhnlich frühzeitig - eine neue Allgemeinverfügung zur Nutzung des Floßgrabens im Jahr 2015 erlassen. Demnach gelten vom 1. März bis 30. September Einschränkungen für den Bootsverkehr. Das ist deutlich länger als 2014 (17. April bis 5. September) sowie im Jahr 2013 (10. Mai bis 15. August). Die längere Dauer basiere auf Erkenntnissen aus zwei Gutachten, die in der gerade abgelaufenen Saison erstellt wurden, erklärte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Zum Beispiel sei ein Ziel, dass sich der von Wasserinsekten, Kaulquappen und Fischen ernährende Vogel ungestört einen Brutplatz suchen kann.

Innerhalb der Geltungsdauer der neuen Verfügung dürfen dann aber alle mit Muskelkraft angetriebenen Boote den Floßgraben täglich sieben Stunden lang befahren: von 11 bis 13 Uhr, 15 bis 18 Uhr sowie 20 bis 22 Uhr. Das sind drei Stunden mehr als 2014 (11 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Uhr).

Ausflüglern werde dadurch ermöglicht, nach einem erholsamen Tag im Neuseenland abends per Boot in die Stadt zurückzukehren, fuhr Rosenthal fort. Für den Eisvogel sei das unschädlich, weil er seine Bruten so spät nicht mehr füttere. Hingegen unterbreche er tagsüber häufig die Nahrungssuche, wenn Boote durch den 4,5 Kilometer langen Wasserarm im südlichen Auenwald fahren. Sperrzeiten seien daher aus heutiger Sicht weiter unvermeidbar.

Bei einem Befahren mit Motorbooten müsse der Eisvogel jedoch längere Fütterungspausen einlegen, verlasse sein Revier mitunter sogar vorübergehend. Die Gutachter hätten festgestellt, dass das Wasser im Floßgraben nach der Durchfahrt des als umweltfreundlich geltenden Leipzig-Bootes etwa 20 Minuten getrübt bleibt: durch Sedimentaufwirbelungen. Laut der Allgemeinverfügung dürfen 2015 daher nur solche Motorboote den schmalen Fluss passieren, die auf Antrag eine Sondergenehmigung erhalten. Die Erlaubnis werde maximal für jene Zeiten erteilt, in denen auch Kajaks und Kanus fahren.

In der letzten Saison habe es noch viel zu viele Verstöße gegen die Allgemeinverfügung gegeben, beklagte der Bürgermeister. Bei 27 Kontrollgängen stellten die Behörden 354 Verstöße - davon 287 durch Boote - fest. Laut Hochrechnungen der Gutachter hielten sich 20 Prozent der mehr als 16000 Bootsführer, die in diesem Jahr den Floßgraben nutzten, nicht an die vorgeschriebenen Zeiten.

2015 sollen deutlich wirksamere Kontrollen stattfinden und Störenfriede hart bestraft werden, so Rosenthal. "Wir werden sicherstellen, dass der Floßgraben bis 11 Uhr frei bleibt." Aus den Beobachtungen 2014 wisse die Stadt nun, wann dort die meisten Umweltfrevler auftauchen. Zudem wolle sie den Freistaat um den Einsatz auch der Wasserschutzpolizei bitten. Verstöße könnten mit Bußgeldern bis 50000 Euro geahndet oder als Straftat verfolgt werden.

Zur Sicherung eines 20 Meter breiten Schutzstreifens an Land, der nicht betreten werden darf, soll das Forstamt Uferwege blockieren oder verlegen. Falls es dennoch zu Beeinträchtigungen des Brutgeschehens kommt, werde die Allgemeinverfügung deutlich verschärft, warnte er.

Aus Sicht von Umweltschützern wie Wolfgang Stoiber, Chef des Nukla-Vereins, sind täglich sieben Stunden freie Nutzung dennoch zu viel für den Eisvogel und andere geschützte Arten am Floßgraben. "Außerhalb der Öffnungszeiten könnten die Einfahrten zu der Naturschönheit mit einer Art massiver Schranke verschlossen werden", schlug er gestern vor. Damit lasse sich auch die Durchfahrt während der Öffnungszeiten regulieren, auf kurze Zeitspannen zu jeder vollen Stunde begrenzen. Die Leipzig-Boote sollten ihre Elektromotoren abstellen und sich in dem sensiblen Ökosystem wie ein Stechkahn fortbewegen, sagte Stoiber.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.11.2014

Jens Rometsch

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