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Eisvogel-Schutz - so verrückt geht's im Leipziger Floßgraben zu

Eisvogel-Schutz - so verrückt geht's im Leipziger Floßgraben zu

Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Ein unter Radsportlern besonders beliebter Kalauer. Leipziger Wasserwanderer haben jetzt einen ähnlich ironischen Spruch auf Lager.

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Durch den Floßgraben im Kanu, das kann sehr lustig sein. Es braucht nur einen Elektro-Lastkahn.

Quelle: Privat

Und der lautet so: Wer mit dem Kanu durch den Floßgraben will, muss aussteigen und das Paddel aus der Hand geben. Die Allgemeinverfügung zum Schutze des Eisvogels treibt halt hin und wieder seltsame Blüten.

In wassersportlichen Fachkreisen wird noch immer über jenes Szenario gefrotzelt, das sich dieser Tage rund um den Leipziger Floßgraben zutrug, der als wichtiges Teilstück des Gewässer-Kur- ses 1 die Schleuse Connewitz mit dem Waldbad Lauer/Cospudener See verbindet. Jugendliche des Markkleeberger Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums hätten die landschaftlich äußerst reizvolle Passage während des diesjährigen Schul-Kanulagers gern paddelnd genommen, doch die Allgemeinverfügung der Stadt Leipzig zum Schutze des brütenden Eisvogels gebot ihrem Elan Einhalt.

Die Verordnung, im Mai vom Amt für Umweltschutz erlassen, besagt bekanntlich, dass die wassersportliche Nutzung des Floßgrabens bis einschließlich 15. August nur an Sonnabenden und Sonntagen zwischen 11 und 13 Uhr sowie 15 und 17 Uhr gestattet ist. Da die knapp 30 Hildebrand-Kids an einem Donnerstag vom Küchenholz zurück zur Schule am Ostufer des Cospudener Sees wollten, bedurfte es einer Ausnahmegenehmigung. Diese wurde beantragt - und von der Unteren Naturschutzbehörde, dem besagten Umweltschutzamt im Technischen Rathaus, abgelehnt. Unter anderem mit dem Hinweis auf eine erfolgreiche Eisvogel-Zweitbrut.

Um dennoch den Heimathafen zu erreichen, blieb den Hildebrand-Schülern nur eins: Sie charterten ein Elektro-Motorboot der Ranaboot GmbH, hievten ihre rund 20 Kanus auf die "Marianne" und sahen zu, wie die Fracht gen Lauer gondelte. Die Ranaboot GmbH hat nämlich das, was dem Gymnasium verwehrt wurde: eine Ausnahmegenehmigung für den Floßgraben, die dessen uneingeschränkte Nutzung möglich macht.

Eine "Eulenspiegelei" nennt das Heiner Quandt, der Präsident des Sächsischen Kanu-Verbandes (SKV). Er und seine Vorstandskollegen haben sich im Zuge der aktuellen Floßgraben-Debatte auf eine offizielle Stellungnahme verständigt. Darin heißt es unter anderem: "Der SKV kann nicht nachvollziehen, warum mit einer Allgemeinverfügung die angebliche besondere Schutzwürdigkeit des Floßgrabens hervorgehoben wird, was ein generelles Befahrungsverbot zwingend erfordert, dann aber schon kurzfristig Ausnahmen für Motorboote erteilt werden. Hier entsteht der Eindruck, dass sich einzelne Lobbygruppen erfolgreich durchsetzen können, während Partner des Naturschutzes - zu denen sich der SKV zählt - auf die Ausübung ihres natur- und landschaftsverträglichen Sports verzichten müssen."

Quandt und seine Sportfreunde sehen für die Zukunft "dringenden Klärungsbedarf". Heißt konkret: "Im Vorfeld der Paddel-Saison 2014 wollen wir eine neue Diskussion." Das grundsätzliche Ja des Kanu-Verbandes zum naturverträglichen Wassersport und Wassertourismus auf Leipziger Gewässern beinhalte, "dass wir für ökologisch besonders sensible Gewässerabschnitte differenzierte Regelungen finden", so der Präsident. "Hierzu ist aus unserer Sicht ein generelles Verbot für alle Motorboote, gleich welcher Antriebsart, und die Einschränkung des gewerblichen Verleihbetriebs von muskelkraftbetriebenen Booten in Betracht zu ziehen."

Der Umweltbund Ökolöwe fügt noch einen Paddelschlag hinzu, fordert gar ein generelles Fahrverbot für alle Verleihboote, was zuletzt erboste Kanu- und Kajak-Anbieter auf den Plan rief (die LVZ berichtete). Die vielen Verleiher in Leipzig fühlen sich durch die Allgemeinverfügung eh schon gegängelt.

Wie aber steht es gerade um das Tier? Aus dem Amt für Umweltschutz ist zu erfahren, dass seit April in zwei unterschiedlichen Bereichen des Floßgrabens Eisvogel-Bruten stattgefunden haben. In dem ersten - südlich gelegenen Bereich - verlief die Erstbrut noch vor dem Einsetzen des Hochwassers, die Zweitbrut nach der Flut erfolgreich. Im zweiten - nördlichen - Bereich habe es vor den hohen Pegelständen wahrscheinlich auch Nachwuchs gegeben. "Insgesamt hat das Hochwasser die Reproduktion des Vogels im Floßgraben also nicht geschädigt", sagt Amtsleiterin Angelika von Fritsch. "Der Eisvogel ist eine Art, die generell mit natürlichen Hochwasserereignissen gut zurechtkommt. Wenn eine Brutröhre überflutet wird, kann sie schnell mit einer Ersatzbrut reagieren."

Das Tier scheint also recht widerstandsfähig zu sein. Ein Grund mehr, im neuen Jahr von einer Floßgraben-Sperrung abzusehen? Im Rathaus wird darüber nachgedacht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.07.2013

Dominic Welters

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