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Eltern-Demo vor Leipziger Rathaus: „Kita-Streik stoppen“

Tarifstreit Eltern-Demo vor Leipziger Rathaus: „Kita-Streik stoppen“

Rund einhundert aufgebrachte Eltern und ihre Kinder demonstrierten am Dienstag vor dem Neuen Rathaus für einen sofortigen Stopp des Kita-Streiks. Bürgermeister Andreas Müller (SPD) stellte sich den Eltern und bekam reichlich Unmut zu spüren.

Eltern und Kinder machten vor dem Leipziger Rathaus ihrem Ärger über den Kita-Streik Luft.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Rund einhundert aufgebrachte Eltern und ihre Kinder demonstrierten am Dienstag vor dem Neuen Rathaus für einen sofortigen Stopp des Kita-Streiks. Aufgerufen hatte per Facebook eine private Initiative um die betroffenen Mütter Mandy Schirmer und Jana Reichel. Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD) stellte sich den Eltern und bekam reichlich Unmut zu spüren.

Mit Tröten, Pfeiffen und Plakaten machten Mütter, Väter und Kinder ihrem Ärger Luft. „Mich regt maßlos auf, dass auch in der dritten Streikwoche niemand verhandelt“, sagt Meike Behlau. Mit Freunden, Nachbarn und Babysitter hat sich die 38-jährige Dolmetscherin über die Zeit gerettet. „Trotz verständnisvollem Chef: Das, was auf Arbeit liegen geblieben ist, muss ich irgendwann aufholen“, sagt sie.

Vor dem Neuen Rathaus in Leipzig demonstrierten Erzieher, Eltern und Kinder für eine schnelle Lösung im Kita-Streit.

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Björn Hübner (38), der im Lager eines Versandzentrums arbeitet, hat für die Betreuung seines vierjährigen Sohnes beinahe den Jahresurlaub aufgebraucht. „Meine Frau hat gerade einen neuen Job, da kann sie doch nicht frei nehmen“, schildert er. Unternehmensberaterin Cora Juste (31) steht kurz vor der Geburt ihres dritten Kindes, kann ihre beiden zwei und vier Jahre alten Sprösslinge deshalb zu Hause betreuen. Sie hat Verständnis für die Streikziele, findet aber: „Eltern und Kinder sind die einzigen, die leiden. Das ist skandalös. Kommunen, Bund und Gewerkschaften müssen sofort an einen Tisch.“

Viele hätten vor dem Neuen Rathaus vielleicht eher Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) als Ansprechpartner erwartet. Doch der ist im Urlaub, heißt es, und so steht Bürgermeister Andreas Müller allein vor einem Ansturm an Fragen und Vorwürfen. „Wir schätzen die Situation auch als misslich ein“, versucht er zu beschwichtigen. „Die Gewerkschaften haben aber Verhandlungstermine am 11. und 12. Mai abgesagt. Der Streik findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem nicht einmal die Positionen klar auf dem Tisch liegen“, so Müller.

Arbeitgeber-Angebot liegt vor

Für die Kommunen verhandle zentral die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), erklärt er weiter. Den Fragen, was Leipzig zur Entlastung der Eltern aktuell tun könne, hat Müller deshalb nur wenig entgegen zu setzen. Die VKA hätte ein Angebot unterbreitet. „Man muss reden, nicht streiken“, beharrt er.

Vorschlagspapier der VKA vom 21. April

„Auch nicht ganz richtig, dass der Bürgermeister jetzt alles abbekommt“, sagt CDU-Stadtrat Michael Weickert, der sich unter die Demonstranten gemischt hat. „Hier müsste eigentlich Oberbürgermeister Jung stehen“, findet er. Die Stadträte hätten recht wenige Möglichkeiten, in den Konflikt einzugreifen. „Aber die Kommune kann bei der Notbetreuung ansetzen“, sagt er, und da wolle seine Fraktion den Finger in die Wunde legen.

Notbetreuung wird derzeit den Eltern ermöglicht, die nachweisen können, dass sie am Arbeitsplatz unabkömmlich sind, Leib und Leben gefährdet werden oder ihre Existenz bedroht ist. Hübner, dessen Sohn von Vaters Schultern wohl den besten Überblick über das Geschehen hat, sieht das so: „Das betrifft doch letztlich alle, die jetzt nicht arbeiten gehen können“. Damit dürfte er am Dienstag vielen aus dem Herzen gesprochen haben.

Evelyn ter Vehn

Rund 3000 Erzieher demonstrieren am Dienstag, 19. Mai 2015, in Leipzig. Unter dem Motto "Wir sind es wert" kämpfen sie für eine Aufwertung ihres Berufsstands. Fotos: André Kempner

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