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Eltern fordern Stadt Leipzig wegen Kita-Mangel zum Handeln auf

Mehr als 1000 Plätze fehlen Eltern fordern Stadt Leipzig wegen Kita-Mangel zum Handeln auf

Aufgrund der aktuellen Kitaplatz-Situation in Leipzig haben Eltern und die Kita-Initiative einen Forderungskatalog aufgestellt. Darin verlangen sie unter anderem einen anderen Umgang mit den betroffenen Eltern, aber auch mehr Transparenz und mehr Beteiligung. Die Stadt will sich zumindest der Kritik am Kita-Portal annehmen.

Kein Zutritt: Viele Eltern haben es schwer, in Leipzig einen Kita-Platz für ihren Nachwuchs zu finden.

Quelle: dpa

Leipzig. „Nehmt uns endlich wahr und nehmt uns ernst!“ – dies fordert die Leipziger Kita-Initiative, die für den 21. Juni, 15.30 Uhr zu einer Demonstration vor das Neue Rathaus eingeladen hat. An diesem Tag trifft sich der Stadtrat zur letzten Tagung vor der Sommerpause. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat das vergangene Wochenende. Wie berichtet, standen da etwa 450 junge Eltern vor einer neuen Kita der Johanniter in der Lößniger Straße Schlange, um sich um einen der 165 Plätze zu bewerben, die dort ab August zur Verfügung stehen. Damit hat der Platzmangel – derzeit fehlen laut Verwaltung mehr als 1100 Krippenplätze – ein Gesicht bekommen.

Die Leipziger Kita-Initiative, ein von Eltern gegründetes Netzwerk, erkennt zwar an, dass Leipzig neue Kitas baut, mit einer Task Force im Rathaus den Planungs- und Bauprozess verschlankt. Doch Grundstücke und Investoren sind rar, die Zeit drängt. Viele Eltern, die aufgrund fehlender Betreuung nicht rechtzeitig zurück in den Job können, sind jetzt verzweifelt und wollen nicht länger als anonyme Zahl behandelt werden. „Wir akzeptieren nicht länger, dass durch den Fokus auf die Ausbau-Bemühungen die heutigen Probleme der zum Teil verzweifelten Leipziger Familien ignoriert werden“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung der Initiative.

Die sechs Forderungen - und was die Stadt dazu sagt

Diese macht sechs Forderungen auf: Darin verlangt sie mehr Transparenz und Beteiligung, vor allem aber einen anderen, fairen Umgang mit den betroffenen Eltern. Dazu gehört auch eine sinnvolle Lösung der Platzvergabe unter Bedingungen des Platzmangels – vor allem Transparenz beim umstrittenen Kita-Portal. So sollten Alleinerziehende und Eltern, die am längsten warten, als Erste verfügbare Plätze bekommen. Die Stadt wird aufgefordert, zur Not selbst mehr Kitas zu bauen, „anstatt Last und Verantwortung für die Kinderbetreuung (unter dem Deckmantel der Vielfaltsförderung) auf die freien Träger abzuwälzen“.

Am Nachmittag reagierte die Stadt auf die Kritik. Stadtsprecher Matthias Hasberg teilte mit: "Die Stadt Leipzig tut seit Jahren ihr Möglichstes, um den steigenden Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten für Kinder im Vorschulalter zu decken. Tausende Plätze wurden in den vergangenen Jahren geschaffen. Wahr ist aber auch: Die Geburten- und Zuzugsraten sind dynamischer als unser Kita-Bauprogramm. Die Kritik an der Bürgerfreundlichkeit unseres KIVAN-Portals haben wir ernst genommen - es wird überarbeitet und bis Ende des Jahres wird eine neue, nutzerfreundlichere Version bereit stehen. Künftig sind auch alle Kitas der freien Träger verpflichtet, ihre sämtlichen freien Plätze in das Portal einzupflegen."

Auch zum Thema der Beteiligung nahm Hasberg Stellung: "Betroffene Eltern wie auch die Kita-Initiative finden bereits heute Gehör in den zuständigen Ämtern. Der Gesamtelternrat hat einen beratenden Sitz im Jugendhilfeausschuss. Damit sind Elterninteressen in einem wichtigen Entscheidungsgremium vertreten – auch Interessen von Eltern, deren Kindern noch keinen Betreuungsplatz haben." Im Stadtrat bestehe jederzeit die Möglichkeit, Einwohneranfragen zu stellen, betonte Hasberg. Ein Rederecht sehe die Sächsische Gemeindeordnung jedoch nicht vor.

Von Mathias Orbeck

Das sind die sechs Forderungen

1. Wir fordern Gehör und Beteiligung! Wir fordern, dass die Stadt vom Mangel betroffene Eltern anhört, indem Vertreterinnen etwa bei der Stadtratssitzung sprechen dürfen, in den relevanten Ausschüssen bzw. -beiräten einen Sitz bekommen oder zumindest regelmäßig persönliche Gespräche mit den Verantwortlichen geführt werden. Vorstellbar wäre auch eine Integration unserer Gruppe in den Gesamtelternrat Leipziger Kindertageseinrichtungen. Auch der durch den Jugendamtsleiter ins Leben gerufene, dann aber eingeschlafene „runde Tisch Kita“ könnte reaktiviert werden.

2. Wir fordern Information! Wir fordern regelmäßige öffentliche Eltern- und Informationsabende, mindestens zwei Mal im Jahr, bei denen die Verantwortlichen sich offen und transparent den Fragen (und dem Frust) der nach Kitaplätzen suchenden Eltern stellen und ihnen kompetent Rede und Antwort stehen!

3. Wir fordern Transparenz! Wir fordern eine sinnvolle Lösung der Platzvergabe unter Bedingungen des Platzmangels! Im Sinne einer angemessenen Mangelverwaltung fordern wir eine einheitliche Vergabe der Betreuungsplätze über das Kita-Portal sowie Transparenz bei der Vergabe! Die Eltern, die am längsten warten, sollten als Erste verfügbare Plätze bekommen! Alleinerziehende sollten stärker berücksichtigt werden! Alle Kita-Leitungen sollten verpflichtet werden, die Anfragen der Eltern über das Portal so zeitnah wie möglich zu bearbeiten! Eltern sollten regelmäßige E-Mails bzgl. des Stands der Bearbeitung ihrer Anfrage und der Vergabe informiert werden! Kita-Leitungen sollten durch die für das Portal zuständige Firma geschult werden, um etwa die permanente Falsch-Einstellung von Plätzen zu vermeiden!

4. Wir fordern Unterstützung! Wir fordern das Jugendamt auf, suchende Eltern wirklich zu unterstützen! Das Jugendamt sollte Eltern regelmäßig aktualisierte Kontaktlisten zu Kitas und Tageseltern direkt mit der Referenznummer aushändigen und idealerweise auch Informationen zu den Vergabe-Modalitäten der einzelnen Kitas mitliefern. Das Erfragen der Vergabe bei den Leitungen verursacht unsäglichen Stress für Eltern und Einrichtungen! Wir fordern, dass die Eltern nicht durch die Mitarbeiter_innen des Jugendamts dazu befragt werden, ob der Betreuungstermin nach hinten verschoben werden kann!

5. Wir fordern mehr Kitaplätze! Neben den üblichen Ausbaubemühungen fordern wir Unterstützung und Förderung von engagierten Gründungswilligen, etwa indem eine Kita-Gründungsberatung angeboten wird. Wir fordern die Unterstützung von Klein-Kitas und Kinderläden! Wir fordern Gespräche und Kooperation der Stadt mit Arbeitgebern, um mehr Betriebskitas und eine Betreuung der Kinder in Elternnähe zu ermöglichen! Wir fordern, dass die Stadt zur Not selbst mehr Kitas baut und betreibt, anstatt Last und Verantwortung für die Kinderbetreuung (unter dem Deckmantel der Vielfaltsförderung) auf die freien Träger abzuwälzen!

6. Wir fordern Entschuldigungen und gegebenenfalls Entschädigungen! Als Zeichen, dass wir gehört werden, möchten wir öffentlich als relevante Gruppe behandelt werden.

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