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Lokales Elke Schwierz betreut in Vietnam die seltensten Affen der Welt
Leipzig Lokales Elke Schwierz betreut in Vietnam die seltensten Affen der Welt
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14:29 20.10.2015
Einsatz in Vietnam: Elke Schwierz vom Zoo Leipzig wird als Tierpflegerin in einer Auffangstation arbeiten. Quelle: privat
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Den Weg nach Vietnam kennt Elke Schwierz gut, sogar sehr gut. Zusammengerechnet achteinhalb Jahre hat sie seit 2002 dort gearbeitet und gelebt, länger als in Deutschland. Nächste Woche fliegt die 41-Jährige wieder hin. Bis Ende April übernimmt sie erneut den Job der Cheftierpflegerin in der Auffangstation, die der Leipziger Zoo im Cuc Phuong Nationalpark im Landesnorden betreibt. Ihre Arbeitsstelle an der Pfaffendorfer Straße bleibt ihr erhalten, das Grundgehalt läuft weiter, der Zoo zahlt den Flug. Die Single-Frau hat eine kostengünstige kleine Wohnung in Zoonähe, die sie behält.

Elke Schwierz kümmert sich mit 25 vietnamesischen Mitarbeitern um 180 beschlagnahmte Affen (und deren Nachkommen) aus illegaler Haltung. Gibbons, Languren, Loris: Es sind die seltensten Affen der Welt. Besonders freut sich die Deutsche auf das Wiedersehen mit einem Schützling aus dem Jahr 2011, einen weiblichen Delacour-Langur. Schwierz hat das Äffchen per Handaufzucht aufgepäppelt. Nur noch 200 Tiere dieser Art leben in Nordvietnam, und das bedeutet: weltweit. Mittlerweile hat das Delacour-Weibchen sogar einen Partner in der Station. Die Ersatzmama hofft, dass die beiden während ihres Aufenthaltes Nachwuchs bekommen: „Das ist das absolute Highlight, zu erleben, wie eine Handaufzucht die eigenen Kinder aufzieht."

Die Vietnamesen gehen nicht besonders gut mit den Wildtieren in ihren Wäldern um. Sie vernachlässigen ihre Verantwortung für die Natur und schaffen es offenbar nicht, straffere Gesetze durchzusetzen. Obwohl es verboten ist, wird immer wieder mit Wildtierhandel Geld gemacht. Die Mitarbeiter der Auffangstation bekommen Schreckliches zu sehen: „Da sitzen die seltensten Affen der Welt angekettet im tiefsten Müll und werden mit Hunden oder Zigaretten gequält." Viele Tiere haben schlimme Verletzungen von den Schlingen, Lähmungen von Knüppelschlägen oder Schussverletzungen.Typischerweise wird die Mutter getötet und landet im Kochtopf oder in der Pharmaindustrie. Das Jungtier an ihrem Körper wird zu verkaufen versucht.

Manchmal, gibt Elke Schwierz zu, ist sie den Tränen nahe: „Zum Beispiel wurde uns 2014 ein kleiner Roter Kleideraffe mit den schlimmsten Verbrennungen gebracht. Das Tier war an Händen und Füßen verbrannt, entweder von einem heißen Motorradauspuff oder tatsächlich vom Kochtopf." Zudem hatte es vom Durchfall ein total wundes Hinterteil und schrie bei jedem Versuch der Berührung. Elke Schwierz kümmerte sich um das Sorgenkind, betupfte es mit mitgebrachter Salbe - inzwischen ist die Kleine ein munteres, gesundes Affenmädchen.

Etwa zehn Tierpfleger aus Leipzig waren im Laufe der Jahre in Vietnam im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, die beschlagnahmten Affen gesund zu pflegen und die Nachkommen auszuwildern. Die deutschen Cheftierpfleger kümmern sich um die Dienstpläne, entscheiden über Futtermengen bei den Handaufzuchten und über die Beschäftigung der Tiere, kontrollieren die Menge und Qualität des Laubes, das von den Vietnamesen als Futter geschnitten wird. Sie füttern und misten auch selbst, wenn Not am Mann ist. Die Einheimischen sind keine ausgebildeten Tierpfleger, sondern Farmer oder Reisbauern. Viele können weder lesen noch schreiben, haben zu Hause oft weder Küche noch Dusche oder Toilette. Aber viele haben im Laufe der Jahre viel gelernt. „Besonders stolz war ich, als meine Mädels einen versehentlich losgelassenen aggressiven Gibbon mit einem Netz eingefangen haben", erzählt Elke Schwierz. Sie selbst hat in Vietnam nicht nur Vietnamesisch gelernt, sondern auch ordentliches Englisch, um sich in der Fachliteratur belesen zu können. Wenn Bücher nicht weiterhelfen, holt sie sich übers Internet Rat bei Zooexperten.

Seit 2002 unterstützt der Leipziger Zoo die Station in Vietnam, im Jahr 2013 hat er die Trägerschaft komplett übernommen und überweist jährlich 100000 Euro.

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