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Lokales Elternnetzwerk: Grünau hinkt bei der Sanierung von Schulen hinterher
Leipzig Lokales Elternnetzwerk: Grünau hinkt bei der Sanierung von Schulen hinterher
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09:00 09.05.2016
Machen sich für Grünauer Schulen stark: Michael Beimel, Sara Faulian, Michael Schauer, Ines Zimmermann-Kurbardovic und Sebastian Klausch (von links) vom Elternnetzwerk Grünau. Quelle: André Kempner
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Einige sind selbst in Grünau aufgewachsen: „Ich kann Ihnen zeigen, welche Fenster schon damals kaputt waren, als ich 1992 noch die Schule besuchte“, sagt Michael Schauer. Der 40-jährige Berufssoldat gehört dem Grünauer Elternnetzwerk an. Dort haben sich verschiedene Elternvertreter aus Schulen, Kitas und Horten vereint. Ihr gemeinsames Ziel: Grünau darf nicht länger abgehängt werden, was die Sanierung der Schulen betrifft. „Wir müssen es endlich schaffen, in der städtischen Planung eine höhere Priorität zu bekommen“, ergänzt Antje Kowski vom Quartiersmanagement.

Die Zeit, als Wohnungen abgerissen werden mussten und Grünau schrumpfte, ist lange vorbei. Seit mindestens drei Jahren geht die Kurve wieder aufwärts, viele Familien mit Kindern ziehen in den Stadtteil, der wieder über 45000 Einwohner hat – doch die Kitas und Schulen sind überfüllt und teilweise in einem maroden Zustand. Neben dem Sanierungsfall 84. Schule in der Stuttgarter Allee 5, über die die LVZ kürzlich berichtete, gibt es an den 18 Bildungsstätten des Stadtteils viele weitere Beispiele für ungelöste Probleme, die die Eltern nun erneut aufgelistet haben.

Etwa die 91. Grundschule in der Uranusstraße, in der sich etliche Kinder nicht trauen, auf die Toilette zu gehen. Der Strang ist seit fast 35 Jahren unsaniert, soll aber nun im Sommer wohl gemacht werden. „Fenster sind eine Katastrophe, lassen sich teilweise nicht öffnen und fallen auseinander“, erzählt Schauer. Möbel und Tafeln sind in einem beklagenswerten Zustand. Nicht viel besser sieht es in der 100. Grundschule, Miltitzer Allee 1, aus – einige Fenster haben Löcher, durch die der Wind pfeift. Die Heizung ist kaum zu regulieren, auf dem Schulhof fehlt es an Geräten. Wenigstens einer der beiden Sanitärstränge soll in den Sommerferien gemacht werden. Ein aktiver Förderverein hat die Bibliothek neu gestaltet, in Eigeninitiative wurden Treppenaufgänge gemalert. Da es im Keller Schimmel gab, ließ die Stadt wenigstens den Essensraum renovieren. Problematisch sei auch der Zustand der Freien Schule in der Alten Salzstraße 67. Das Gebäude hat inzwischen 43 Jahre „auf dem Buckel“, Fenster, Elektrik, Fassade, 80 Prozent der Heizkörper sind original aus jener Zeit. Der Verein, der nun einen Erbbaupachtvertrag mit der Stadt abschließen will, hofft auf Fördermittel, muss ohnehin 60 Prozent der Baukosten allein stemmen.

„Nur aus eigenen Mitteln schafft der Verein die Sanierung nicht. Eine Konsequenz könnte sein, dass der Schulbetrieb nach 25 Jahren eingestellt werden muss“, so Schauer. Erschreckend ist für viele Eltern, dass die Stadt sich – trotz 40 Jahre Grünau – nur punktuell um ihre Schulgebäude gekümmert hat. „Es geht um Chancengleichheit für unsere Kinder“, ergänzt Elternvertreter Richard Doberschütz. Sara Faulian: „Wir brauchen endlich eine Lobby für Grünauer Schulen.“

Das Elternnetzwerk will sich nun an Stadträte wenden, die ihr Anliegen unterstützen können. Sie befürchten, dass ihr Stadtteil gänzlich vergessen wird – außer des nun geplanten Vorzeigeobjekts „Schulzentrums Grünau Nordwest“ nicht viel passiert. Wie berichtet, entsteht am Standort der 94. Oberschule, der Schule Grünau und des Max-Klinger-Gymnasiums an der Miltitzer Allee ein Schulzentrum für gut 33 Millionen Euro.

Diese Befürchtungen möchte Nicolas Tsapos, der Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung, zerstreuen. „Grünau wurde in den letzten Jahren nicht vergessen und wird auch perspektivisch nicht vergessen“, sagt er auf LVZ-Nachfrage und listet auf, dass beispielsweise neben der Komplexsanierung der Ringelnatzschule an fünf Gebäuden der Brandschutz verbessert sowie an fünf die Freianlagen neu gestaltet worden sind. Noch in diesem Jahr beginne die Komplexsanierung der zwei Schulgebäude „An der Kotsche“ als Ersatzstandort für die 78. Schule und die Martinschule (Bausumme: 12 Millionen Euro). Ebenfalls 2016 startet die energetische Sanierung der 85. Grundschule, ein Jahr später der 84. Oberschule in der Stuttgarter Allee (jeweils 1,6 Millionen Euro), zusätzlich seien an der „84.“ Fußboden- und Malerarbeiten vorgesehen. Zwei Sanitärstränge werden vom Sommer an in der 91. sowie 100. Grundschule erneuert. „Es wird auch an anderen Schulen Reparaturen geben“, kündigt er an. Sein Amt sei gerade dabei, den neuen Haushaltsplan zu erarbeiten.

Das Elternnetzwerk bleibt skeptisch: “Wir wissen, dass nicht jede Schule gleichzeitig saniert werden kann. Wenn nicht rasch etwas passiert, wird der Stadtteil wirklich zum sozialen Brennpunkt“, befürcht Schauer. Die Eltern ziehen auch vor den Lehrern den Hut, die versuchen aus der Situation mit den auch für sie furchtbaren Arbeitsbedingungen das Beste zu machen. „Grünau ist auf gutem Wege“, so Stadtteilmoderatorin Antje Kowski vom Quartiersmanagement: „Die Bildung darf dabei aber nicht auf der Strecke bleiben.“

Von Mathias Orbeck

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