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Lokales Eltern sauer über Einschränkungen für externe Anbieter in den städtischen Kitas
Leipzig Lokales Eltern sauer über Einschränkungen für externe Anbieter in den städtischen Kitas
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00:43 28.04.2018
Kinder lernen frühzeitig Instrumente kennen. Quelle: Fotolia
Leipzig

Leipziger Eltern sind sauer: Das Jugendamt legt ihnen Steine in den Weg, in städtischen Kitas Angebote externer Anbieter wie zum Beispiel musikalische Früherziehung oder Englisch für die Jüngsten zu nutzen. Das ist bislang durchaus üblich, soll aber vom Sommer an zumindest eingeschränkt werden. „Unsere fünfjährige Tochter nutzt seit fast zwei Jahren das Angebot eines externen Anbieters in einer städtischen Kita“, sagt Holger Dahms, Elternvertreter an einer Leipziger Kita. Einmal pro Woche komme die Musikschule „Neue Musik“ in seine Einrichtung. Die Kinder werden einmal pro Woche aus den Gruppen abgeholt und unterrichtet. „Jetzt mussten wir erfahren, dass das ab Sommer nicht mehr möglich ist.“ Erzieher haben gesagt, dass dies generell verboten wird – das gelte auch für die städtische Musikschule „Johann Sebastian Bach“, die in fünf Kitas Kurse anbietet. Musikschulleiter Matthias Wiedemann will dies aber so nicht bestätigen. „Wir haben keine verwertbare Information unseres städtischen Partners.“ Anfang Mai soll es jedoch Gespräche geben.

Eltern schreiben offenen Brief

„Das Verbot ist nicht nachzuvollziehen“, sagt Dahms, der mit anderen Eltern einen offenen Brief ans Jugendamt geschrieben hat. Viele Kinder werden in den Einrichtungen acht, neun Stunden betreut, oft arbeiten beide Eltern Vollzeit. Da sei es nicht möglich, am späten Nachmittag noch in eine entfernte Musikschule in der City zu fahren. Zuerst hieß es im Amt, dass Angebote in den Kitas grundsätzlich für alle offen sein sollen. Wenn einzelne Eltern einen geringen Kursbeitrag für so ein Zusatzangebot bezahlen, würden die anderen ausgeschlossen. „Das ist doch nur vorgeschoben, dann dürfte es auch kein Puppentheater mehr geben, für das Geld eingesammelt wird.“ Hinzu kommt: Bei sozial Schwächeren ist eine Übernahme der Kursgebühren über das Bundesförderprogramm „Bildung & Teilhabe“ jederzeit möglich. Den Eltern wurde auch gesagt, dass die Erzieher sowieso ausgebildet sind, den Kindern musische Fähigkeiten beizubringen. Dahms: „Das ist kein Vergleich: Sie sind doch froh, wenn sie die Gruppen betreut bekommen. Die musikalische Früherziehung ist eine Unterstützung, die von den Eltern finanziert wird.“

Jugendamtschef: Kein generelles Verbot

Im Rathaus kann man die Aufregung nicht nachvollziehen: „Wir haben einen gesetzlich geregelten Bildungsauftrag. Dem müssen in erster Linie unsere Erzieher nachkommen“, sagt Nicolas Tsapos, der Jugendamtsleiter. Dennoch gebe es „in mindestens der Hälfte unserer Einrichtungen zusätzliche musikalische Angebote, Sport, Tanz und anderes“. Daher könne von einem Verbot für externe Anbieter keine Rede sein. „Ihr Angebot muss aber immer mit dem ureigensten Auftrag einer Kita vereinbar sein.“ Die Kita sei keine Untervermietung für andere Anbieter. „Wenn es regnet, müssen die Kinder aus dem Garten hereinkommen und die Räume nutzen können“, nennt er ein Beispiel. Da sei es schwierig, einen zu blocken, wenn fünf Kinder Flötenunterricht haben. Nach den Kernzeiten und 16 Uhr sei dies aber kein Problem.

Das bestätigt eine Musikpädagogin der Musikschule „Neue Musik“. „Unser Mietvertrag läuft im Sommer aus und wird nicht verlängert“, sagt die junge Frau, die ihren Namen nicht öffentlich nennen will. „Nach 16 Uhr dürften wir rein – aber niemand kann sagen, wie das organisiert wird.“ Die gemeinnützige Firma biete musikalische Früherziehung seit vielen Jahren in bis zu 15 Kitas an – bei freien Trägern gebe es keine Probleme. „Es ist schade, dass wir das Angebot nicht fortführen können.“

Von Mathias Orbeck

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