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Leipzig Lokales Endlich: Leipzigs neue Regionalleitstelle ist am Netz
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20:52 29.01.2016
Das neue Leitstellen-Gebäude ist ein Hochsicherheitstrakt. Um in die Zentrale zu gelangen, müssen Schleusen passiert werden.  Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Immer heftiger klatscht der Regen an die Fenster von Leipzigs nagelneuer Integrierter Regionalleitstelle in der Gerhad-Ellrodt-Straße 29c. Der Regenguss wird sintflutartig und hört nicht auf; in Minutenschnelle stehen ringsum die Felder unter Wasser. In der Leitstelle gehen bei den elf diensthabenden Disponenten immer mehr Notrufe von Leipzigern ein, die die Nummer 112 gewählt haben. Jetzt hängen schon alle Diensthabenden an den Telefonen, arbeiten die Anrufe in drei Kategorien ab: Wo Leben und Gesundheit in Gefahr sind, müssen Leipzigs Retter sofort anrücken. Gleich danach rangieren Schäden an neuralgischen Punkten der Leipziger Infrastruktur. Wer „nur“ einen drei Zentimeter vollgelaufenen Keller meldet, muss jetzt warten. Denn jetzt gehen bis zu 200 Hilferufe in der Minute ein in der Leitstelle werden eilig die fünf Mitarbeiter geholt, die im Ruheraum Bereitschaftsdienst haben. Doch auch mit ihnen ist die Zahl der Anrufe aus der 560.000-Einwohner-Stadt Leipzig nicht zu stemmen. Deshalb werden zusätzliche Kräfte aus den Feuerwachen im Stadtgebiet angefordert. Als klar wird, dass über Leipzig wieder eine Jahrhundertflut hereinbricht und die eigenen Kapazitäten hoffnungslos überfordert sind, werden die vier anderen sächsischen Rettungsleitstellen zur Koordinierung der Hilfe zugeschaltet – zuerst die beiden Nachbarleitstellen, dann die weiter weg.

Für Horror-Szenarien wie diese ist die neue Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) in Großzschocher gedacht, die gestern erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. „Seit Montag, fünf Uhr, sind wir mit der neuen Technik am Netz", berichtet Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). 11,5 Millionen Euro hat die IRLS gekostet, die als Hochsicherheitstrakt konstruiert ist, damit niemand die Retter beim Retten ausbremsen kann. Weil die neue Technik extrem leistungsstark, aber auch sehr kompliziert ist, musste die Fertigstellung mehrfach verschoben werden. „Wir haben das eine oder andere Tal der Tränen durchschritten“, räumt der Ordnungsbürgermeister ein.

Mit ihrer neuen Technik kann auch sie bei Katastrophen Dienste für die vier anderen großen sächsischen Leitstellen übernehmen. Sie kommunzieren dabei in einem besonders geschützten Netz; auch das verschlüsselte interne Polizeinetz ist aufgeschalten. Die 21 Disponenten-Plätze können an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr besetzt werden; sechs zusätzliche Arbeitsplätze stehen für die Notruf-Annahme bei Unwettern oder sogenannten Großschadensereignissen zur Verfügung.

Auch die Anforderungen an das Personal sind enorm gestiegen. Mitarbeiter hatten sich deshalb in einem Brief an ihren Chef gewandt, weil sie fürchten, dass sie nicht gut genug geschult wurden. Gestern hieß es vor Ort, dieses Problem sei inzwischen gelöst. Es hätten klärende Gespräche stattgefunden, in denen weitere Schulungen zugesagt wurden, berichtet ein Leitstellen-Mitarbeiter. Leipzigs Feuerwehr-Chef Karl-Heinz Schneider erklärt, dass alle notwendigen Lehrgänge absolviert wurden. Fast 5000 Ausbildungsstunden hätten stattgefunden und im Durchschnitt sei jeder Mitarbeiter zweieinhalb Wochen geschult worden. „Ich sehe das auch so“, sagt Rosenthal. Und Abteilungsleiter Peter Heitmann ergänzt: „Wir führen permanent Fortbildungen durch und werden ganz gezielt noch mal die Themen weiterführen, die der Einzelne hat.“

Komplett ist die neue Regionalleitstelle allerdings noch nicht. Denn die Leitstellen der beiden Nachbarlandkreise sollen auch noch einziehen. Der Landkreis Nordsachsen wird bis Jahresmitte folgen, heißt. Die Integration der in Grimma ansässigen Leitstelle des Landkreises Leipzig soll möglichst noch bis Jahresende gelingen.

Von Andreas Tappert

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